Pisa-Studie Deutsche Schüler holen auf

Erste Informationen zu den Ergebnissen der neuen Pisa-Studie sickern durch. Sie sind durchaus ermutigend: Das Bildungssystem in Deutschland hat offenbar Fortschritte gemacht. Experten loben die Verbesserungen geradezu euphorisch.

Von Tanjev Schultz

Die Schüler in Deutschland haben sich in der neuen Pisa-Studie erneut verbessert. Nach Informationen aus Kultus-Kreisen zeigt die Studie, die offiziell am Dienstag vorgestellt wird, Verbesserungen vor allem in Mathematik und den Naturwissenschaften. Allerdings gibt es offenbar weiterhin einen deutlichen Abstand zu den Pisa-Siegern der vergangenen Jahre wie Finnland und Kanada.

Im Lesen (Textverständnis) könnte es ebenfalls Fortschritte geben, doch rechnen Experten nicht mit einem großen Sprung nach vorn. "Ich erwarte das deshalb nicht, weil Lesen eine Kunst ist, die nur zum Teil in der Schule geprägt wird", sagte der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm sueddeutsche.de. In Mathematik dagegen würden sich Verbesserungen des Unterrichts schneller niederschlagen. "Am Mittagstisch in den Familien spielt Mathe nicht so eine große Rolle", sagte Klemm. Der Einfluss der Familien und von Medien sei in Mathematik und den Naturwissenschaften geringer als bei den Lesefähigkeiten. Klemm betonte allerdings, die neuen Pisa-Daten lägen noch nicht vor und müssten erst in Ruhe analysiert werden.

Auch das Magazin Focus berichtet jedoch bereits vorab, dass die deutschen Schüler bei Pisa stärker geworden seien, auch wenn sie noch immer Aufholbedarf hätten und noch nicht in die absolute Spitzengruppe aufgerückt seien. Im Vergleich zur ersten Pisa-Studie, die 2001 erschien, gebe es deutliche Verbesserungen. Damals hatte Deutschland in allen Testbereichen - Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen - schlechter abgeschnitten als der Durchschnitt der Industriestaaten (OECD-Staaten).

Bei den folgenden Studien gab es zum Teil leichte Verbesserungen. Bei der Pisa-Studie aus dem Jahre 2006, deren Ergebnisse 2007 veröffentlicht wurden, waren die deutschen Schüler erstmals in den Naturwissenschaften besser als der OECD-Durchschnitt. Experten werten die deutsche Entwicklung als sehr positiv, weil es selten ist, dass sich ein Land kontinuierlich verbessert. In den USA gibt es, jenseits von Pisa, eine schon längere Tradition von nationalen Leistungstests in den Schulen. Dennoch gibt es in den USA keine oder nur wenige Fortschritte. Der internationale Koordinator der Pisa-Studien bei der OECD, Andreas Schleicher, bescheinigte der deutschen Bildungspolitik in einem Interview der Zeit vorige Woche bereits "Riesenfortschritte".

Dieses Kompliment ist ungewöhnlich und deshalb besonders groß, weil Schleicher in den vergangenen Jahren eher als scharfer Kritiker der deutschen Bildungspolitik aufgetreten war und deshalb auch immer wieder in Auseinandersetzungen vor allem mit Politikern der Union geriet.

Die internationalen Pisa-Tests finden alle drei Jahre statt. Die neuen Daten beruhen auf Erhebungen aus dem Frühjahr 2009. Damals wurden weltweit in 65 Staaten fast eine halbe Million zufällig ausgewählte Schüler getestet. In Deutschland beteiligten sich mehr als 220 Schulen und gut 5000 Schüler.