Schmerzmittel Aspirin könnte die Netzhaut angreifen

Aspirin hilft gegen Kopfweh, kann aber möglicherweise Augenkrankheiten begünstigen. 

(Foto: AFP)

Wer häufig Aspirin einnimmt, erhöht möglicherweise sein Risiko für eine Augenerkrankung. Was heißt das für die Patienten?

Von Katrin Blawat

Wer jahrelang einmal pro Woche oder häufiger Aspirin nimmt, hat möglicherweise ein erhöhtes Risiko für die altersbedingte Makuladegeneration. Sie kann zur Erblindung führen. Den Zusammenhang legt eine Langzeitstudie mit knapp 2400 Australiern nahe (Jama Internal Medicine, online).

Knapp 260 der Probanden nahmen regelmäßig Aspirin, in vielen Fällen 150 Milligramm am Tag. Von diesen Probanden waren zehn Jahre nach Studienbeginn sieben Prozent an feuchter Makuladegeneration erkrankt. Nach 15 Jahren waren es 9,3 Prozent. Von den Probanden, die selten oder kein Aspirin nahmen, hatten 1,6 Prozent das Augenleiden nach zehn Jahren entwickelt und 3,7 Prozent nach 15 Jahren. Potenziell verzerrende Faktoren wie hoher Blutdruck oder Rauchen hatten die Forscher herausgerechnet.

Dennoch ist nicht ganz klar, ob der Zusammenhang zwischen der Arznei und dem Augenleiden kausal oder rein statistisch ist.

Aspirin wird zum Beispiel häufig zur Prävention von Herzinfarkten eingesetzt, wenn ein Patient schon einmal einen Infarkt erlitten hat. Daran solle sich derzeit nichts ändern, betont das Team um Gerald Liew von der University of Sydney. Er verweist auf die widersprüchlichen Ergebnisse früherer Studien.

Für Herzinfarkt-gefährdete Patienten überwiege der Nutzen des Medikaments. In Fällen jedoch, in denen die vorbeugende Wirkung des Aspirins weniger gut belegt ist und gleichzeitig ein hohes individuelles Risiko für feuchte Makuladegeneration vorliegt, könne es sich lohnen, die vorbeugende Aspirin-Therapie zu überdenken.