Post-Ebola-Syndrom Ebola-Überlebender erwacht mit neuer Augenfarbe

Der US-Amerikaner Ian Crozier galt als geheilt, als er gravierende Probleme mit seinen Augen bekam. Er ist einer von vielen Ebola-Überlebenden, die mit Spätfolgen der Krankheit zu kämpfen haben.

Von Berit Uhlmann

Dieser Morgen wird dem Arzt Ian Crozier sicher unvergesslich bleiben: Aus dem Spiegel sah ihm ein Auge entgegen, das nicht seines zu sein schien. Das leuchtende Blau der Iris hatte sich in Grün verwandelt. Als Mediziner mag er gewusst haben, dass solche Farbänderungen als Folge schwerer Augenentzündungen auftreten können, und doch - so sagte er es der New York Times - traf ihn der Anblick "wie ein Schlag". Die Erklärung für das Phänomen: Ebola.

Der US-Amerikaner hatte sich Monate zuvor in Sierra Leone mit dem Ebola-Virus infiziert, als er für die Weltgesundheitsorganisation WHO in dem westafrikanischen Land arbeitete. Er wurde in die USA gebracht und erfolgreich behandelt. Doch knapp zwei Monate nach seiner Entlassung führten ihn Augenprobleme erneut in die Klinik: Eines seiner Augen schmerzte, er konnte zunehmend schlecht sehen, später kam die Farbänderung hinzu.

Als die Mediziner Flüssigkeit aus der Augenkammer entnahmen, fanden sie darin Ebola-Viren. Dieses Kammerwasser gelangt nicht an die Oberfläche des Auges, es bestand also keine Infektionsgefahr. Der Fund, über den das renommierte New England Journal of Medicine berichtete, war allerdings eine Überraschung. Bislang waren Mediziner davon ausgegangen, dass das Virus lediglich in Samenzellen für mehrere Monate überlebt. Männer sollten daher nach einer Ebola-Infektion drei Monate lang keinen ungeschützten Sex haben.

So seltsam der Fall anmutet, Crozier ist mit seinen Spätfolgen kein Einzelfall. Schon im Oktober 2014 berichtete die WHO vom "Post-Ebola-Syndrom". Ärzte begegneten in Westafrika Patienten mit heftigen Schmerzen in Muskeln und Gelenken sowie starker Erschöpfung - Beschwerden an denen auch Crozier zunehmend litt. Besonders häufig stellten die Mediziner Augenprobleme fest. Vor kurzem warnte auch die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" vor Augenentzündungen bei Ebola-Überlebenden. Die so genannte Uveitis kann unbehandelt zur Blindheit führen. In Westafrika, wo es wenige Augenärzte gibt, könnte dies zum Problem werden.

Ian Crozier dagegen scheint Glück zu haben. Als er auf dem entzündeten Auge fast vollständig erblindet war, probierten die Ärzte ein neues antivirales Mittel aus. Den Namen nannten sie nicht. Einige Monate später konnte der Mediziner wieder sehen. Auch seine Augenfarbe kehrte zum ursprünglichen Blau zurück.

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