Infektionskrankheiten Forscher finden angeblich Zika-Virus in Urin und Speichel

Hat das Virus die Fähigkeit, Menschen über Körperflüssigkeiten zu infizieren?

Von Werner Bartens

Ein brasilianisches Forschungsinstitut hat angeblich das Zika-Virus in Urin und Speichel nachgewiesen. Der Leiter des Instituts, Paulo Gadelha, sagte am Freitag auf einer Pressekonferenz in Rio, die Fähigkeit des Virus, Menschen über Körperflüssigkeiten zu infizieren, müsse noch weiter erforscht werden. Schwangere sollten zudem strengere Sicherheitsvorkehrungen beachten.

Das Virus wird fast ausschließlich durch Stiche der ägyptischen Tigermücke übertragen. In seltenen, krankhaften Fällen kann der Erreger aber auch in blutigem Sperma nachgewiesen werden - diese Ausnahmen hatten Spekulationen darüber angeheizt, ob das Virus auch durch Geschlechtsverkehr verbreitet wird. Weil das so selten vorkommt, messen Fachleute diesem Übertragungsweg aber keine Bedeutung für die Ausbreitung des Erregers bei.

Ohnehin sind durch eine Infektion nach bisheriger Kenntnis ausschließlich Schwangere bedroht

Nach einem Zika-Ausbruch in Französisch-Polynesien 2013 haben verschiedene Wissenschaftler bereits Spuren des Zika-Virus in Speichel und Urin nachgewiesen. Sieben Einzelfallberichte gibt es dazu in der Fachliteratur. Der Nachweis bedeutet allerdings nicht, dass die Viren durch Kontakt mit diesen Körperflüssigkeiten weitergegeben werden. Ohnehin sind durch eine Infektion nach bisheriger Kenntnis ausschließlich Schwangere bedroht. Ansonsten verläuft eine Ansteckung in mehr als 80 Prozent der Fälle unbemerkt. Die restlichen 20 Prozent bekommen leichtes Fieber, Hautausschlag und gelegentlich Gelenkschmerzen und eine Bindehautentzündung.

Wie gefährlich ist Zika?

Kann das Virus beim Geschlechtsverkehr übertragen werden? Wie groß ist die Gefahr in Deutschland? Antworten auf die drängendsten Fragen. Von Werner Bartens mehr ...

Bei einer Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft ist jedoch offenbar das Risiko für schwere Schädelfehlbildung bei Neugeborenen erhöht. Sie kommen mit kleineren Köpfen und Gehirnen auf die Welt und tragen neurologische Schäden davon. Der genaue Zusammenhang ist noch unklar. Von den mehr als 4000 Verdachtsfällen seit Oktober 2015 in Brasilien wurden bisher erst 300 bestätigt - und ungefähr 500 als Fehldiagnosen erkannt.

Schwangeren wird empfohlen, sich mit langen Ärmeln und Insektenschutzmitteln in Zika-Gebieten zu schützen oder entsprechende Regionen zu meiden. Eine Impfung oder Therapie gibt es bisher nicht.