Studie Viele Firmen verhindern Home Office

Wer von zu Hause arbeitet, ist zufriedener - auch wenn er nicht am Strand sitzt.

(Foto: dpa)
  • Viele Unternehmen in Deutschland lehnen Heimarbeit ab. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor.
  • Dabei sind Angestellte, die im Home Office arbeiten zufriedener und arbeiten länger als ihre Kollegen im Büro.
  • Ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Heimarbeit hält ein Experte des DIW dennoch für unnötig.
Von Thomas Öchsner, Berlin

Viele Arbeitnehmer wollen gerne häufiger zu Hause arbeiten, dürfen das aber nicht. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland deshalb bei der Heimarbeit hinterher. Dies geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Besonders ausgeprägt ist demnach das Missverhältnis zwischen dem Wunsch und der Genehmigung von Heimarbeit bei Banken, Versicherungen und bei der öffentlichen Verwaltung. "Hier sind offensichtlich noch in besonderem Maße personalpolitische Dinosaurier aktiv", sagte der Autor der Studie, DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke.

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Der Anteil der Heimarbeiter könnte auf mehr als 30 Prozent steigen

Derzeit arbeiten laut der Untersuchung zwölf Prozent aller abhängig Beschäftigten überwiegend oder gelegentlich von zu Hause aus. 40 Prozent der Arbeitnehmer gaben jedoch an, dass bei ihrer Tätigkeit Heimarbeit möglich wäre. Nur ein Drittel von ihnen würde sie ablehnen. Der Anteil der Heimarbeiter könnte daher in Deutschland auf mehr als 30 Prozent steigen, rechnet das DIW vor. Die Studie beruht auf dem Sozioökonomischen Panel, einer jährlichen Befragung von derzeit etwa 30 000 Personen in fast 11 000 Privathaushalten.

Die Antworten zeigen, dass Heimarbeit vor allem für gut und hoch qualifizierte Angestellte, für Führungspersonal sowie für Beamte ab dem gehobenen Dienst infrage kommt, und das besonders in großen Unternehmen. "Grundlegendes Motiv ist offenbar der Wunsch nach mehr zeitlicher Autonomie und nicht allein die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, denn Singles möchten ähnlich häufig zu Hause arbeiten wie Alleinerziehende", heißt es in der Untersuchung.

Arbeitgeber erkennen nicht, dass Heimarbeit zufriedener macht

Viele Arbeitgeber wollen das aber nicht. Sie hätten noch nicht erkannt, "dass Beschäftigte, die auch zu Hause arbeiten können, zu einer größeren Arbeitszufriedenheit neigen". Außerdem würden Arbeitnehmer dabei mitunter sogar unbezahlte Mehrarbeit in Kauf nehmen. So arbeiteten der Studie zufolge zu Hause tätige Vollzeitarbeitskräfte durchschnittlich fast 46 Wochenstunden. Diese Personen müssten ja vorweisen, "dass sie etwas geleistet haben. Jemand, der im Betrieb arbeitet, wird das auch tun müssen, aber in vielen Betrieben ist es auch so, dass vorrangig die Anwesenheit zählt", sagte Brenke. Er führt dies auch darauf zurück, dass manch ein Chef seine Legitimität gestärkt sehe, "wenn er seine Beschäftigten um sich herum hat".

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Deutlich höher als in Deutschland liegt der Anteil der Heimarbeiter in Frankreich oder Großbritannien. In Schweden arbeitet jeder Vierte manchmal oder gewöhnlich zu Hause. In den Niederlanden gibt es sogar einen Rechtsanspruch darauf, zu Hause sein Geld verdienen zu können, sofern keine betrieblichen Gründe dagegensprechen.

Brenke hält solche Vorschriften für unnötig. Arbeitgeber müssten in Zukunft bei der Suche nach Fachkräften verstärkt auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer eingehen. Der DIW-Experte will hier lieber den Marktkräften vertrauen, "die uneinsichtige Arbeitgeber zur Vernunft und zur zeitgemäßen Personalführung zwingen dürften".