Bafög-Sätze werden um zwei Prozent erhöht, für die Besten gibt es 300 Euro zusätzlich. Die Stipendiaten selbst protestieren gegen den Beschluss.
Die deutschen Studenten sollen mehr Geld bekommen. An diesem Mittwoch will die Bundesregierung ein nationales Stipendienprogramm und zusätzlich eine Erhöhung des Bafög beschließen. Von den Stipendien in Höhe von 300 Euro im Monat sollen bis zu zehn Prozent der besten Studenten profitieren.
Allein die Leistung zählt: Mit einem nationalen Stipendienprogramm will Bundesbildungsministerin Annette Schavan gute Studenten fördern. (© Foto: AP)
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Anders als beim Bafög müssten sie später kein Geld zurückzahlen. Außerdem soll für die Stipendien keine Rolle spielen, wie viel die Eltern verdienen. Zählen soll allein die Leistung der Studenten. Die 300 Euro werden auch nicht auf Hartz-IV-Leistungen oder auf das Bafög angerechnet.
Staat und Wirtschaft sollen sich die Finanzierung teilen. Den staatlichen Anteil müssen Bund und Länder je zur Hälfte tragen. Die Nachwuchsförderung sei eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) der Süddeutschen Zeitung.
Bei den Bafög-Sätzen will die Bundesregierung außerdem eine Erhöhung um zwei Prozent beschließen. Die Beträge richten sich nach dem Einkommen der Eltern. Der Höchstsatz für Studenten, die eine eigene Wohnung haben, liegt bisher bei 648 Euro. Derzeit erhalten mehr als 300.000 Studenten Bafög.
Bafög bis 35 Jahre
Da aber auch die Elternfreibeträge um drei Prozent steigen sollen, würden künftig noch mehr Studenten vom Bafög profitieren. Bis zu einem Nettoeinkommen der Eltern von etwa 1600 Euro könnten sie mit einer vollen Bafög-Förderung rechnen.
Schavan sagte, die Reform werde das Bafög auch modernisieren und den neuen Studienstrukturen anpassen. So soll die bisher geltende Altersgrenze von 30 Jahren für Master-Studiengänge auf 35 Jahre angehoben werden. Dadurch soll es möglich sein, dass Bachelor-Absolventen zunächst Berufserfahrung sammeln und erst einige Jahre später ein Master-Studium anschließen.
Für junge Eltern sind ebenfalls Verbesserungen geplant. Zeiten, in denen sich Studenten um Kinder kümmern, sollen die Altersgrenze beim Bafög hinausschieben. Schavan stellt den Studenten zudem ein einfacheres Antragsverfahren in Aussicht. "Bürokratieabbau wird auch beim Bafög großgeschrieben", sagte Schavan.
Kritik kommt von den Stipendiaten selbst
Für die Bafög-Reform und das nationale Stipendienprogramm ist die Bundesregierung auf die Zustimmung der Länder angewiesen. Dies könnte - vor allem im Falle einer Wahlniederlage der schwarz-gelben Koalition bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen - die Pläne noch durchkreuzen. SPD und Grüne sind zwar für einen Ausbau des Bafög, lehnen aber das geplante Stipendiensystem ab. Besser wäre eine stärkere Erhöhung des Bafög, weil dies Studenten aus einkommensschwächeren Familien zugutekäme, argumentiert die Opposition.
SPD-regierte Länder wie Berlin und Rheinland-Pfalz kritisieren, von den Stipendien würden vor allem Kinder aus wohlhabenden Familien profitieren. Die Bundesregierung verweist dagegen darauf, dass auch Bafög-Empfänger zusätzlich ein Stipendium bekommen könnten. Länder mit geringer Wirtschaftskraft befürchten allerdings, dass die Hochschulen nicht genügend Unternehmen finden werden, die sich an den Kosten des Programms beteiligen.
Selbstlose Kritik kommt von mehreren tausend Studenten, die bereits jetzt ein Stipendium eines Begabtenförderwerkes erhalten, zum Beispiel von der Studienstiftung des Deutschen Volkes. In einer Petition lehnen sie es ab, dass ihr Stipendium von bisher 80 Euro, die sie unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern erhalten, auf 300 Euro erhöht wird. Die "soziale Selektion im Bildungssystem" dürfe nicht verschärft werden, mahnen die Stipendiaten in der Petition.
