Skandal um Organtransplantationen Kommission entlastet Regensburger Chirurgen

In vier deutschen Lebertransplantationszentren wurde in den Jahren 2010 und 2011 gegen die Richtlinien verstoßen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Prüfkommission der Bundesärztekammer - die Regensburger Uniklinik ist wider Erwarten nicht darunter.

Von Christina Berndt

Und was ist mit Regensburg? Diese Frage stellten sich viele Beobachter des Organspendeskandals, die bei der Bundesärztekammer angesiedelte Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) Anfang September ihre Ergebnisse zu allen 24 deutschen Lebertransplantationszentren vorstellte. An vier Zentren hatte die PÜK systematische Verstöße gegen die Richtlinien festgestellt - in Göttingen, München rechts der Isar, Leipzig und Münster.

Regensburg aber war nicht darunter; es erwies sich in den von der PÜK untersuchten Jahren 2010 und 2011 als sauber, obwohl es an dem Klinikum zwischen 2003 und 2006 die stattliche Zahl von 43 Unstimmigkeiten bei Lebertransplantationen gegeben hatte. Zu dieser Zeit war der jetzt in Göttingen wegen Manipulationen der Warteliste angeklagte Chirurg Doktor O. in Regensburg tätig.

Die Frage, was in der Zeit dazwischen in Regensburg geschehen war, hat die PÜK nun beantwortet - zu Gunsten der oberpfälzischen Universitätsklinik. "In den vergangenen fünf Jahren hat es keine wesentlichen Vorkommnisse in Regensburg mehr gegeben", sagt Ruth Rissing-van Saan, eine der Prüferinnen und ehemalige Richterin am Bundesgerichtshof. "Dort deutet in diesem Zeitraum nichts auf systematische Manipulationen hin, um Patienten zu bevorzugen." Systematisch definiert die PÜK als "gezielt, geplant und kontinuierlich eingesetzt", denn einzelne Verstöße gegen Richtlinien, "die offenbar im Eifer des Gefechts geschehen sind", wie Rissing-van Saan sagt, gab es an fast allen Zentren.

So fanden die Prüfer in Regensburg wenige Fälle, in denen die Ärzte ihre krebskranken Patienten noch als transplantabel einschätzten, obwohl deren Tumoren nach den Richtlinien schon zu groß waren. In weiteren wenigen Fällen waren alkoholkranke Patienten nicht die erforderlichen sechs Monate trocken gewesen, als sie eine Spenderleber bekamen. Kein einziges Mal wurde dagegen fälschlicherweise eine Dialyse angegeben, was anderswo ein gängiges Mittel war, um Patienten kränker erscheinen zu lassen.

Genauere Angaben will die PÜK derzeit nicht machen, weil das Verfahren nicht abgeschlossen ist; so muss das Regensburger Zentrum noch vor der Veröffentlichung des Berichts gehört werden. Mit der guten Nachricht wollten die Prüfer trotzdem nicht hinterm Berg halten: "Es ist wichtig, einem Transplantationszentrum, das so in Verruf geraten ist, zu attestieren, dass es gegenwärtig gut arbeitet", sagt Rissing-van Saan.