Nasenspray "Auch Säuglingsspray führt zu Gewöhnung"

Wie gefährlich ist Schnupfenspray? Michael Damm, HNO-Spezialist an der Uniklinik Köln, über Hilfe bei Schnupfen, Nasenspray-Sucht und sanften Entzug.

Interview: Sarina Pfauth

Die Zeitschrift Öko-Test hat kürzlich 99 Schnupfensprays gestetet - und rund ein Drittel davon mit "mangelhaft" beurteilt. Manche davon würden sogar dauerhaften Schaden anrichten. Außerdem fürchten viele Menschen, von den Sprays abhängig zu werden.

Abschwellende Nasensprays sollte man nicht länger als drei bis fünf Tage anwenden, empfiehlt der HNO-Spezialist Michael Damm.

(Foto: Foto: Getty/obs/Roche)

sueddeutsche.de: Ist Nasenspray tatsächlich gefährlich?

Michael Damm: Abschwellende Nasentropfen oder Sprays bedingen nach längerfristiger Anwendung automatisch eine Gewöhnung. Sie machen auf Dauer also abhängig.

sueddeutsche.de: Würden Sie grundsätzlich von abschwellenden Schnupfensprays abraten?

Damm: Nein, nicht unbedingt. Man sollte sie nicht länger als drei bis fünf Tage anwenden und dann entweder innerhalb von zwei Tagen die Dosis zurückfahren oder am besten sofort wieder ganz aufhören.

sueddeutsche.de: Ist es besser, Sprays für Kinder und Säuglinge zu benutzen?

Damm: Nein, da gibt es keinen Unterschied. Die Konzentration ist zwar unterschiedlich, aber auch die Konzentration eines Säuglingsnasensprays reicht vollkommen aus, um beim Erwachsenen zu einer Gewöhnung zu führen. Allerdings: Eine sehr geringe Konzentration reicht auch aus, um bei Erwachsenen die Nase frei zu machen.

sueddeutsche.de: Gibt es Alternativen zu Schnupfensprays?

Damm: Ja. Kochsalz-Nasenspray kann man zum Beispiel ganz häufig benutzen, etwa 30 Mal pro Tag. Es macht nicht süchtig - und man kann es selbst aus Leitungswasser und Küchensalz herstellen. Eine gute Alternative sind auch Kortison-Nasensprays. Die Anwendung beim Virusschnupfen ist in Deutschland noch relativ unüblich. Bei einem viralen Schnupfen kann man sie gut anwenden. Und zwar zusätzlich zu abschwellenden Nasen- oder Kochsalzsprays; oder - wenn man sich einen bakteriellen Schnupfen eingefangen hat - im Kombination mit Antibiotika.

sueddeutsche.de: Wie merke ich, ob ich mir einen bakteriellen Schnupfen oder Viren eingefangen habe?

Damm: Ganz einfach: Wenn sie eine wässrige beziehungsweise weißliche Nasensekretion über drei oder vier Tage haben, die rasch wieder abklingt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um eine virale Infektion handelt. Wenn sie dagegen eine Krankheitsdauer von zehn Tagen oder länger haben und dazu gelblich-grünliche Sekretion, dann haben sie ziemlich sicher eine bakterielle Superinfektion.

sueddeutsche.de: Ab wann sprechen Sie von einer "Abhängigkeit"?

Damm: Wenn ich keinen Infekt habe, aber trotzdem Nasentropfen brauche und sie länger als sechs bis acht Wochen nehme. Die körpereigenen Mediatoren reichen dann nicht mehr aus, um die Nase abzuschwellen. Das bedeutet: Ihre Nase ist verstopft, sobald sie kein abschwellendes Spray mehr benutzen.

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