Frauen und Karriere Karrieretipps von der Präsidententochter

Können Frauen, die in Reichtum und in Führungspositionen hineingeboren werden, anderen den Job erklären? Ivanka Trump versucht es - und hinterlässt ein seltsames Gefühl.

Von Eva Steinlein

Manchmal steht Ivanka Trump im avocadoverschmierten Morgenmantel in der Küche und schaltet so sehr auf "Überlebensmodus", dass sie sich nicht einmal eine Massage gönnt. Aber Frauen sollten sich auch keine Illusionen machen, schreibt die "First Daughter" in ihrem neuen Buch "Women Who Work": Die vielbeschworene Work-Life-Balance sei für arbeitende Frauen ein Mythos, der nicht zu erreichen sei.

Mit dem Buch will die 35-Jährige das Empowerment von Mädchen und Frauen fördern und ihnen erklären, wie sie als Mütter, Ehepartnerinnen und Geschäftsfrauen zugleich erfolgreich werden. Als Tochter eines Milliardärs und Unternehmers, der schon aufgrund ihres Namens Türen geöffnet wurden, fühle sie sich dafür verantwortlich. Doch Szenen wie diese zeigen, dass sie sich wohl kaum in das Leben von Frauen hineinversetzen kann, die nicht reich geboren sind, an der Spitze dreier Firmen stehen und dem Schönheitsideal der Werbe-Industrie entsprechen.

Ivanka Trump verdient eine ehrliche Beurteilung

So aschenbrödelhaft es anmutet, dass eine 35-jährige Milliardärstochter über Nacht zum politischen Schwergewicht wird, so selbstverständlich ist ihre politische Karriere gerade in den USA. Kommentar von Stefan Kornelius mehr ...

Ein erfolgreiches Frauenleben stellt sich Ivanka Trump vor, wie das ihrer Mutter: "Kompromisslos feminin in einer männlichen Branche" sei die Skifahrerin und spätere Mitarbeiterin der Trump Organization gewesen, wenn sie "komplett geschminkt und auf hohen Absätzen" das Plaza Hotel in New York inspizierte, während die achtjährige Ivanka über die Gänge rannte: eine "multidimensionale Frau" und "Mode-Ikone", die sich nicht darum kümmerte, dass einer Geschäftsfrau Kinder damals oft als Schwäche ausgelegt worden seien. Ein Vorbild!

Eigene Erfahrungen hat Trump nur bedingt gesammelt

Das also ist der Maßstab für ihre Anleitung zum Frausein im Jahr 2017: Das Buch will laut Untertitel nicht weniger, als die Regeln des Erfolgs neu schreiben und Frauen im Arbeitsleben "von überkommenen Stereotypen befreien". Auf knapp 250 Seiten erklärt die Präsidententochter, wie Frauen sich Ziele setzen, Reden halten, netzwerken, Mentorinnen finden, delegieren, ihr Gehalt verhandeln, Zeit für die Familie schaffen und einen grazilen Abgang nach der Kündigung hinlegen sollen. Aus eigenen Erfahrungen kann sie dabei nur bedingt schöpfen.

In erster Linie, betont Trump unzählige Male, sei sie Ehefrau und Mutter. Doch das ändert nichts an ihrem Anspruch an sich und andere moderne Frauen: Sie sollen ein ganzheitliches Leben führen, zu dem Beruf und Privatleben gleichermaßen gehören und dabei flexibel bleiben. Und wohl deshalb sind auch ihre Tipps ein Sammelsurium aus Lebensratgeber ("Entdecke deine Leidenschaft!"), US-amerikanischer Frohsinnsverbreitung ("das Leben als Mutter ist chaotisch und unordentlich, aber wunderschön und großartig"), Karriereknigge ("sei ein Teamplayer", "umgib dich mit exzellenten Leuten", "sei ein Vorbild") sowie ein bisschen Graswurzelfeminismus auf der Mikro- ("Verhandle jedes Gehalt!") und Makroebene ("Stelle Frauen als Führungskräfte ein!").