Er gilt als Adam Riese des internationalen Rechts: Mit Peter Häberle als Doktorvater hat Guttenberg die Reputation eines angesehenen Staatsrechtlers missbraucht. Guttenbergs Plagiat ist für den fast 77-Jährigen eine schwere Kränkung.
Prof. Dr. jur. Dr. h.c. mult. Peter Häberle ist ein großer Wissenschaftler, ein großer Rechtslehrer - und ein großer Menschenfreund: Er vertraut den Menschen, die mit ihm und bei ihm arbeiten, er vertraut ihnen ohne Arg und ohne jede Einschränkung. Er lädt sie zu sich ein, er diskutiert mit ihnen mit enthusiastischer Ernsthaftigkeit, er macht sie zu seinen geistigen Partnern. Dass einer von ihnen gegen die Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen könnte, auf so einen Gedanken ist Häberle nie gekommen. Es hatte ihn bisher auch keiner wirklich enttäuscht.
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Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: Der Lehrstuhl in Bayreuth, an dem der CSU-Politiker seine Dissertation einreichte, galt als Kaderschmiede unter anderem für Staatswissenschaftler und Verfassungsrechtler. (© AP)
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Der Lehrstuhl in Bayreuth war eine Kaderschmiede für Staatswissenschaftler, Verfassungsrechtler, Sozialwissenschaftler und Rechtsphilosophen. Die Häberlianer, seine ehemaligen Assistenten also, sitzen in den zahlreichen Universitäten als ordentliche Professoren. Seine Lehren werden von den Verfassungsgerichten in Europa, in Japan und Lateinamerika fast mit Ehrfurcht zitiert.
Verfassunggebende Versammlungen haben sich auf Häberle berufen. Er ist ein Adam Riese des internationalen Rechts, und dass einem "seiner" Leute schon die Grundrechenarten egal sein könnten, das war für ihn unvorstellbar. Daher hat Häberle die ersten Vorwürfe gegen seinen Doktoranden Guttenberg als "absurd" zurückgewiesen. Als freilich dann das Plagiat schwarz auf weiß feststand, als die Universität dem Freiherrn und Minister den Doktortitel entzog, war das für Häberle eine Katastrophe - eine persönliche Demütigung, eine Beleidigung, ja Verwüstung seines Lebenswerkes.
Häberle, der ein jovialer Mann ist, der seine Studenten begeistern und sich für sie zerreißen konnte, der ein Kümmerer für sie war auch noch nach seiner Emeritierung, hat sich zurückgezogen, abgeschottet, eingesperrt; er telefoniert nur noch mit wenigen wissenschaftlichen Freunden. Für ihn ist eine - seine - Welt zusammengebrochen. Wenn sich Guttenberg bei jemand entschuldigen muß, dann bei ihm, zu allererst.
Die Ehrlosigkeit des Doktoranden bereitet dem Doktorvater Pein
Guttenberg hat die Reputation und die elitäre Naivität seines alten, nun fast 77-jährigen Doktorvaters missbraucht. Häberle würde wohl seine vielen Ehrendoktortitel (der Universitäten in Thessaloniki, Granada, Lima, Brasilia, Tiflis und Buenos Aires) hergeben, wenn er damit die Ehrlosigkeit seines Doktoranden ungeschehen machen könnte.
Er hätte es merken müssen! Er, der die internationale Verfassungsvergleichung begründet, der die Rechtsvergleichung als "fünfte juristische Auslegungsmethode" eingeführt hat - er hat die Arbeit Guttenbergs nicht verglichen mit anderen, er hat sich blenden lassen vom Auftreten, vom Adel und von vermeintlicher Noblesse Guttenbergs; aber auch vom eigenen Stolz darauf, einen gestressten Politiker vermeintlich für Wissenschaft und Nachtarbeit begeistert und zur Promotion geführt zu haben. Und so galt Häberles großzügiges summa cum laude eigentlich nicht der Leistung Guttenbergs, sondern den Gedanken und Denkern, von denen Guttenberg abgeschrieben hat und dem gefälschten Eindruck, den er von ihm hatte.
