Heilpraktiker Sollten Heilpraktiker zuerst eine Ausbildung in einem Gesundheitsberuf absolvieren?

Derart harte Vergleiche klingen wenig versöhnlich - und tatsächlich sehen die Autoren eine mögliche Lösung des Problems darin, den Heilpraktikerberuf abzuschaffen. Die Gruppe um Schöne-Seifert schlägt aber auch eine andere "Kompetenzlösung" vor, die den Beruf mit einer verpflichtenden Grundausbildung aus dem Bereich der nichtakademischen Gesundheitsberufe ausstattet.

Das würde bedeuten: Wer Heilpraktiker werden will, muss erst die staatlich anerkannte dreijährige Ausbildung zum Krankenpfleger, Logopäden oder Physiotherapeuten absolvieren. "Die Heilpraktiker-Anwärter sollen als Grundrüstzeug ein medizinisch zuverlässiges Verständnis von Gesundheit und Krankheit erwerben", sagt Christian Weymayr, Medizinjournalist und Experte für Komplementär-alternative Medizin, der zum Münsteraner Kreis gehört.

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Nach Abschluss der Ausbildung könnten sich Anwärter dann zum Fach-Heilpraktiker qualifizieren. Laut Memorandum gehört dazu, den "wissenschaftlich fundierten Umgang" mit den üblichen Methoden der Heilpraktik zu erlernen. Der Fach-Heilpraktiker müsste also anerkennen, dass die Wirkung von Zuckerkügelchen oder Bach-Blüten wissenschaftlich nicht belegt ist. "Daran, dass die heilpraktischen Verfahren wissenschaftlich meist unhaltbar sind, ändert eben eine dreijährige Ausbildung nichts", sagt Weymayr. Schließlich sollen die kompetenten Fach-Heilpraktiker die Verfahren nur im medizinisch erlernten Tätigkeitsbereich anwenden dürfen. "Ein Physiotherapie-Fachheilpraktiker etwa bliebe beschränkt auf Beschwerden und Erkrankungen im Bewegungsapparat", heißt es im Memorandum.

Der Süddeutschen Zeitung sagte der Präsident des Fachverbands Deutscher Heilpraktiker, Christian Wilms, es scheine in dem Memorandum ausschließlich darum zu gehen, "unliebsame Konkurrenz loszuwerden und die erfolgreiche Arbeit der Kollegenschaft zu diskreditieren". Seines Wissens nach seien weder Heilpraktikerverbände noch praktizierende Heilpraktiker in den Entstehungsprozess des Papiers eingebunden gewesen. Auf den Vorschlag der Kompetenzlösung ging Wilms nicht weiter ein.

Der Vorsitzende der Freien Heilpraktiker, Dieter Siewertsen, verwies auf ein Statement des Dortmunder Rechtsanwalts René Sasse. Sasse verfasst für einige Heilpraktikerverbände und für deren Dachverband Stellungnahmen und schreibt auf www.heilpraktikerrecht.de, der vorgeschlagene Fach-Heilpraktiker sei eine "semantische Mogelpackung". Das Memorandum spreche berechtigterweise einige Probleme des aktuellen Heilpraktikerrechts an. "In seinen Forderungen ist es indes kaum nachzuvollziehen und geht weit über das Gebotene hinaus". Die Kompetenzlösung käme "einer Abschaffung im Ergebnis gleich". Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte sah sich nicht in der Zuständigkeit, das Memorandum zu kommentieren.

Auf Nachfrage nach einem Regelungsbedarf verweist das Bundesministerium für Gesundheit auf das geltende Recht. Im Fall der Heilpraktiker seien die Gesundheitsbehörden der Bundesländer in der Verantwortung, "für die Überwachung und Überprüfung der Heilpraktiker in ihrem beruflichen Handeln Sorge zu tragen". Zudem würden sich Heilpraktiker, "sofern sie Mitglied in einem der größeren Heilpraktikerverbände sind", einer freiwilligen Berufsordnung unterwerfen. Darüber hinaus verweist das Ministerium auf die Möglichkeit Schadensersatzansprüche "wegen eines Behandlungsfehlers" geltend zu machen.

"Im Kern muss es um eines gehen: Dass die Bevölkerung vor Heilpraktikern mit unzureichenden medizinischen Kenntnissen beschützt wird", sagt Jochen Taupitz. Schadensersatz nutze dem Patienten wenig, wenn seine Gesundheit bereits beschädigt sei. Folgt man dem Hinweis des Gesundheitsministeriums, hätte wohl ein großer Teil der Patienten längst Anspruch. Nach Angaben des Bundesministeriums liegt ein Behandlungsfehler bereits dann vor, wenn "die medizinische Maßnahme nicht dem allgemein anerkannten Standard entspricht, der im Zeitpunkt ihrer Durchführung besteht." Auch wenn nicht ausreichend qualifiziertes Personal eine Behandlung durchführt, könne dies ein Behandlungsfehler sein. In der Heilpraxis trifft mindestens der erste Punkt fast immer zu, der zweite mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit.

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