Lebensmittelkennzeichnung Klartext auf der Verpackung

Bisher ist das Kauderwelsch auf den Produkten lückenhaft und schwer verständlich. Die US-Kontrollbehörde FDA fordert deshalb genauere Angaben auf Lebensmitteln. Ein Vorbild für Europa?

Von Kathrin Zinkant

Neue Kennzeichnung: Die künftigen US-Labels sollen größere Portionen als Standard berücksichtigen und die Kalorienangaben fett und groß abbilden.

(Foto: Caballero-Reynolds/Bloomberg)

Zum ersten Mal seit 21 Jahren will die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) die verpflichtenden Nährwertangaben auf Lebensmitteln überarbeiten. Auf einem öffentlichen Meeting stellte die Behörde diese Woche ihren Entwurf für neue Tabellen vor, mit deren Hilfe Verbraucher bessere Entscheidungen für ihre Ernährung treffen sollen.

Die 1993 eingeführten Kennzeichnungen stehen schon lange in der Kritik, weil sich die Kalorienangaben auf unrealistisch kleine, willkürlich festgelegte Portionen beziehen - wie zum Beispiel "eine Tasse" Popcorn oder "355 Milliliter" Cola. Gerade Softdrinks werden in den USA eher in Literportionen getrunken. Der mit besonders vielen Dicken gesegnete Staat New York ist diese Woche endgültig daran gescheitert, den Verkauf solcher Riesengetränke zu verbieten. Die künftigen Labels sollen nun größere Portionen als Standard berücksichtigen und die Kalorienangaben fett und groß abbilden.

Die zweite bedeutende Änderung ist die Deklaration von zugesetztem Zucker. Inzwischen ist unbestritten, dass beigemengter Glukosesirup, Fruchtzucker und Kristallzucker in Lebensmitteln Übergewicht und Diabetes fördern. Insofern passt sich das neue Etikett dem Stand der Forschung an. Was weiterhin fehlen darf, ist aber eine Angabe über den Anteil des zugesetzten Zuckers an einer empfohlenen Höchstmenge oder am Energiebedarf.

Die US-Lebensmittelriesen sind trotzdem nicht erfreut über die neuen Kennzeichnungen. Und zahlreiche Experten bezweifeln, dass Nährwertangaben auf Lebensmitteln überhaupt eine Wirkung entfalten. So konnten Studien zeigen, dass mittlerweile nur noch jeder dritte Amerikaner einen Blick auf die abgedruckten Tabellen wirft. Und selbst wenn: Es wird nicht alles verstanden. Michael Jacobson, Experte für Verbraucherschutz, sagte auf dem Meeting der FDA, den Konsumenten fehle oft der Kontext, um einzelne Nährwertangaben richtig einzuordnen.

Das gilt sicher auch für Europa. Die Debatte in den USA könnte der hiesigen Lebensmittelaufsicht EFSA aber neue Diskussionen bescheren. Bislang gibt es in der EU keine verpflichtenden Angaben über Nährwerte, sie sollen ab Dezember 2014 eingeführt und bis 2016 umgesetzt werden, wenn auch nur lückenhaft. Zugesetzte Zucker oder sogenannte Transfettsäuren, die gefäßschädigend sind, müssen noch nicht deklariert werden.

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