Debatte um Studentenverbindungen Burschenschaften streiten über "Ariernachweis"

Eine Mannheimer Studentenverbindung sollte aus dem Dachverband Deutsche Burschenschaft ausgeschlossen werden, weil sie einen chinesischstämmigen Studenten aufgenommen hatte. Einen Rechtsruck innerhalb der Burschenschaften gebe es aber nicht, behauptet der Vereinssprecher.

Wie viel deutsch muss sein? Nach Vorwürfen, es gebe einen Rechtsruck in ihren Reihen, betont die Deutsche Burschenschaft (DB), die deutsche Abstammung solle auch künftig keine zwingende Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in einer der Studentenverbindungen unter ihrem Dach sein. "Das Bekenntnis zur deutschen Kultur, die deutsche Staatsangehörigkeit und die Abstammung" seien zwar weiterhin entscheidende Anforderungen an Bewerber, sagte Vereinssprecher Michael Schmidt am Donnerstag zu Beginn des Burschenschaftstags im thüringischen Eisenach. Allerdings müsse nicht jeder einzelne dieser Punkte erfüllt werden, um aufgenommen zu werden.

Der Sprecher der Deutschen Burschenschaft, Stefan Dobner (links) und der Pressereferent, Michael Schmidt, versuchen die Wogen beim Burschenschaftstag in Eisenach zu glätten.

(Foto: dpa)

Die Debatte um die Einführung einer Art "Ariernachweis" sorgt für Wirbel. Die Deutsche Burschenschaft war in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, nachdem die "Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn" einen Antrag auf Ausschluss der Verbindung Hansea Mannheim gestellt hatte, die einen chinesischstämmigen Studenten in ihre Reihen aufgenommen hatte. Unmittelbar vor Beginn des Treffens sei dieser Antrag zurückgezogen worden.

Von einem Rechtsruck der Deutschen Burschenschaft kann laut Schmidt nicht die Rede sein. Durch die Änderung der Bestimmungen sei die Autonomie der Bünde bei der Mitgliederauswahl vielmehr deutlich gestärkt worden. Eine Spaltung des Verbands sei in Zukunft aber jederzeit möglich, sagte der Sprecher und fügte hinzu: In der Vergangenheit seien die Bünde jedoch immer zu einer Einigung gekommen.

Die Deutschen Burschenschaft ist ein Dachverband von über 120 Burschenschaften. Derzeit verfügt die Organisation über rund 1500 aktive studentische Mitglieder und etwa 10.500 frühere Studenten (Alte Herren). Noch bis Sonntag tagen die Burschenschaftler in Eisenach. Bei verschiedenen Veranstaltungen werden die rund 300 Delegierten Schwerpunkte der künftigen Arbeit und Anträge der Mitgliedsbünde diskutieren. Am Freitag soll im Innenhof der Wartburg ein Festakt stattfinden.

Unterdessen teilte die Stadtverwaltung Eisenach mit, dass in diesem Jahr kein Stadtvertreter an der offiziellen Feier am Samstag teilnehmen werde. Grund sei die aktuelle öffentliche Debatte zu den Anträgen des diesjährigen Burschenschaftstages. Gegner der Veranstaltung haben für Samstag Protestaktionen angekündigt. Bisher seien rund 200 Teilnehmer angemeldet, sagte eine Stadtsprecherin. Die Polizei hat bereits am Donnerstag ihre Präsenz in Eisenach erhöht, um Zusammenstöße von Demonstranten und Burschenschaftlern zu verhindern.

Deutliche Kritik kam von der Linkspartei. Die Deutsche Burschenschaft stünde "für eine autoritäre, nationalistische, völkische und strukturkonservative Tradition", sagte Innenexpertin Petra Renner. Doch werde der antidemokratische, rassistische und völkische Charakter der DB nach wie vor verschleiert.