In den USA organisieren viele Familien den Unterricht selbst - dieser Bewegung folgen nicht nur religiöse Fanatiker. Zweifel an der Qualität der staatlichen Schulen machen Eltern zu Lehrern ihrer Kinder.
Zwei Mal im Jahr ist das Wohnzimmer von Bärbel Haynes voller als selbst das überfüllteste Klassenzimmer in den USA. Dann erzählt der Archäologie-Professor Geoffrey Purcell von seinen Abenteuern in fernen Ländern. Danach gehen die Kinder nach draußen, um im Garten der überzeugten "Homeschoolerin" in einer nachgeahmten Ausgrabungsstelle nach archäologischen Schätzen zu buddeln. "Homeschooling" - das bedeutet, seine Kinder selbst daheim zu unterrichten, statt sie in eine öffentliche Schule zu schicken. In den USA ist das erlaubt, und viele Eltern, unter ihnen nicht nur Anhänger religiöser Sekten, nutzen dieses Recht.
Bild vergrößern
Lernen ohne nervende Mitschüler: Homeschooling erfreut sich in den USA großer Beliebtheit. Familien entscheiden sich nicht nur aus religiösen Gründen - wie die deutsche Familie Romeike in den USA (im Bild) - dazu, ihre Kinder selbst zu unterrichen. (© AP)
Anzeige
Die archäologischen Ausgrabungen, die die vierfache Mutter Haynes seit fünf Jahren organisiert, sind einer der Höhepunkte im Schuljahr der Homeschooling-Gemeinschaft im Hudson Valley im Staate New York. In den Gruppen dieser privaten Bildungsbewegung, die sich zunehmend auch im Internet organisieren, sind allein im näheren Umkreis zur Familie Haynes etwa 2000 Familien gelistet. In einer Studie des US-Bildungsministeriums wird die Zahl der Schüler, die zu Hause unterrichtet werden, in den USA auf 1,5 Millionen geschätzt. Andere Quellen beziffern die Zahl der "Homeschooler" auf 900.000 bis zu zwei Millionen.
Die große Differenz zwischen den Werten hängt auch davon ab, von wem die Daten stammen - den Befürwortern oder den Gegnern des Homeschoolings. Dazu kommt, dass viele Familien, die sich dazu entschließen, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, dies gar nicht offiziell angeben oder angeben müssen.
Von Bundesstaat zu Bundesstaat sind die Regelungen dazu verschieden. Während in Washington ein kurzer Brief an die Schule genügt, in dem erklärt wird, dass das Kind in diesem Schuljahr nicht die Schule besuchen wird, fordert New York einen jährlichen Bericht, in dem die Fortschritte der Schüler und das verwendete Lehrmaterial dokumentiert werden müssen. Wie der Unterricht aussieht, bleibt allerdings den Eltern überlassen.
Einige geben für den Hausunterricht fast so viel aus wie für eine Privatschule. Bärbel Haynes hingegen, die vor der Geburt ihrer vier Kinder als Kindergärtnerin arbeitete, hat vor allem am Anfang vieles selbst gemacht. Später nutzte sie dann fertige Materialien, die von Unis angeboten werden, aber auch von christlichen Organisationen. "Die Entscheidung hängt von den Interessen des Kindes und der Familie ab", sagt die 49-Jährige.
Es gibt zahlreiche Textbücher, CDs und jede Menge Dokumente im Internet. "Wenn die Kinder älter sind, können sie mit dem Material selbst arbeiten." So machen es ihre älteren Söhne: Was ihnen an den Programmen gefällt, ist die Möglichkeit, sich die Zeit frei einzuteilen, sagt der 16-jährige Alexander, der gerade an einem mehrwöchigen "Multimedia-Workshop" teilgenommen hat. Mehrere Mütter organisieren auch gemeinsam Kurse, bei denen die Kinder etwa Experimente machen oder Shakespeare-Stücke einüben.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Unterricht zu Hause Lektionen am Küchentisch 02.02.2009
- Schulverweigerer "Kinder werden zu Freaks" 22.07.2009
- "Unschooling": Bildung ohne Lehrer "Schule ist Sklaverei" 17.02.2010
- Entscheidung zu Religionsfreiheit Schulfrieden gefährdet - Muslim darf nicht beten 30.11.2011
- Stadtplan München Highlights auf der Karte 30.11.2010
- Urteil am Bundesverwaltungsgericht Richter verbieten Berliner Muslim Beten in der Schule 30.11.2011
- Lehrer mit Beamtenstatus Unterricht jetzt - Kosten später 30.11.2011
Debatte über Urheberrecht
Danke für Ihre Klarstellung.
