Unnütze isotonische Getränke Trinken bevor der Durst kommt, ist wie Essen ohne Hunger

Die von der Industrie gesponserten Wissenschaftler haben in so genannten Konsensus-Gesprächen Richtlinien erarbeitet, die von Fachgesellschaften oft eins zu eins übernommen wurden. Auch wenn eine Zusammenarbeit mit der Industrie in der Ernährungswissenschaft keineswegs selten oder per se problematisch ist, so sollten laut Paul Laursen vom Sports Performance Institute in Neuseeland zumindest Wissenschaftler mit Interessenkonflikten nicht an der Erarbeitung von Richtlinien beteiligt sein. Schließlich orientieren sich auch Ärzte oder Fitnesstrainer an solchen Trink-Tipps.

Ein fragwürdiger Erfolg der Allianz von Wissenschaft und Industrie ist der weit verbreitete Glaube, dass das Durstgefühl kein verlässlicher Indikator für Wassermangel im Körper sei. So rät etwa der Gesundheitsverband Diabetes UK seinen sportbegeisterten Patienten, alle 15 Minuten 150 Milliliter zu trinken, auch wenn sie keinen Durst spürten. Bis in den Schulsport sind die Empfehlungen durchgesickert: Laut Cohen werden britische Kinder dazu angehalten alle 20 Minuten ihre Trinkflaschen zu zücken.

Dabei ist Durst sehr wohl ein sicheres Signal. "Schon bei 0,5 Prozent Wasserverlust schlägt der Körper Alarm", sagt Heseker. So hat eine Meta-Analyse der kanadischen McGill University im Jahr 2011 gezeigt, dass Radfahrer, die sich auf ihr Durstgefühl verlassen, die besten Zeiten einfahren. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) rät dazu, vor dem Sport die Flüssigkeitsspeicher aufzufüllen. Während des Sports braucht man gemäß den Experten jedoch keinen Nachschub, es sei denn, man trainiert mehr als eine Stunde.

Auch dass Dehydratation, also Wassermangel, zwangsläufig zu Hitzschlag oder Muskelkrämpfen führt, ist nicht belegt. So haben Studien der Sportmedizinerin Sandy Fowkes-Godek von der West Chester University mit Football-Spielern gezeigt, dass Überhitzung nichts mit Dehydratation zu tun hat.

Andere Studien entdeckten zwar einen Zusammenhang, dies lag jedoch laut Fowkes-Godek am Studiendesign: "Die meisten Studien dazu werden in einer Klimakammer durchgeführt, ohne gute Belüftung. Das entspricht nicht den üblichen Trainingsbedingungen." Auch Herbert Löllgen Präsident der DGSP plädiert für individuelle Trinkmengen beim Sport: "Jeder muss selbst die Erfahrung machen, wie viel Flüssigkeit er braucht."