Zufriedenheit im Job Wenn Geld und Macht nicht mehr locken

Viele Unternehmen erwarten von ihren Führungskräften Verfügbarkeit rund um die Uhr. Im Gegenzug bieten sie Status und Geld. Doch vor allem die Jüngeren befriedigt das nicht so recht - sie verspüren "eine neue Sehnsucht nach Sinn".

Von Miriam Hoffmeyer und Johanna Pfund

Marco Heurich freut sich gerade darüber, wie gut die Fichten nachwachsen, da piept sein Handy: Ein Reh ist in die Falle gegangen. Darum wird er sich kümmern müssen. Doch vorher taucht aus dem Dickicht noch ein Ranger auf, mit dem er die Erfassung von Spuren bespricht, die Aufschluss über die Zahl der Wildtiere im Nationalpark Bayerischer Wald geben sollen. Der promovierte Forstwissenschaftler arbeitet in der Nationalparkverwaltung und sorgt für die Verjüngung des Waldes, betreut ein Rotwild-Forschungsvorhaben und entwickelt Modelle für Wildtiermanagement.

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Im vergangenen Jahr hätte Marco Heurich einen großen Karrieresprung machen können - aus dem Wald heraus in eine Weltstadt: Er hatte sich für eine Professur in Zürich beworben. Nach der Probevorlesung war klar: Er hätte sie haben können, obwohl seine Habilitation noch nicht abgeschlossen ist. Hohes Ansehen, ein Schweizer Professorengehalt, mehrere Assistenten - eigentlich war die Stelle zu gut, um sie auszuschlagen. Marco Heurich tat es trotzdem, nach reiflicher Beratung mit seiner Familie.

"Meine Kinder sind richtige Bayerwäldler. Sie können abends vor dem Forsthaus Lagerfeuer machen, sie haben viel Platz", sagt der 42-Jährige. Vom Forsthaus aus geht es direkt auf die Loipe oder den Skihang. Auch der Schulwechsel wäre schwer geworden: Die Tochter hätte fünf Jahre Französisch nachlernen, der Sohn vom deutschen Gymnasium auf die Schweizer Grundschule wechseln müssen. Und auch die Freude an der Arbeit draußen im Wald war für Heurich ein Grund, auf eine Karriere auf dem Katheder zu verzichten.

Personalberater beobachten seit Längerem eine Werteverschiebung: Aufstieg ist nicht mehr unbedingt das höchste Ziel, Arbeit nicht der wichtigste Lebensinhalt. "Downshifting" heißt das Schlagwort dafür. "Das Prinzip ,Karriere um jeden Preis', das von der Nachkriegszeit bis Mitte der neunziger Jahre galt, wird zunehmend kritisch hinterfragt", sagt Achim Mollbach vom Beratungsunternehmen Kienbaum. Viele Führungskräfte und Spezialisten, die zum Coaching kämen, würden gern weniger arbeiten: "Bei dieser Gruppe sind die Arbeitszeiten in den letzten Jahren schlicht aus dem Ruder gelaufen."