Hebamme: 2000 Geburten - und jede einzigartig

"Irgendwann habe ich aufgehört, die Kinder zu zählen, denen ich auf die Welt geholfen habe. Es müssen 2000 gewesen sein, mindestens. Irgendwann bekommt man Routine in dem, was man tut - aber ein besonderer Moment bleibt so eine Geburt immer. Diese wahnsinnige Anspannung und dann die Erleichterung. Da liegen die Mütter und strahlen, da wiegen die stolzen Väter ihren Sohn oder ihre Tochter im Arm. Und natürlich die Säuglinge selbst, ihr erster Schrei, jeder Einzelne ein Wunder. Ich habe nach der Schule eine Zeit lang im Einzelhandel gearbeitet, 1986 habe ich dann die dreijährige Ausbildung zur Hebamme begonnen. Ich wollte einen Job mit mehr Verantwortung, der mich erfüllt. Das habe ich seitdem. Gestern war ein Paar bei mir im Kreißsaal, da habe ich schon dem Vater auf die Welt geholfen, und jetzt seiner Tochter. Der Vater meinte: 'Ein bisschen wie dein Enkelkind.' Und ich dachte: 'Stimmt eigentlich.' Das ist ohne Frage einzigartig."

Sybille Hartung, 43, Hebamme im Klinikum Saarbrücken

Bild: dpa 12. Mai 2017, 05:402017-05-12 05:40:54 © SZ.de/lho