Warum Entschlacken Unsinn ist Eine Fastenkur taugt nicht zum Abnehmen

Beim Fasten verliert der Körper schnell etwas Gewicht, dennoch: "Als Maßnahme für die Gewichtsreduktion wird das Heilfasten nicht eingeordnet", urteilt die DGE. Im Gegenteil: Nach starkem Fasten greift der Jojo-Effekt besonders gern und sorgt dafür, dass der Körper sich mehr Fettvorräte zulegt als zuvor. Wer wirklich abspecken will, muss seine Ernährung dauerhaft umstellen. Die DGE billigt dem unter ärztlicher Aufsicht durchgeführten Heilfasten lediglich zu, dass es als Einstieg in eine solche Ernährungsumstellung dienen könnte.

Die Anwendungen können gefährlich sein

Die Entgiftungsmaßnahmen sind bestenfalls unnütz, schlimmstenfalls können sie sogar schaden. Als Folge eines starken Fastens können sich Nierensteine bilden, Kreislaufstörungen, Herzrhythmusstörungen und Schwindel auftreten. Im Extremfall wird der Herzmuskel angegriffen. Die Wirkung von Medikamenten kann beeinflusst werden, warnt die DGE und rät, wenn überhaupt sollten Fastenkuren nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Auch Darmspülungen können mit ernsten Nebenwirkungen einhergehen. Edzard Ernst fand in der Literatur Fälle von Entgleisungen des Elektrolythaushaltes, Infektionen und Verletzungen durch die verwendeten Instrumente. Schließlich, so warnt er, könnte der Glaube an die jederzeit mögliche Entgiftung Menschen zu ungesundem Verhalten wie Rauchen oder übermäßigem Alkoholkonsum verführen.

Anbieter greifen in die Trickkiste

Gegen alles, was die Wissenschaft vorzubringen hat, stehen die subjektiven Erlebnisse der Anwender, auf die die Anbieter setzen. Wer sich einer Fastenkur unterzieht, erlebt ganz wundersame Wandlungen. Plötzlich riecht der Körper anders. Zwar ist der Geruch eher unangenehm, aber ist er nicht der Beweis dafür, dass all die fürchterlichen Altlasten endlich den Körper verlassen? Nein, der veränderte Geruch ist Folge des veränderten Stoffwechsels des Hungernden, ein natürlicher Vorgang, der nichts mit vermeintlichen Giften im Körper zu tun hat.

Aber wenn sich Kopf und Körper nach ein paar Tagen so leicht und frei anfühlen, beweist dies doch, dass der Organismus jetzt geläutert und befreit ist? Auch dies ist ein Trugschluss. Beim Fasten können Hochgefühle entstehen, denn der Körper bildet verstärkt Endorphine, die dem Menschen durch Notfälle wie Verletzungen oder Nahrungsmangel helfen.

Und wenn die "Entgiftungs"-Pflaster sich nach einer Nacht auf den Füßen braun verfärben, ist dies kein Beweis, dass Schädliches dem Körper entweicht, sondern nur ein billiger Trick. Nicht das Pflaster zieht Dreck aus dem Körper, sondern der Fußschweiß löst ein bräunliches Puder aus dem Pflaster, wie die Wissenschaftler der Vereinigung "Voice of Young Science" herausgefunden haben.

Die Kuren entschlacken vor allem Ihren Geldbeutel

Mit dem Hungern auf hohem Niveau lässt sich schon länger gutes Geld verdienen. Zu einem der frühen Verfechter einer Darmreinigung gehörte der amerikanische Arzt John Harvey Kellogg. Seine Behandlung umfasste auch bestimmte Nahrungsmittel, allen voran die Cornflakes, die er mitentwickelte, und die der Firma Kellogg's noch heute satte Umsätze bescheren.

In Großbritannien verspricht seit einigen Jahren "V-Water Detox", den Körper vom Ballast der ungesunden Lebensweise zu befreien. Das Geld für das unnütze Produkt fließt in die Kassen des Pepsi-Konzerns.

In Deutschland erheben die Erben des Asketen Otto Buchinger das Darben zum Luxusgut. Mit den Hungernden in ihren Fünf-Sterne-Häusern setzen sie pro Jahr etwa 20 Millionen Euro um.

Wenn Sie sich ganz ohne zusätzliche Kosten nach den Feiertagen wieder fit fühlen wollen, sollten Sie ganz simple Ratschläge beherzigen: Greifen Sie zu leichterer Kost, bewegen Sie sich an der frischen Luft und meiden Sie Alkohol und Zigarettenrauch. Und freuen Sie sich, dass Ihr Körper Tag und Nacht alles aussortiert, was nicht hineingehört - und das ganz ohne ihr Zutun.