Bewerbung: Polierter Lebenslauf Ein bisschen lügen ist erlaubt - oder?

Hauptsache, man verkauft sich gut. Bei Bewerbungen ist es üblich, dick aufzutragen. Doch wie sehr darf man seinen Lebenslauf schönen? Und ab wann gibt es Probleme?

Von Jutta Göricke

"Berufliche Stationen in Frankfurt und New York". Das macht was her im Lebenslauf. Was sich wohl dahinter verbergen mag bei einem, der es bis in ein Ministeramt gebracht hat? Ganz klar, es muss etwas sehr Wichtiges sein. Hochfinanz vermutlich, Chefetagen, Weltläufigkeit. Und man denkt: Einer, der es geschafft hat, sich in der Stadt durchzusetzen, die niemals schläft, muss sehr tough sein, schneller und schlauer als andere.

Ein bisschen aufpeppen ist erlaubt - aber man sollte bei der Wahrheit bleiben. Sobald die Angaben im Lebenslauf essentiell für das Zustandekommen des Vertrags sind, kann der Arbeitgeber im Falle einer Lüge klagen.

(Foto: AP)

Papier ist geduldig und eine geschickte Wortwahl wirkungsmächtig. Das weiß der Dichter, der ein blaues Band flattern lässt und damit schlicht den Frühjahrshimmel meint. Das weiß auch der eloquente Politiker Guttenberg, der mit "beruflichen Stationen in Frankfurt und New York" Studentenpraktika in Anwaltskanzleien beschreibt. Und er steht mit der wohlwollenden Interpretation seines Werdegangs nicht allein.

Der Arbeitsmarkt ist voll von Angebern

Der Arbeitsmarkt ist voll von Angebern. Auf den Schreibtischen von Personalern landen unwahrscheinlich viele Bewerbungen von 25-Jährigen, die gleich mehrere Sprachen beherrschen, über reichlich Projekterfahrung verfügen, Einser-Abschlüsse vorzuweisen haben und sich nebenbei noch unermüdlich bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren. Befeuert werden sie von einem gesellschaftlichen Klima, in dem Bewerbungsexperten mit großem Erfolg dazu raten, man solle seine Vita aufpeppen und Anschreiben und Lebenslauf in Reklame-Rhetorik abfassen.

In Seminaren mit Titeln wie "So verkaufen Sie sich richtig gut" schulen sie schüchterne Berufseinsteiger und ambitionierte Aufstiegswillige. Denn Eigenlob stinkt schon lange nicht mehr. "Eigenlob stimmt - Erfolg durch Selbst-PR" oder "Tue Gutes und sag es deinem Chef" heißen einschlägige Bestseller.

Auch wenn diese Formulierungen in den Ohren klingeln - im Kern beschreiben sie die Realität und ihre Anforderungen. Denn ein Lebenslauf sollte sich schön lesen. Wer sich um eine Stelle bewirbt, muss Werbung für sich machen. Sonst landet die Mappe ganz schnell in der Ablage "Absagen". Und damit wäre von vornherein jede Chance vertan, sich mit seinen Qualifikationen in einem Vorstellungsgespräch zu präsentieren.

Daher ist es nur allzu verständlich, dass sich die Optimierungspraxis längst durchgesetzt hat und gesellschaftlich verankert ist. Die Frage ist nur, wann die Grenze zwischen geschönter Wahrheit und glatter Lüge überschritten ist.