Unnütze isotonische Getränke Was Sportler trinken sollten

Austrocknung, Hitzeschock, Muskelkrämpfe: Ohne isotonische Getränke drohen Sportlern angeblich schlimme Leiden, zumindest aber miese Leistungen. Dabei sind Powerdrinks selbst im Spitzensport unnötig. Es gibt bessere Getränke für die Fitness.

Von Kathrin Burger

Die Olympischen Spiele in London begeistern nicht nur die Zuschauer, sie werden auch viele Menschen dazu animieren, selbst wieder etwas für ihre Fitness zu tun, sei es täglich ein paar Kilometer Rad zu fahren oder sich auf einen Marathon vorzubereiten. Zwangsläufig werden die Freizeitsportler früher oder später mit einer Fülle an Informationen konfrontiert, was, wann und wie viel sie zu trinken hätten. Und das ist keineswegs nebensächlich, so erfährt man, schließlich beeinflusse das richtige Trinkverhalten die Leistung und obendrein sei eine fehlerhafte Flüssigkeitszufuhr beim Sport sogar gefährlich - man riskiere Austrocknung, Hitzeschock oder Muskelkrämpfe. Vor allem die Hersteller von sogenannten Sportgetränken werben damit, dass ihre Produkte bei mehr als 30-minütiger, intensiver körperlicher Betätigung purem Wasser überlegen seien.

Es muss nicht das teure Sportgetränk sein: Fußballspielerin Kaylyn Kyle aus Kanada trinkt Wasser währen der Olympischen Spiele in London.

(Foto: REUTERS)

Sportlergetränke sind ein Mix aus Wasser, Zucker und Mineralstoffen wie Natrium und Kalium, weswegen sie auch Elektrolytgetränke heißen oder als "isoton" bezeichnet werden. Einige sind zudem angereichert mit Vitaminen und Eiweißen oder enthalten die Wachmacher Taurin und Koffein. Für den Geschmack sorgen Fruchtsäfte. Hinter einigen Getränken stehen große Firmen. So gehört Gatorade zu PepsiCo, Powerade ist aus dem Hause Coca-Cola und auch der Pharmahersteller GlaxoSmithKline produziert ein spezielles Sportlergetränk namens Lucozade Sport.

Auf den entsprechenden Internetseiten steht, warum ein Breitensportler diese "Powerdrinks" gegenüber Wasser bevorzugen sollte: Natrium in Sportdrinks stimuliere den Durst, was zu einer gesteigerten Trinkmenge führe und Wasser besser im Körper zurück halte. Die zugesetzten Kohlenhydrate, etwa Traubenzucker, sollen zudem helfen, Wasser im Dünndarm schneller zu absorbieren. Außerdem würde der Geschmack der Mix-Getränke dazu animieren, mehr zu trinken. Mit dem Energie- und Mineraliengehalt könnte obendrein die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit nachhaltig auf höchstem Niveau gehalten werden.

All dies soll wissenschaftlich bewiesen sein, so versichern die Hersteller. Die Wirkung von Lucozade etwa werde laut GlaxoSmithKline von mehr als 85 Studien gestützt. Sogar die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält dieses Datenmaterial für ausreichend und hat vergangenes Jahr so genannte Health Claims für zwei Elektrolyt-Drinks zugelassen, darunter Lucozade. Sie dürfen damit werben, dass sie leistungsfördernd sind.

Die Wirkung von diesen Getränken ist jedoch keineswegs wissenschaftlich belegt. So hat Carl Heneghan vom Centre of Evidence Based Medicine der Universität Oxford pünktlich zu den Olympischen Spielen im British Medical Journal mehr als 100 Sportlergetränke oder Eiweiß-Shakes unter die Lupe genommen. Er untersuchte 430 Versprechen zur Leistungssteigerung, indem er nach entsprechenden Studien fahndete. Das Ergebnis: Nur drei Prozent der Studien waren von guter Qualität. So hatte etwa nur eine der Studien eine Teilnehmerzahl von mehr als 100 Personen, mindestens 1000 Personen gelten jedoch als guter Standard. "Die Vor- und Nachteile dieser Produkte sind nicht ausreichend untersucht", folgert Heneghan.