Bewerbung Wie bewerbe ich mich um eine hierarchisch niedrigere Position?

Christopher E. möchte sich beruflich verändern. In Sachen Bewerbung bittet er den SZ-Jobcoach um Rat.

SZ-Leser Christopher E. fragt:

Ich bin leitender Angestellter eines mittelständischen Betriebs und strebe eine berufliche Veränderung an. Wie geht man damit um, wenn man sich um eine Position bewirbt, die auf den ersten Blick schlechter wirkt als die Position, die man aktuell bekleidet? Wenn man beispielsweise nach zehnjähriger Betriebszughörigkeit Geschäftsführer eines kleinen Betriebs ist und sich für eine vakante Stelle als Bereichs- oder Teamleiter eines größeren Unternehmens interessiert? Ich möchte dies eigentlich nicht aktiv im Anschreiben thematisieren, fürchte aber, dass ich durchs Raster falle, da Personaler erfahrungsgemäß ihre Entscheidungen nach Überfliegen des Lebenslaufs fällen.

Vincent Zeylmans antwortet:

Lieber Herr E., lassen Sie mich von drei Fällen berichten: Im vergangenen Jahr habe ich den Vice President eines an der Börse notierten Software-Unternehmens in ein neues Angestelltenverhältnis begleitet. Sein Aufgabenbereich schien mir eher dem Verantwortungsgebiet eines Abteilungsleiters zu entsprechen. Doch er erklärte mir, dass zwischen ihm und dem Vorstand des Unternehmens sogar noch fünf weitere Hierarchiestufen lägen.

Der SZ-Jobcoach

Vincent Zeylmans war lange Abteilungsleiter in internationalen Konzernen und kennt deren Rekrutierungspolitik aus der Praxis. Heute lebt er als Buchautor, Karriere-Coach und Outplacement-Berater in Emmerich am Rhein.

Dann traf ich einen Manager, der bei einem amerikanischen Hersteller von Krankenhausbedarf eine Director-Position innehatte. Er verdiente ein gutes sechsstelliges Gehalt und war hinter dem Geschäftsführer die Nummer zwei in der Hierarchie. Über einen Headhunter erhielt er eine Einladung zum Vorstellungsgespräch für eine General-Manager-Position. Er wurde von der Personalreferentin begrüßt, die einen Titel "Director HRM" trug und sich wunderte, dass sich der Kandidat ebenfalls nur "Director" nannte.

Letzte Woche betreute ich eine Person, die gleich zwei Mal als Geschäftsführer tätig war. Einmal war sie für einen kleinen Verlag mit 400 000 Euro Umsatz zuständig, zum anderen in der Politik als Geschäftsführer für einen Wahlkreis.

Die drei Beispiele zeigen: Die Funktion sagt offensichtlich wenig darüber aus, wie viel Verantwortung jemand trägt. Die Verantwortung hängt unter anderem von der Anzahl der Mitarbeiter, vom Budgetvolumen oder auch vom direkten Einfluss auf das Unternehmensergebnis ab. Wer in einer kleinen Firma als Mitglied der Geschäftsleitung für zwei Millionen Euro Umsatz verantwortlich war, kann es durchaus interessant finden, in einem Unternehmen mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro die Position des Bereichsleiters anzustreben.

Nicht jedes Nein ist endgültig

Viele Bewerber ärgern sich über Absagen und melden sich nie wieder bei der Firma. Besser wäre es, sie würden sich bei dem Unternehmen bedanken. Von Larissa Holzki mehr ...

Es gibt allerdings auch noch andere Gründe, warum jemand von der Funktion her absteigen möchte. Es kann der Wunsch nach einer breiteren Führungsverantwortung sein, nach einer internationalen Tätigkeit, die Erfahrung in einer begehrten Branche oder der Erwerb weiterer Kompetenzen. Natürlich kann es auch sein, dass jemand zum Beispiel vom Vertriebsleiter mit Personalverantwortung in die Funktion eines Key Account Managers ohne Personalverantwortung wechselt, weil das Gehalt attraktiver ist.

Die Gründe für einen solchen Wechsel können also vielfältig sein. Wie aber lässt sich das vermitteln? Sie haben die Möglichkeit, Ihren Lebenslauf mit Kennzahlen zu versehen. Neben einer Kurzbeschreibung des aktuellen Unternehmens nennen Sie Mitarbeiterzahl und Umsatz. Unterhalb der eigenen Funktion führen Sie die Kennzahlen für Ihre persönliche Verantwortung auf. Das kann das Einkaufsbudget sein, die Umsatzverantwortung oder das Budget im technischen Bereich. So wird auf den ersten Blick ersichtlich, wie Ihr Aufgabengebiet definiert ist.

Sie können auch im Anschreiben zu Ihrer Bewerbung darlegen, was Sie zu einem Wechsel motiviert. Denn das gehört ohnehin - neben einer Beschreibung Ihrer fachlichen und persönlichen Kompetenzen - ins Anschreiben. Schließlich möchte der neue Arbeitgeber unbedingt wissen, was Sie dazu veranlasst, sich gerade bei diesem Unternehmen zu bewerben.

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Wie muss ein Bewerbungsschreiben aussehen? | Darf ich im Lebenslauf schummeln? | Was gilt es im Vorstellungsgespräch zu beachten? | Wie läuft ein Assessmentcenter ab? Der Bewerbungs-Ratgeber von SZ.de gibt Tipps.

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