Social Media in Unternehmen Wie das Web 2.0 Machtstrukturen ändert

Wikis, Blogs und Feeds lösen traditionelle Instrumente der Kommunikation in großen Unternehmen ab. Das verändert das Miteinander von Chefs und Angestellten - und sorgt mitunter für Unmut.

Von Christiane Siemann

In der Früh, nachdem sie ihren Rechner hochgefahren hat, schaut Laura Fischer als erstes im Teamraum vorbei. Allerdings nicht persönlich. Denn den Teamraum der Otto Group gibt es nicht wirklich. Er ist virtuell und auf der unternehmensinternen Social Media-Plattform angesiedelt. "Dort finde ich alle Daten meiner Projekte wie Protokolle, Ansprechpartner, Dokumente und Präsentationen. Außerdem kann ich jederzeit sehen, welche Aufgaben anstehen."

Nach dem Besuch im Teamraum checkt Fischer ihre Mails. Das dauert nicht mehr so lange wie früher. Denn die elektronische Post hat sich durch die Einführung des internen sozialen Netzwerks stark reduziert. "Früher gab es Massen von Mails mit riesigen Datenanhängen. Insbesondere bei der Abstimmung von Power-Point-Präsentationen wusste man irgendwann nicht mehr, wer die aktuellste Version hat."

Doch das ist Vergangenheit, stellt die Community-Managerin für Interne Kommunikation fest. Jetzt legen die Mitarbeiter ihre Dokumente im Teamraum ab. Veränderungen kann jeder einfach im Versionsverlauf nachvollziehen. Diese Art der Kollaboration mit Social Media-Technologien erleichtere die Arbeit; sie führe dazu, dass internes Wissen erfasst, gespeichert und mit anderen geteilt werden könne - und zeige im Ergebnis eine deutliche Zeit- und Kostenersparnis, sagt Fischer.

Das internationale Handels- und Dienstleistungsunternehmen Otto Group Hamburg, mit mehr als 50.000 Mitarbeitern, hat vor etwa zwei Jahren eine interne Social Media-Plattform für seine 120 Gesellschaften weltweit ans Laufen gebracht. Neben den Tools zur Zusammenarbeit gibt es auch Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Austausch über Foren und Blogs. Thomas Voigt, Direktor Wirtschaftspolitik und Kommunikation, nennt das "Kommunikation in Ist-Zeit". Üblicherweise bezeichnen die Begriffe "Enterprise 2.0 ", "soziale Kollaboration" oder "Social Business Software" die Kommunikation auf Web 2.0-Plattformen im internen und externen Unternehmenskontext.

Manche Unternehmen haben sich von der traditionellen Kommunikation über Mails und Meetings verabschiedet. Ihnen geht es darum, "dass unstrukturiertes Wissen im Unternehmen fruchtbar gemacht wird", wie Michael Wegscheider erläutert. Er leitet das Projekt Enterprise 2.0 bei der Allianz Deutschland. Dort sind die Mitarbeiter seit vier Monaten standort- und hierarchieübergreifend vernetzt, sie können zum Beispiel in Projekt- und Themengruppen per Blog und Status Update jederzeit Inhalte erstellen, Feedback geben, Lösungen anbieten und vieles mehr.

Das Netzwerk soll nicht nur ein Kommunikationswerkzeug sein: Letztlich geht es um die Frage, welche Präsenzmeetings, Mails, Downloads auf die Plattform verlagert werden können und so ständig für alle verfügbar sind. "Dabei verschwindet das Wissen nicht, sondern ist immer verfügbar, und jeder Mitarbeiter kann davon profitieren", sagt Wegscheider.