Streit um die E-Zigarette Viel Dampf um nichts

Reizstoff für die Atemwege? Riskante Einstiegsdroge? Ums elektronisch verdampfte Nikotin wird weiter heftig gestritten. Die Debatte lenkt aber nur von einem ungelösten Problem ab: Geraucht wird immer noch zu viel.

Ein Kommentar von Kathrin Zinkant

Die Österreicher hatten es lange gut. Trotz der unbestrittenen Erkenntnis, dass das Rauchen einer mutwilligen Selbsttötung gleichkommt, hielten sie daran fest, die Sache den Betroffenen zu überlassen. Also den Rauchern. Das Resultat war eine entspannte Atmosphäre in leicht verrauchten Kaffeehäusern und Kneipen. Dann starb Kurt Kuch, ein Journalist und starker Raucher, der seine Sucht öffentlich bereute. Kurz vor seinem Lungenkrebstod startete der 42-Jährige eine Kampagne gegen die Freiheit der Raucher. In drei Jahren will nun auch Österreich ein vollständiges Rauchverbot in Gaststätten einführen.

Das könnte man als gesundheitspolitischen Triumph betrachten - wüsste man nicht längst aus Deutschland, dass ein solches Verbot das Rauchen nur verdrängt und wissenschaftliche Scheindebatten anzettelt, die vom eigentlichen Problem ablenken. Zuerst war der diabolische Passivrauch das Thema, um das Rauchverbot zu beschleunigen.

Derzeit geht es vor allem um E-Zigaretten. Ex-Echt-Zigaretten-Raucher klammern sich an die elektronischen Nikotinverdampfer als gute Alternative, die ihnen Freiheit zurückgibt. Anhänger der staatlichen Gesundheitsprävention hingegen sehen im legalen Ersatz einer - man vergisst es fast - immer noch legalen Droge eine neue unterschätzte Gefahr, natürlich vor allem für Jugendliche. Beide Seiten suchen sich Rückendeckung aus der Forschung.

Elektronische Zigaretten sind keine Einstiegsdroge für Tabak

In der vergangenen Woche sind wieder mehrere Studien erschienen, die vor allem das schlechte Image der Rauchprothesen zu bestätigen scheinen. Eine will belegen, dass sie eine Entwöhnung eher verhindern als fördern. Eine zweite zeigt, dass die Aromen der verdampften Flüssigkeiten die Atemwege reizen. Die dritte konstatiert, dass rauchende Jugendliche häufig auch E-Zigaretten nutzen. Das bedeutet eigentlich nur, dass das Dampfen für Nikotinabhängige eine Alternative zum Rauchen ist, klingt aber, als seien E-Zigaretten eine Art Einstiegsdroge für Tabak. Was nicht stimmt.

Alles in allem ist die Wissenschaft sich einig, dass E-Zigaretten zwar nicht gesund sein mögen, dennoch bei Weitem nicht so viel Schaden anrichten wie richtiger Tabak. Immer noch, auch in Deutschland. Für diese Erkenntnis reicht eigentlich schon der Besuch einer der vielen verrauchten Berliner Kneipen. Es wäre daher angezeigt, wieder vermehrt darüber zu diskutieren, wie man der steuereinnahmeträchtigen Nikotinsucht mit mehr Erfolgsaussichten entgegentreten kann. Bis zu einer Lösung dieses echten Problems wäre das dampfende kleinere Übel schlicht zu begrüßen.