Rassismus in Burschenschaften Deutscher als deutsch

"Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen, welche nicht von deutschem Stamme sind, in die Deutsche Burschenschaft aufgenommen werden": Der Streit um einen Studenten, dessen Eltern aus Hongkong kommen, zeigt die Probleme der Burschenschaften mit ihrem rechten Rand. Nicht zum ersten Mal sorgen rassistische Parolen für Aufregung.

Von Jan Bielicki

Kai-Ming Au ist 26 Jahre alt und in Mannheim geboren. Er ist Deutscher, hat seinen Wehrdienst in der Bundeswehr geleistet und studiert derzeit Finanzdienstleistungen an der Fachhochschule Ludwigshafen. Seit fünf Semestern gehört der Student zur Mannheimer Burschenschaft Hansea. Er hat die in seiner Verbindung vorgeschriebenen Mensuren ausgefochten, ist derzeit der Sprecher seines Vereins - und auf dem Burschentag, zu dem sich bis Sonntag die etwa 120 Mitgliedsverbände der Deutschen Burschenschaft (DB) im thüringischen Eisenach treffen, ist er Mittelpunkt einer erbitterten Kontroverse.

Vertreter der Deutschen Burschenschaft auf dem Burschenschaftstag in Eisenach.

(Foto: obs)

Denn Au entspricht nicht den engen Vorstellungen mancher Burschenschaftler davon, wie ein Bundesbruder auszusehen hat. Seine Eltern kommen aus Hongkong - und das war der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn Anlass genug, den Ausschluss der Hansea aus der DB zu fordern.

Ihre Begründung versuchte nicht einmal, den eigenen Rassismus zu verbergen: "In Zeiten fortschreitender Überfremdung" sei es "nicht hinnehmbar, dass Menschen, welche nicht von deutschem Stamme sind, in die Deutsche Burschenschaft aufgenommen werden", heißt es dort - und an anderer Stelle ebenso krass: "Eine nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie" weise auf "die Zugehörigkeit zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung" hin. Solche Leute könnten nicht der "geschichtlichen Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes" angehören. Und damit auch keiner Burschenschaft.

Die Raczeks zogen ihre Anträge am Tag vor der Abstimmung zwar zurück. Das konnten die gemäßigteren Burschenschaftler innerhalb der DB durchsetzen. Ebenso kippten sie ein Gutachten des DB-Rechtsausschusses, das festhielt, dass Personen mit außereuropäischen Vorfahren "keine Angehörigen des deutschen Volkes" seien. Doch zeigt der Vorstoß von rechts außen wieder einmal, dass die DB größte Probleme mit dem Extremismus nicht weniger Mitglieder hat. "Die Sache ist nicht vom Tisch", räumt DB-Sprecher Michael Schmidt ein.

Die DB gilt innerhalb des Spektrums der zumeist eher konservativ ausgerichteten Studentenverbindungen Deutschlands ohnehin als weit rechts stehend. Allerdings vertreten die DB-Burschenschaften nur noch 1300 Aktive und etwa 10.000 Alte Herren, Tendenz sinkend - nicht zuletzt wegen des rechtsextremen Auftretens von Burschen aus manchen Mitgliedsverbindungen.