Intelligenz "Ein IQ von 130 ist nichts Besonderes"

Kann man für Intelligenz-Tests trainieren? Und was sagen sie überhaupt aus? Ein Interview mit einem überdurchschnittlich intelligenten Mitglied des Hochbegabten-Vereins Mensa.

Interview: Nicola Holzapfel

sueddeutsche.de: Verraten Sie uns Ihren IQ?

Matthias Moehl: Ich weiß ihn gar nicht mehr ganz genau und müsste nachschauen. Er liegt irgendwo zwischen 130 und 145. Ab einem Wert von 130 kann man Mitglied bei Mensa werden. Der Test misst bis 145.

sueddeutsche.de: Und wenn jemand schlauer ist? Sharon Stone hat ja angeblich einen IQ von 154.

Moehl: Theoretisch ist die Skala nach oben offen. Um höhere Werte zu messen, müsste man schwierigere Tests entwickeln. Aber schon den bisherigen Test hat in Deutschland bislang noch niemand komplett richtig gelöst.

sueddeutsche: Von Goethe heißt es, er hätte einen IQ von 170 gehabt.

Moehl: Das ist komplett unseriös, so etwas zu behaupten. Goethe hat ja nie einen Test gemacht. Natürlich war er genauso wie da Vinci oder Einstein überdurchschnittlich intelligent. Das waren Ausnahme-Genies. Aber man kann ihnen nicht nachträglich irgendeinen IQ-Wert zuweisen.

sueddeutsche.de: In England wurde kürzlich eine Zweijährige in den Mensa-Club aufgenommen. Angeblich hat sie einen IQ von 152.

Moehl: Das ist mir nicht ganz klar, wie das nachgewiesen wurde. Zum einen braucht man sehr viele Test-Kandidaten, um eine vernünftige Skala zu haben, die zeigt, wer unter- und wer überdurchschnittlich intelligent ist. Aber auch sprachlich stelle ich mir das bei einer Zweijährigen schwierig vor. Unser jüngstes Mitglied in Deutschland ist vier Jahre alt.

sueddeutsche.de: Sie bieten deutschlandweit Intelligenz-Tests an. Wie viele Deutsche haben wohl Chancen, Mensa-Mitglied zu werden?

Moehl: Wir versuchen, die intelligentesten zwei Prozent zu erreichen. Das sind in Deutschland 1,6 Millionen Menschen. Ein IQ von 130 oder höher ist also gar nichts so Besonderes.