Probleme mit Drogen-Schnelltests Voll auf Mohnkuchen

Cannabis-Spuren im Baby-Urin? Schnelltests auf Drogen lösen oft Fehlalarm aus. Schon ein Mohnkuchen, Waschlotionen oder Antibiotika können Verdacht erregen. Junkies und Kiffer nutzen hingegen die Schwächen der Tests, um den eigenen Konsum zu verbergen.

Von Berit Uhlmann

Beim dritten seltsamen Laborbefund merkten die Ärzte der Neugeborenenstation auf. Dreimal hatte ein Schnelltest die gleiche Ungereimtheit gezeigt: Im Baby-Urin fanden sich Cannabis-Spuren, während eine ausführliche Untersuchung des Neugeborenenstuhls ergebnislos verlief. Die Ärzte vermuteten den Fehler bei der Auswertung der Harnprobe, doch keine der gängigen Fehlerquellen konnte die falschen Testresultate erklären.

Ein Schnelltest der Polizei soll im Urin Spuren von Drogen nachweisen. Die Tests geben keine absolute Gewissheit über Drogenkonsum.

(Foto: DPA-SZ)

Labormediziner fanden schließlich die Lösung: Eine Waschlotion für Babys hatte den Urintest auf Cannabis ausschlagen lassen. Als die Wissenschaftler weitere Kinderkosmetika untersuchten, offenbarten vier andere Seifen das Potenzial, die Tests zu verfälschen. Gleich mehrere Inhaltsstoffe störten die Reaktionen, auf denen der Drogennachweis beruht. Schon 0,1 Milliliter Flüssigseife irritierten die Tests. Dass eine solche Menge nach dem Waschen am Babykörper zurückbleibt und mit dem Urin in die Probe gespült wird, sei nicht unrealistisch, schreiben die Wissenschaftler, die den Fall vor Kurzem im Fachblatt Clinical Biochemistry veröffentlicht haben.

Die Forscher waren überrascht, denn Seife war bislang in Laboren für ihre gegenteilige Wirkung bekannt: Einige Inhaltsstoffe können Urinproben fälschlicherweise als drogenfrei ausweisen. Süchtige nutzen das gelegentlich zur Manipulation. Die Testanleitungen sehen zum Aufspüren solcher Betrugsversuche eine Methode vor, die ein bisschen an Chemie-Experimente von Vorschülern erinnert: schütteln und schauen, ob der Urin Seifenblasen bildet.

Drogen werden vor allem in Urin, Neugeborenenstuhl, Speichel, Schweiß, Blut, Haaren und Nägeln nachgewiesen. Am häufigsten wird Urin verwendet, sagt Fritz Pragst, Toxikologe an der Berliner Charité. Urin kann verhältnismäßig einfach in ausreichenden Mengen gewonnen werden und ist im Vergleich zum Speichel aussagekräftiger. Mit Schnelltests, sogenannten Immunassays, kann die Probe rasch und kostengünstig untersucht werden. Der Drogennachweis erfolgt allerdings nur indirekt und ist alles andere als sicher.

Unbescholtene Bürger unter Verdacht

Wie schnell damit auch unbescholtene Bürger unter Verdacht geraten können, erfuhren vor Kurzem Dutzende Italiener. Anders als in Deutschland müssen sich in Italien Beschäftigte mit besonders verantwortungsvollen Tätigkeiten regelmäßig einem Drogenscreening unterziehen. Von 100.000 Urinproben wiesen die Schnelltests 267 als positiv aus.

Als die Angestellten die Ergebnisse anzweifelten, wurden die Proben mit einem Testverfahren untersucht, dessen Anwendung so kompliziert und teuer ist, wie sein Name klingt: Massenspektrometrie mit einem Gaschromatographen. Bei diesem Bestätigungstest entpuppte sich fast die Hälfte der positiven Ergebnisse als Fehlalarm. Besonders hoch war der Anteil der falsch-positiven Resultate bei den Tests auf Amphetamine, Cannabis und Opiate.