Berufliche Weiterbildung Joker in der Gehaltsverhandlung

Weiterbildung ist nicht nur etwas für Aufsteiger. Im Job auf dem Laufenden zu bleiben oder etwas völlig Neues zu lernen, kann beruflich notwendig sein - und bringt Arbeitnehmern Vorteile. Auch dann, wenn es ums Geld geht.

Von Sabrina Ebitsch

Der typische Weiterbildungsteilnehmer ist Studien zufolge jung, männlich und aufstiegswillig. Doch: "Weiterbildung ist grundsätzlich für jeden etwas, egal wie jung oder alt. Gerade in heutigen Zeiten angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels ist es unerlässlich, am Ball zu bleiben", sagt Alrun Jappe, zuständig für das Thema Weiterbildung bei der Stiftung Warentest. Die Bandbreite an Angeboten ist groß, so dass die meisten etwas finden werden, das ihren Vorlieben entspricht

Das Schlagwort vom lebenslangen Lernen ist mehr als ein Gemeinplatz: In Zeiten rasanten technischen Fortschritts und zunehmender Globalisierung wird von Arbeitnehmern erwartet, dass sie sich fortbilden und sich neuen Anforderungen anpassen - beispielsweise indem sie entsprechende Infoveranstaltungen besuchen, wenn sich die rechtlichen Rahmenbedingungen in ihrem Fachgebiet geändert haben.

Mehr als die Hälfte hält Weiterbildung für unerlässlich

Diese sogenannte "Anpassungsfortbildung" gehört, gerade für jüngere Arbeitnehmer, mittlerweile zum beruflichen Alltag. Fast die Hälfte aller Deutschen zwischen 18 und 65 Jahren hat dem Adult Education Survey zufolge 2012 an einer Weiterbildung teilgenommen. Und einer Befragung der Deutschen Universität für Weiterbildung zufolge ist mehr als die Hälfte der Deutschen der Meinung, dass es ohne Weiterbildung in ihrem Beruf nicht mehr geht. "Was Weiterbildung konkret bringt, lässt sich kaum messen. Aber weil es heute einen Job auf Lebenszeit nur noch in den seltensten Fällen gibt, ist sie für alle empfehlenswert", sagt Jappe.

Das heißt auch: Weiterbildung ist weder ein Makel, der womöglich auf Wissenslücken verweist, noch eine elitäre Veranstaltung für Streber. Weiterbildung kann schlicht größere Arbeitsplatzsicherheit bedeuten und darüber hinaus Freude am Bewältigen neuer Herausforderungen und persönliche Weiterentwicklung mit sich bringen. Das eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten innerhalb des Unternehmens - sei es die Chance auf Beförderung oder mehr Gehalt -, sondern steigert auch den eigenen Wert auf dem Arbeitsmarkt.

Studien belegen Gehaltssteigerung nach Weiterbildung

Einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zufolge lassen sich Weiterbildungen auch in bare Münze umrechnen: Im Schnitt können Beschäftigte, die für ihren Beruf nützliche Fähigkeiten erworben haben, Einkommenssteigerungen von sechs Prozent erwarten. In anderen Studien schwanken die Berechnungen zwischen zwei und acht Prozent. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat die Teilnehmer seiner Weiterbildungsprüfungen befragt - mit dem Ergebnis, dass zwei Drittel der erfolgreichen Absolventen nach der Prüfung eine höhere Position innehatten und mehr verdienten. Klar ist: Wer danach mit dem Chef über eine Gehaltserhöhung verhandelt oder sich für eine neue Stelle bewirbt, hat bessere Argumente.

Und auch für Beschäftigte in eher schwierigen Situationen kann eine passende Weiterbildung von hoher Bedeutung sein: Arbeitslosen oder Müttern beziehungsweise Vätern, die nach längerer Elternzeit wieder den Anschluss schaffen wollen, kann sie den Wieder- oder Quereinstieg in einen anderen Beruf ermöglichen.

Es entwickeln sich immer wieder neue Berufsfelder oder Spezialisierungen, für die es nicht gleich eine mehrjährige Ausbildung braucht, die man sich aber über eine Weiterbildung erschließen kann. Energieberater beispielsweise sind ein relativ neues Berufsbild, das erst in den vergangenen Jahren entstanden ist, als die bessere Wärmedämmung von Gebäuden verstärkt in den Blick geraten ist. So kann einem Weiterbildung also auch einen ganz neuen Job einbringen.