"Jeder erlernt es, ein Mann oder eine Frau zu sein": Neue Schulbücher in Frankreich versuchen, den Erkenntnissen der Genderforschung gerecht zu werden - und betonen, dass nicht allein die Biologie die sexuelle Identität bestimmt. Konservative sind schockiert.
Simone de Beauvoir schrieb in den vierziger Jahren: "Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es." Herbert Grönemeyer sang Jahrzehnte später: "Wann ist ein Mann ein Mann?" Jetzt ist die Debatte in der französischen Schulpolitik angekommen. 80 Abgeordnete der konservativ-liberalen Regierungskoalition fordern von Unterrichtsminister Luc Chatel, die neuen Biologiebücher aus dem Verkehr zu ziehen, nach denen von Montag an die zehnten Klassen in den Gymnasien unterrichtet werden sollen.
Sein oder werden - gibt die Biologie das Geschlecht vor oder ist es die Erziehung? In Frankreich ist ein erbitterter Streit um neue Schulbücher entbrannt, die aktuelle Gender-Theorien berücksichtigen. (© iStockphoto/Robert Byron)
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Sie klagen, in den Werken werde eine Ideologie gelehrt, die die Biologie missachte und - der aus Amerika kommenden "Gender-Theorie" folgend - die sexuelle Identität der Menschen als kulturelles Konstrukt darstelle. Andere Kritiker fürchten, die republikanische Schule propagiere fortan Homosexualität und nehme dem Menschen seine Menschlichkeit. In Unterschriftenlisten wenden sich Zehntausende gegen die neuen Bücher.
Jetzt hat sich auch Jean-François Copé, der mächtige Chef der Präsidentenpartei UMP, hinter den Protest gestellt. Es sei schockierend, dass in den Biologiebüchern die Gender-Theorie als wissenschaftliche Wahrheit dargestellt werde. "Das ist, als würde man in einem Wirtschafts-Fachbuch den Marxismus als wissenschaftliche Wahrheit präsentieren." Christine Boutin, die Präsidentin der Christdemokratischen Partei, ruft zum Boykott der Bücher auf.
Was passiert da in Frankreich? In den Schulen wurde 1973 der Sexualkundeunterricht eingeführt. Er konzentrierte sich lange auf die biologischen Aspekte. Seit den neunziger Jahren wurde die Thematik ausgeweitet. Hinzu kamen der Schutz vor Geschlechtskrankheiten, die Verhütung ungewollter Schwangerschaften und der Abbau von Vorurteilen etwa gegen Homosexuelle.
Nach dem neuesten Lehrplan, der gemeinsam von Behörden, Lehrern und Wissenschaftlern erstellt wurde, wird nun ein Kapitel mit dem Titel "Mann oder Frau werden" eingeführt. Darin soll es unter anderen um die "sexuelle Identität" eines Menschen in der Gesellschaft und um seine intime "sexuelle Orientierung" gehen.
Sexuelle Identität - gar nicht so einfach
Die Schulbuchverlage haben diese Vorgaben unterschiedlich ausgefüllt. In einem Werk heißt es: "Sexuelle Identität bedeutet, sich völlig als Mann oder Frau zu fühlen. Das ist nicht so einfach wie es erscheinen mag." In einem anderen steht: "Jeder erlernt es, ein Mann oder eine Frau zu werden, je nach seiner Umwelt und nach der Erziehung, die er genießt."
In einem weiteren wird gelehrt: "Das biologische Geschlecht identifiziert uns als männlich oder weiblich, aber das ist nicht der Grund, weshalb wir uns als Mann oder Frau qualifizieren können." Die sexuelle Identität bilde sich ein Leben lang heraus, im Spannungsfeld zwischen Biologie und soziokulturellem Umfeld.
Minister Chatel sagt, einige Verleger seien bei der Interpretation des Lehrplans vielleicht etwas weit gegangen. Er will die Bücher jedoch beibehalten und betont, der Lehrplan entspreche neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die oppositionellen Sozialisten und ein Teil der Lehrerschaft sehen das ähnlich. Sie argumentieren, Politiker sollten keine Schulbücher verfassen und sich nicht in die Freiheit der Lehre einmischen.
