Ohrenschmerzen Fehlkonstruktion Mittelohr

Vor allem Kinder leiden an Ohrenschmerzen - ausgelöst durch einen sogenannten Paukenerguss. Wissenschaftler aus London haben nun eine Erklärung vorgelegt, wieso das Ohr so anfällig ist.

Die Evolution hat es nicht immer gut gemeint mit dem menschlichen Körper. Beispiel Mittelohr: Es enthält eine luftgefüllte Höhle und in ihr drei winzige Knöchelchen. Sie tragen dazu bei, den Schall weiterzuleiten. Die Konstruktion funktioniert gut, hat aber einen Preis. Das leiten zumindest Hannah Thompson und Abigail Tucker vom King's College London aus einer Studie an Mäusen ab (Science, Bd. 339, S. 1453, 2013).

Demnach ging die Entwicklung einer luftgefüllten Mittelohrhöhle mit den drei Mini-Knochen einher mit einem erhöhten Risiko für sogenannte Paukenergüsse. Dabei sammelt sich Flüssigkeit im Mittelohr an, was Schmerzen verursacht, das Zusammenspiel der Gehörknöchelchen und damit das Hören behindert. Vor allem Kinder leiden oft daran.

Den Forschern zufolge entwickelt sich die Mittelohrhöhle beim Embryo aus Zellen, die aus zwei verschiedenen Strukturen entstehen, aus dem sogenannten Endoderm und - überraschenderweise - der Neuralleiste. Aus ihr entwickeln sich "nackte" Zellen, die keine feinen Härchen besitzen. Diese Härchen aber helfen vielen anderen Zelltypen - auch denen aus dem Endoderm -, Ablagerungen fortzuwedeln. Dass den Mittelohrzellen aus der Neuralleiste dieses Hilfsmittel fehlt, begünstige Infektionen, argumentieren die Forscher.