Bewerbung Suche Job, biete Daten

Maximal sechs Monate nach Besetzung der ausgeschriebenen Stelle müssen Bewerberdaten vernichtet werden.

(Foto: Andreas Reeg/Visum)

Bewerber geben freiwillig private Informationen in die Online-Formulare von Unternehmen und Stellenbörsen ein. Was geschieht mit all den Angaben?

Von Alexandra Straush

Nur ein paar Klicks und schon ist die Sache erledigt: Die deutsche Telekom bietet Kandidaten auf Jobsuche eine App an, mit der sie ihr Profil aus einem Karrierenetzwerk wie Xing oder Linked-in in den Bewerberpool des Unternehmens übertragen können. Auch die Bayer AG will Ende des Jahres eine Anwendung herausbringen, mit der Bewerber entweder direkt in ihr soziales Netzwerk verlinken oder der Firma einmalig Unterlagen aus der Cloud zur Verfügung stellen.

Bewerben im digitalen Zeitalter ist einfach geworden. Ohne Kosten für Porto, Foto oder Mappe können Jobsuchende ihr Profil beliebig weit streuen. Doch was passiert eigentlich mit all den persönlichen Angaben, die so auf den Servern unzähliger Unternehmen landen?

Da personenbezogene Daten unter das Bundesdatenschutzgesetz fallen, sind Firmen verpflichtet, verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen. Das gilt schon lange, nicht erst in Zeiten der Internetbewerbung. Großunternehmen, die über die entsprechenden Ressourcen verfügen, gehen hier mit gutem Vorbild voraus. Bei der Hamburger Otto Group zum Beispiel werden alle Papierbewerbungen eingescannt, ins Bewerbermanagement-System eingepflegt und dann in ihrer Papierform vernichtet oder zurückgeschickt.

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Für E-Mail-Bewerbungen gibt es ein Postfach, das verschlüsselte Mails in Empfang nimmt und auf das nur eine Person Zugriff hat - ebenfalls mit dem Zweck, die Mails in den Bewerberpool zu überführen. Sind sie dort erst einmal angekommen, greift die "Standardisierung der Wäschekörbe". So nennt Bernd Schmitz, Leiter des Personalmarketings der Bayer AG, ein kompliziertes System aus Zugangsrechten, welches in seinem Unternehmen ganz ähnlich abläuft. Es regelt detailliert, welche Mitarbeiter welche Daten aus dem Pool abfragen dürfen.

Um solche Prozesse korrekt zu gestalten, haben manche Arbeitgeber wie zum Beispiel die Allianz sogar einen eigenen Datenschutzbeauftragten für Human Ressources. Es gibt aber viele andere, für die der Bewerberdatenschutz keine große Rolle spielt, meint Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht. Da werden Bewerbungsmails von Abteilung zu Abteilung geschickt, mit sensiblen Daten und Dokumenten wie Zeugnissen im Anhang. Recruiter führen Bewerber-Interviews über unsichere Skype-Verbindungen und elektronisch verschlüsselte Bewerber-Mails werden zurückgewiesen, weil sie keiner lesen kann. Nicht erlaubt, aber in der Praxis üblich. "Die Gesetzgebung wird hier oft nicht ernst genommen", sagt Kranig.