Der Ausgang des Streits um Mann, Frau, Ideologie oder Wahrheit ist noch offen. Nur eines ist sicher: Am Montag beginnt für die jungen Franzosen, gleich welchen Geschlechts, wieder die Schule.
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(SZ vom 02.09.2011/gal)
Wettmanipulation im Fußball
"Erwachsene verhalten sich bereits Babies gegenüber unterschiedlich - je nachdem, ob sie meinen (!) ein Mädchen oder einen Jungen im Arm zu halten. Das hatte also NICHTS mit dem Verhalten des Kindes zu tun. "
Experimente mit Rhesusaffen zeigen das genaue Gegenteil. Die männlichen Jungaffen verhielten sich strikt anders als die weiblichen, sie spielten anders etc.
Selbstverständlich gibt es einen Unterschied zwischen "sex" (biologischem Geschlecht) und "gender" (kulturell erlerntem Geschlecht). Gäbe es den nicht, würden sich alle Männer und Frauen weltweit gleich verhalten. Tun sie aber nicht.
"Sexuelle Identität bedeutet, sich völlig als Mann oder Frau zu fühlen. Das ist nicht so einfach wie es erscheinen mag." Wer will da wiedersprechen? Der Feminismus kämpft doch seit Jahrzehnten gegen stereotype Rollenmuster und hat große Erfolge zu verzeichnen. Heute sind viele Frauen berufstätig, früher hätte das als "unweiblich" gegolten.
"Jeder erlernt es, ein Mann oder eine Frau zu werden, je nach seiner Umwelt und nach der Erziehung, die er genießt." Auch das stimmt. Zu dem Thema gibt es Studien in Hülle und Fülle, die alle zum selben Ergebnis kommen: Jungen und Mädchen werden von Anfang an unterschiedlich behandelt und zu einem Jungen oder zu einem Mädchen erzogen. Erwachsene verhalten sich bereits Babies gegenüber unterschiedlich - je nachdem, ob sie meinen (!) ein Mädchen oder einen Jungen im Arm zu halten. Das hatte also NICHTS mit dem Verhalten des Kindes zu tun.
""Das biologische Geschlecht identifiziert uns als männlich oder weiblich, aber das ist nicht der Grund, weshalb wir uns als Mann oder Frau qualifizieren können." Die sexuelle Identität bilde sich ein Leben lang heraus, im Spannungsfeld zwischen Biologie und soziokulturellem Umfeld." Auch das ist korrekt. In Indien gibt es ein drittes Geschlecht, in Indonesien geht man sogar von fünf Geschlechtern aus. Und was ist mit Zwittern, Transsexuellen, Homosexuellen usw. ?
Es tut mir leid, dass den Konservativen diese Tatsachen nicht in die Ideologie passen, aber das sind FAKTEN.
"Neue Schulbücher in Frankreich versuchen, den Erkenntnissen der Genderforschung gerecht zu werden" - Dieser Mist produziert weder "Erkenntnisse" noch handelt es sich dabei um "Forschung". Gender-"Wissenschaft" ist Teil einer großangelegten Gehirnwäsche. Interessant ist daran lediglich, wie ein so offensichtlicher Versuch, Menschen für total blöd zu verkaufen, so erfolgreich sein kann.
ist doch weniger, ob die Gender-Theorie stimmt. Es ist doch relativ offensichtlich, dass mindestens ein Teil einer Geschlechterrolle angeboren ist.
Die Frage, die ich viel interessanter finde, ist, warum diese Erkenntnis bei Politisch-Korrekten immer diese wahnsinnige Panik auslöst.
Ja genau!
Und ein einfacher Blick in die Unterwäsche eines Männlein und eines Weiblein belegt, dass da vielleicht doch mehr als nur eine Konstruktion ist.
Paging