Krankenhaus-Report der AOK 18.800 Tote durch Fehler in Krankenhäusern

Wer sich operieren lassen muss, hofft auf ein erfahrenes OP-Team. Das ist nicht überall gewährleistet (Symbolbild).

Fünfmal so viele Menschen wie im Straßenverkehr sterben in deutschen Krankenhäusern aufgrund von Behandlungsfehlern. Das geht aus einem aktuellen Bericht der AOK hervor. Sehr viele Todesfälle ließen sich vermeiden - nicht nur durch bessere Hygiene. Auch die Ausrichtung auf ökonomisches Kalkül scheint zu schaden.

In deutschen Krankenhäusern liegt die Häufigkeit tödlicher Fehler zwar im Promillebereich. Angesichts der großen Zahl von Patienten ist die geschätzte absolute Zahl der Todesfälle auf der Basis von Fehlern jedoch sehr hoch: 18.800 gab es allein 2011 - das sind fünfmal so viele wie im Straßenverkehr, berichtet die AOK in ihrem Krankenhaus-Report 2014.

Insgesamt lag die Zahl der Ereignisse, die die Sicherheit der Patienten gefährdete, zwischen 0,9 und 1,8 Millionen, und etwa die Hälfte davon hätte sich vermeiden lassen, schätzen die AOK-Experten. Zu Behandlungsfehlern kam es in ingesamt 188.000 Fällen. Gerade die große Zahl der vermeidbaren Ereignisse zeigt dem Bericht zufolge, dass es ein großes Verbesserungspotenzial gibt.

Viele Fehler erfolgten zum Beispiel bei der Gabe von Medikamenten an Patienten, die nicht nach Allergien befragt wurden. Auch sei mangelnde Hygiene noch immer ein großes Problem. Etwa vier Prozent der Patienten stecken sich jährlich mit gefährlichen Krankenhausinfektionen an. So kommt es etwa zu vermeidbaren Entzündungen von Operationswunden.

Einige Krankenhäuser achteten nach wie vor nicht auf ausreichende Händedesinfektion, sagte Max Geraedts von der Universität Witten/Herdecke bei der Vorstellung des Berichts in Berlin.

Mehr auf Qualität setzen

Vermeiden ließen sich viele Fehler dem Wissenschaftlichen Institut der Krankenkasse zufolge, wenn von vornherein mehr auf Qualität gesetzt würde und Risiken vermieden würden.

So hänge das Ergebnis einer Behandlung eng damit zusammen, wie häufig der Eingriff an einem Krankenhaus durchgeführt wird. Das zeigt den Experten zufolge etwa das Beispiel der planbaren Hüftgelenk-Operationen. "Das Fünftel der Krankenhäuser mit den wenigsten Eingriffen weist im Vergleich zum Fünftel mit den meisten Behandlungen eine um 37 Prozent höhere Rate an Wiederholungsoperationen auf."

Mehr Erfahrungen und Routine führen zu besseren Ergebnissen - wer sich operieren lassen muss, sollte deshalb ein Krankenaus aufsuchen, in dem der Eingriff häufig geschieht.

Viele Krankenhäuser bieten jedoch auch Operationen an, mit denen ihr Personal relativ wenig Erfahrung hat. Problematisch sei hier die riskante Entwicklung "bei bestimmten lukrativen Eingriffen wie Rückenoperationen, die in den letzten Monaten immer wieder Thema war", sagte AOK-Vorstandschef Uwe Deh. "Wenn Operationen nicht nur aus medizinischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen durchgeführt werden, ist die Patientensicherheit schnell in Gefahr."

Während mehr Spezialisierung notwendig wäre, würden viele Krankenhäuser versuchen, "sich angesichts der Konkurrenz und aus einem primär ökonomischen Kalkül zu 'kleinen Universitätskliniken' zu entwickeln, die alles anbieten", warnt Deh. Die Häuser sollten sich aber entscheiden, ob sie die Grundversorgung für die Fläche gewährleisten wollen oder sich zu einer Fachklinik für ein großes Einzugsgebiet entwickeln.

"Fehlerkultur etablieren"

Geraedts zufolge sei es das Wichtigste für die Krankenhäuser, "eine Fehlerkultur zu etablieren und die bereits eingeführten Fehlerberichtssysteme stärker zu nutzen, um besser aus eigenen Fehlern und den Fehlern anderer Krankenhäuser zu lernen".

Mitarbeiter sollten stärker sensibilisiert und Fehlerberichtssysteme genutzt werden. Dies erhöhe nicht nur die Patientensicherheit und vermeide kostenträchtige Komplikationen, erklärte Geraedts. Auch die stark steigenden Schadensersatzansprüche könnten eingedämmt werden.

Mit ihrer Absicht, die Bezahlung der Krankenhäuser stärker an der Qualität auszurichten, sei die große Koalition auf dem richtigen Weg, bilanzierte der AOK-Bundesverband. Union und SPD haben dafür die Gründung eines unabhängigen Qualitätsinstituts vereinbart. Auch die Neuordnung der Krankenhauslandschaft müsse neben der flächendeckenden Erreichbarkeit von Kliniken die Qualität eine Rolle spielen, so die AOK.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnte angesichts des AOK-Reports vor einer Verunsicherung der Patienten. "Nie hatten wir höhere Sicherheitsstandards in den Kliniken", erklärte Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Die Kassen dürften nicht Maximales fordern und es gleichzeitig ablehnen, für die Mehrkosten zur Erhöhung von Qualität und Patientensicherheit aufzukommen.