Standhalten und Erziehen erfolglos versucht. Bin jetzt dabei, das Fähnlein der verbliebenen Aufrechten zu fördern.
Der Direktor der Grundschule sah keinen Anlass zum Einschreiten und rauchte lieber in den Pausen gemeinsam mit besagter Klassenlehrerin heimlich hinter der Schule, das Stadtschulamt hüllte sich in Schweigen, und als der Vater einer Klassenkameradin das auffällig sexualisierte Verhalten eines Mitschülers (Im Alter von 8 Jahren wurden Vergewaltigungsphantasien mehrfach im Sportunterricht und in den Pausen ausgelebt) schließlich beim Jugendamt anzeigte, machte die Klassenlehrerin der versammelten Elternschaft eine Szene, wie man denn das Jugendamt "auf eine Familie hetzen könnte".
Seitdem glaube ich jedes Wort in jeder PISA Studie, jeden Bericht aus Berliner (und Frankfurter) Schulen und bin – wie gesagt – heilfroh, eine staatliche weiterführende Schule gefunden zu haben, die das Prädikat Schule noch verdient. (Auch wenn ich jetzt Lateinvokabeln abhören muss - hätte ich mir auch nie träumen lassen, dass ich das nochmal tun würde.)
wenn das so stimmt, was sie schreiben, dann haben Sie auch noch einen Erziehungsauftrage gegenüber der Lehrerschaft, bzw. ein Einschreiten der Schulaufsicht zu veranlassen. Aber entziehen Sie sich nicht dieser Auseinandersetzung. Nur das Standhalten ist eine demokratische Tugend - nicht das Weichen.
"Wenn ihnen der Umgangston der Kinder auf dem Schulhof nicht gefällt, dann geben sie ihr Kind doch auf eine Privatschule" (Das eigene Kind wurde von einem Mitschüler ins Gesicht getreten)
"Wir haben die Fenster auf den Toiletten schon vor Jahren zuschrauben lassen – sie glauben ja gar nicht, was die Jungens so anstellen auf den Toiletten."
"Wir können keine Aufsicht auf der Jungentoilette führen, wir sind schließlich Frauen!"
"Cousin schreibt man mit "K" - es ist mir egal, was im Duden steht."
"Sie sollten am Wochenende mit ihrem Kind nicht ins Museum gehen. Die Kinder brauchen schließlich auch mal Ruhe."
"Ich weis nicht, wie man Pi schreibt. Ihr Sohn sollte das auch noch gar nicht schreiben."
und Vieles mehr...
Die Gemeinschaftsschule kann sich nur im Pegel der gesellschaftlichen Realität einpendeln. Eltern haben noch vor den Lehrern den Erziehungsauftrag für ihre Kinder. Kommen sie diesem zu Hause nicht nach, hat auch der Lehrer in der Schule das Problem.
Auch zu meiner Schulzeit, in den fünfziger Jahren war die Klassenwirklichkeit mit bis zu 54 Schülern sehr durchwachsen. Die letzten Väter sind gerade aus russicher Gefangenschaft in ihre Familien zurückgekehrt, ein Drittel waren Flüchtlingskinder. Wir mußten also auch diese gesellschaftliche Sozialisierungspflicht mit viel Hauen und Stechen hinter uns bringen.
Trotzdem behaupte ich, wir haben für diese Gesellschaft schon als Kinder einen Integrationsbeitrag geleistet. Ich behaupte auch, diesen, muß man auch den heute "besser Gestellten" abverlangen, will man diese Demokratie nicht durch Stärken der Extreme in Gefahr bringen. Auch hier geht Gemeinnutz vor Eigennutz, auch wenn es um die eigenen Brut geht.
Diese, meine Sicht der Dinge, sollte nicht ganz unter die Räder einer entsolidarisierten Gesellschaft geraten. Amerika zeigt gerade, daß man einen solchen Geist nicht aus der Flasche lassen sollte.
Paging