Verkehrssicherheit Fahrradhelme schützen Kinder - wirklich

So selbstverständlich wie sie klingt, ist die Nachricht nicht. Denn ob die Helme wirklich schützen, war bislang umstritten. Mit Tests an menschlichen Totenschädeln konnten Forscher die Wirkung der Fahrradhelme nun belegen.

Von Sebastian Herrmann

Ob Kinder und Jugendliche beim Fahrradfahren einen Helm aufhaben oder nicht, macht bei Unfällen einen großen Unterschied.

(Foto: Rumpf, Stephan)

Fahrradhelme bieten Kindern erheblichen Schutz vor Verletzungen. Das berichten Wissenschaftler um den Neurochirurgen Tobias Mattei vom Illinois Neurological Institute und der Bradley University im Fachblatt Journal of Neurosurgery: Pediatrics (online).

Die Nachricht klingt selbstverständlich, doch ob Fahrradhelme tatsächlich schützen, ist bis heute umstritten.

Laut der Studie könne ein Fahrradhelm bis zu 87 Prozent der Stoßenergie abfangen, die bei einem Aufprall auf den Schädel wirken. Und laut Daten der US Centers for Disease Control seien bei tödlichen Fahrradunfällen meistens Kopfverletzungen im Spiel, betonen die Wissenschaftler.

Setzt radelnden Kindern einen Helm auf - die Nachricht ist nüchtern, naheliegend und vernünftig. Die Versuche, in denen die Neurologen ihre Daten gesammelt haben, jagen einem hingegen Schauer über den Rücken.

Um die Folgen von Kopfverletzungen abzuschätzen, besorgten die Forscher sich menschliche Totenschädel, die sie unter anderem mit Zement ausfüllten, um ein realistisches Gewicht von etwa zwei Kilogramm zu erzielen.

Dann setzten sie den Schädeln Helme auf und testeten sie in einer Art Unfallsimulationsmaschine. Diese traktierte die Testschädel, indem sie diese mit dem Kinderhelm voraus aus verschiedenen Höhen auf die Bodenplatte der Testvorrichtung prallen ließ. Zum Vergleich unterzog das Team ungeschützte Schädel der gleichen Behandlung.

Die Verminderung der Stoßenergie durch Helme übersetzen die Forscher in einen fahrradrelevanten Vergleich: Wenn ein Unfall ohne Helm einem Unglück mit einer Geschwindigkeit von fast 50 Kilometern pro Stunde entspreche, dann reduzierte ein Kopfschutz diese Geschwindigkeit auf etwa elf Kilometer pro Stunde.

Die Ergebnisse stützen die These, wonach Radhelme vermutlich schützen. So offensichtlich, wie es klingt, ist dieser Zusammenhang jedoch nicht. So wird Radlern mit Helm oft nachgesagt, dass sie zu besonders riskantem Fahrverhalten neigen. Dieses Phänomen nennt sich Risiko-Homöostase und beschreibt ein Verhalten, bei dem sich Menschen größeren Risiken aussetzen, weil sie sich - etwa durch eine Technologie - besonders geschützt fühlen.

Eindrucksvoll gezeigt wurde das in einer klassischen Studie mit Taxifahrern, die mit dem damals neuen ABS-System auf einmal mehr Unfälle provozierten als zuvor - sie fuhren riskanter und machten dadurch die Vorteile der neuen Technik zunichte.

Ob sich das mit behelmten Radfahrern auch so verhält, ist jedoch umstritten. Ebenso die These, wonach Autofahrer dichter an Radlern mit Kopfschutz vorbeifahren. Sicher ist aber, dass ein Radfahrer selbst mit Kopfschutz verwundbare Verkehrsteilnehmer bleiben. Hässlich sind die Helme halt, aber die meisten Eltern drängen ihre Kinder trotzdem dazu, sie zu tragen - zu Recht.