Früher, wenn Häberle Schwieriges durchzustehen hatte, setzte er sich ans Klavier und spielte sich die Schwierigkeiten von der Seele. Das gelingt ihm diesmal nicht. Gegen die Guttenberg-Pein hilft nicht einmal Mozart, den er mehr verehrt als jeden Juristen. Er war zu gutmütig. "Gutmütigkeit ist ein Stück von der Liederlichkeit": Das ist ein Satz nicht von Konrad Hesse, dem Ex-Verfassungsrichter und genialen Lehrer von Peter Häberle. Das ist auch kein Satz vom ausgefuchsten Horst Ehmke, bei dem Häberle einst Assistent war. Es ist ein Spruch aus Häberles schwäbischer Heimat. Häberle büßt für seine Gutmütigkeit.
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(SZ vom 28.02.2011/hai)
Ausgrenzung an Schulen
Zwischen "Riesenblamage" und "Respekt"
"Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht"
Aufstieg und Fall des Freiherrn
Würde Herr Häberle als gutgläubiger und weltfremder Trottel bezeichnet, wäre das ja nicht gerade ein Ehrentitel. Der hagiographische Zugang von Prantl wäre bei mehr Recherche ( zB Handelsblatt) vielleicht erstens relativiert worden und zweitens wäre deutlicher geworden, wie so etwas passieren konnten, bei einem so renommierten Professor.
Häberle war immer ein selbstverliebter.Man lese seine frühen Schriften.Vor allem sich selbst zitiert er sich. Er liebte es, sich mit Abnickern zu umgeben. Kritischen Nachfragen war er nicht gewachsen, er wich ihnen aus. Als sein Lehrer Hesse ihn in Marburg besuchte,umgab er sich mit Studenten, die an seinen Lippen hingen, und liess seine kritischen Assisten vor der Tür.
Solche Grandiosität ist gut zu täuschen. Er selbst hat in seiner Habilschrift auch nicht wissenschaftliche Genauigkeit walten lassen. Als ihm ein Assistent mitteilte, viele seiner Fussnoten würden wohl nicht stimmen, hat er keine davon aus der Arbeit genommen. Es ging darum,möglichst schnell mit der Arbeit zu renommieren.
Man kann diese Haltung auch an den Veröffentlichungen der Staatsrechtslehrer nachvollziehen. Es gibt keinen Tagungsbericht, bei dem nicht Herr Häberle mit Beiträgen auftrat. Bösartig würde man schreiben; Gefallsucht.
Wenn dann einer mit Titel,Ansehen, Potential für mehr davon kommt, wird es ihm si geschmeichelt haben,dass er schlicht blind war. Dass er seine eigenen Fussnotenblöcke nicht wiedererkannte,zeigt das Ausmaß der Vertrauensseligkeit.
Irgendwann kann einem so etwas zum Verhängnis werden. Das ist nun passiert.
„Als freilich dann das Plagiat schwarz auf weiß feststand, als die Universität dem Freiherrn und Minister den Doktortitel entzog,…“ Dies impliziert Hr. Guttenberg sei ein Freiherr. Falsch! Ist er nicht. Richtig ist, „Freiherr“ ist nicht mehr und nicht weniger als ein Teil seines Namens. Dieses ist keine Banalität, sondern einer der Gründe, die für das astronomische Ausmaß an Beliebtheit des Herrn. G. mitverantwortlich sind. Seit Jahr und Tag wird über ehemalige Adelige berichtet, als hätte es nie eine Abschaffung desselben gegeben. Sicherlich nicht bewußt, nichts desto weniger ist die gedankenlose Verwendung von Adelstiteln, letztlich nichts als ein vordemokratischer Akt. Die permanente Wiederholung birgt in der Tat die Gefahr zu „einem Sargnagel ins Vertrauen der Demokratie zu werden“.
