Illegale Suchtmittel Zahl der Drogentoten sinkt um 20 Prozent

Deutlich weniger Menschen sind im vergangenen Jahr an ihrer Drogensucht gestorben. Doch die Statistik hat Tücken. Denn die offizielle Zahl der Konsumenten ist gestiegen - vor allem durch Crystal.

Die Zahl der Drogentoten ist im vergangenen Jahr um ein Fünftel und damit auf den niedrigsten Stand seit 1988 gesunken. 986 Menschen seien 2011 durch den Konsum von Rauschgift gestorben, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans.

"Es hat uns auch sehr erstaunt, dass wir einen so deutlichen Rückgang haben", betonte Dyckmans. Sie bewertete die sinkende Rate als einen Erfolg der Hilfs- und Beratungsangebote. Die meisten Drogentoten gingen auf den Heroinkonsum zurück. Doch die Suchtkranken überleben den Konsum des Rauschmittels zunehmend länger: Das durchschnittliche Sterbealter stieg in den vergangenen neun Jahren von 32 auf 37 Jahre.

Einen generellen Rückgang des Drogenkonsums legen die Zahlen allerdings nicht nahe. Die Zahl der Menschen, die der Polizei erstmals als Drogenkonsumenten auffielen, stieg im vergangenen Jahr beträchtlich: um etwa 14 Prozent auf 21.300.

Besonders hoch war der Anstieg bei Amphetamin und Methamphetamin. 14.400 Menschen wurden im vergangenen Jahr erstmals als Konsumenten registriert. Kristallines Methamphetamin, das sogenannte Crystal oder Crystal Meth, legte besonders zu: um 164 Prozent stieg die Rate der Erstkonsumenten. Knapp 1700 Menschen wurden erstmals mit der Droge erwischt, deutlich mehr als mit Ecstasy (942 Personen).

Die Zahl erstauffälliger Kokainkonsumenten stieg um vier Prozent. Dagegen wurden 14 Prozent weniger Heroinabhängige erfasst.

Cannabis heute höher konzentriert

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, warnte zugleich vor dem Konsum von Cannabis. Es handele sich dabei keineswegs um eine "weiche Droge", da Cannabis in deutlich höheren Konzentrationen als früher auf dem Markt sei. Verantwortlich für die höhere Wirkstoffkonzentration sei die zunehmende Züchtung auf Indoor-Plantagen. 619 derartige Anlagen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland entdeckt.

Besorgt äußerte sich Ziercke auch zu den Entwicklungen im Bereich der neuen psychoaktiven Substanzen. Sogenannte Legal High-Produkte, die beispielsweise als Kräutermischungen oder Badesalze verkauft werden, enthalten Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Inhaltsstoffe, deren Wirkung nicht abschätzbar sei. Sie könnten zu schwersten Vergiftungen und unter Umständen auch zum Tod führen.