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(SZ vom 21.04.2010/nog/hgn)
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Der Bafög ist eh nur noch irgendwie da, weil man die Leute im Bafög Amt nicht mehr entlassen kann und auch bloß nicht woanders einsetzen will. Gerne gezahlt wird er offensichtlich nicht, bei den ganzen Bestimmungen..
Das Elend jedes Semester bei den Bafög-Empfängern war beispielhaft für ein Verwaltungssystem, dass seinen eigenen Auftrag höchst ungern erfüllt und die Zielgruppe nicht wirklich leiden kann...
Die Grenzen waren so eng gesteckt und an der Realität der angebotenen Scheine vorbei, dass unser Direktor schon Bafög-Sprechstunde hatte um den betroffenen Studenten ihre Unschuld schriftlich in irgendwelchen Formularen zu bescheinigen.
Im Unterschied dazu hat mein Vater ordentlich was bekommen und musste noch nicht mal was zurück bezahlen. Dafür hat er die letzten 34 Jahre auch ordentlich Steuern bezahlt, wie die Rechnung ja auch ursprünglich mal angelegt war.
Weil heutzutage nicht mal mehr der Staat Akademiker richtig bezahlen will, geht das natürlich nicht mehr so einfach. Außerdem wird das Geld für systemisch wichtige Dinge wie sich verzockende Banker gebraucht, da gehört eine Schichtübergreifende Bildung einfach nicht dazu.
Da unsere Bildungsministerin in Sachen Inkompetenz und (parteipolitischer) Verblendung hohe Kontinuität an den Tag legt, verweise ich hier auf ausführliche Kommentare, die ich zu Fr. Schavans Stipendienplänen unter dem Leistungsprinzip und den BaföG-Absichten (http://evolusin.wordpress.com/2010/01/31/bildungsministerin-schavan-im-spon-interview-es-gibt-kein-gerechteres-kriterium-als-leistung/) und der Alternativoption der Studiendarlehen (http://evolusin.wordpress.com/2010/03/24/studienfinanzierung/) geschrieben habe.
Geil! 2%! Macht bei 600 Bafög 12 mehr!!
Früher wären das sogar drei ganze Zigarettenschachteln gewesen ;)
Schließlich muss doch auch immer die "Elite" von Veränderungen profitieren.
Wäre toll, wenn die Bundesregierung mal plausibel machen könnte, was ein Stipendium unabhängig von der finanziellen Situation der Studenten/deren Eltern bringen soll. Ansonsten pocht man doch immer auf das Gebot der Subsidiarität (siehe Bafög, wo längst die absurde Heranziehung des Elterneinkommens von vor zwei Jahren auf die reale aktuelle Situation umgestellt gehört). Wieviele Studenten, die in der verkürzten Bachelor-Zeit und mit Prüfungen überfrachtet noch nebenbei für ihre Existenzabsicherung arbeiten müssen, schaffen es anteilsmäßig unter die besten 10%?
Und wo bleibt überhaupt der Ansatz, verstärkt jenen mit Potential einen Hochschulzugang zu ermöglichen, die z. B. nicht mit Nachhilfe hochgepeppelt werden können, weil es die elterlichen Finanzen nicht erlauben?
Bourdieu beschrieb mal sehr schön, dass diejenigen, die es trotzdem von "unten" schaffen als Legitimation für dieses System dienen ("seht her, es geht doch!"), so drückt man sich brav vor Änderungen.
In den letzten 20 Jahren ging kontinuierlich der Anteil an Studenten mit niedriger bis mittlerer sozialer Herkunft zurück, während gehobene bis hohe zunahm. Welche Mechanismen sorgen dafür? In der Sozialerhebung des DSW und BMBF kann man's nachlesen, übermorgen erscheint die aktuellste, sicher wieder mit einem gaaaanz dollen Vorwort von Fr. Schavan.
Ansonsten mal unter "Sozialerhebung" in Wiki nachgucken.