dass an "zahlreichen Universitäten" viele "ordentliche Professoren" sitzen die bei Häberle promoviert haben. Fragt man sich ob die sich ihren Doktor auch quasi nur erschlichen haben. Das zeigt wieder mal dass Professor Häberle so gut nicht sein kann wie scheinbar weithin bekannt zu sein scheint, wenn er so leicht getäuscht werden kann. man sollte ihm die vielen Ehrendoktoren und den Professor entziehen. Er ist es nicht würdig diese Titel zu tragen. Und da braucht er jetzt auch nicht jammern, wie arglistig er getäuscht worden wäre, er hat seine Aufgabe die Promotion zu überwachen und zu kontrollieren nicht ordentlich gemacht. Die Schmach ist jetzt sein Lohn dafür.
egal, die betechbarkeit der bayreuther universität ist plausibler.
wenn professor seine arbeit richtig gemacht hätte d.h. nicht auf empfehlung, dann bräuchte er nicht so traurig zu sein. alles show !
für feudalherren und andersartig reiche ist alles leichter.
ob Herr Häberle dem Bild, das Herr Prantl hier zeichnet, wirklich entspricht - und ich weiß auch nicht, ob Herr Prantl ihm Gerechtigkeit widerfahren lässt. Der Artikel stellt uns eine Art weltfremden, gutgläubigen Trottel vor, der sich von einem gemeinen Betrüger hat vorführen lassen und jetzt ganz traurig ist. Naja.
Herr Prof. Häberle ist, egal was hier so manche sagen, tatsächlich eine internationale Koryphäe, und seine Überlegungen zum öffentlichen Recht der Gegenwart werden im In- und Ausland nicht nur "mit Ehrfurcht zitiert", sondern finden praktische und erfolgreiche Anwendung.
Ungeachtet dessen aber ist es völlig unmöglich, so ein Plagiat sofort zu erkennen, wenn man keine entsprechende Software verwendet. Die Leute, die hier schimpfen, ein guter Wissenschaftler hätte das gleich gesehen, wissen nicht, wovon sie reden. Ein Plagiator kann überall abschreiben, aber kein Prüfer kann alles lesen, was publiziert wird. Deshalb lesen die meisten vorrangig wissenschaftliche Veröffentlichungen.
Das ist sicher auch der Grund, warum Herr zu Guttenberg so viel aus kleineren Publikationen einschlägiger Wissenschaftler (z.B. in Tageszeitungen etc.) kopiert hat, und nicht aus deren Standardpublikationen - die hätte Häberle (und/oder der Zweitprüfer) nämlich wahrscheinlich gekannt (wenn auch natürlich nicht im Wortlaut auswendig). Jeden Tag kommen Zeitungsartikel, Zeitschriftenartikel, wissenschaftliche Artikel und manchmal sogar Bücher zu juristischen Themen heraus. Denken Sie wirklich, dass irgendjemand die alle kennen kann?
Die Wissenschaft hat zwei Möglichkeiten. Die eine ist die Anwendung von Plagiatssoftware. Die ist z.B. in England üblich, wo ich selbst eine Weile angestellt war. Oder man beschließt, zu vertrauen. Letzteres ist übrigens gar nicht so absurd: Als die Plagiatssoftware in englischen Unis eingeführt wurde, wussten die Studenten noch nichts davon. Trotzdem wurde auf Dissertationsebene kaum etwas Geklautes gefunden. Wissenschaftliche Ehrlichkeit, obwohl keine hundertprozentig sichere Sache, ist also gar nicht so selten wie manche Zyniker denken. Und nur ein Mensch, der sich selbst völlig über- bzw. seine Leser völlig unterschätzt, würde riskieren, eine Plagiatscollage zu publizieren. Da kommen nämlich zu den Prüfern weitere Leser hinzu, und die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, steigt. Daher (zynisch gesprochen) vielleicht auch die große Mehrheit der ehrlichen Dissertationen, die das englisch
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