Google auf dem Gesundheitsmarkt Pens mit Bluetooth

"Wir freuen uns, mit Google zusammenzuarbeiten und ihre fortschrittliche Technik und unser Wissen über Biologie zusammenzubringen", sagte Novartis-Chef Joseph Jimenez, der selbst aus Kalifornien stammt, wie Google. "Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Beschränkungen der traditionellen Krankheitsverwaltung hinter uns zu lassen." Diabetes soll nicht mehr nur verwaltet, sondern in den Griff bekommen werden.

Gerade hat Google eine weitere Kooperation verkündet, diesmal mit dem Pharmaunternehmen Sanofi. Bei der Zusammenarbeit geht es um eine Verbesserung der Messtechnik. Google und Sanofi wollen an neuen Verabreichungsmethoden für Insulin arbeiten, mit deren Hilfe der Blutzuckerwert in Echtzeit gespeichert und analysiert werden kann. Dazu zählen mit Bluetooth ausgerüstete Pens, die eine Verbindung zum Arzt herstellen können, der die Blutzuckerwerte überwacht und sehen kann, wann der Patient wie viel Insulin gespritzt hat.

Jetzt sei die Zeit reif für Technologiekonzerne wie Google, in das Geschäft mit Diabetes einzusteigen, sagt Michael Chae von der American Diabetes Association. "Es gibt eine Explosion von Technik, die am Körper getragen wird, von Daten und Analyse", sagte er dem Radiosender NPR. "Menschen mit Diabetes fühlen sich wohler in einer vermessenen Welt."

Die wachsende Zahl der Diabetes-Patienten bedeutet ein großes Geschäftsfeld für Pharmaunternehmen. Schätzungen zufolge ist der Insulinmarkt weltweit über 40 Milliarden Dollar schwer. Bis 2018 wird er auf 60 Milliarden Dollar geschätzt. Führend ist das dänische Unternehmen Novo Nordisk, dessen Marktanteil beim Verkauf von Insulin auf mehr als ein Viertel taxiert wird. Das französische Unternehmen Sanofi stellt das meistverkaufte Insulin namens Lantus her, das 2014 einen Umsatz von 6,3 Milliarden Euro einbrachte. Weltweit größter Produktionsstandort ist Frankfurt, weil Sanofi dieses Geschäft vom früheren deutschen Pharmakonzern Hoechst übernommen hat. Dort laufen täglich eine Millionen Pens vom Band, mit den Geräten wird das Insulin verabreicht.

Es gibt noch viele andere Verfahren, die eine Kontrolle rund um die Uhr ermöglichen. Diabetiker können zum Beispiel auch einen Glukose-Sensor durch die Haut des Oberarms oder Bauchs stechen, der bis zu sieben Tage liegen bleiben kann. Hinzu kommen eine Elektronikeinheit als Sender, die auf der Haut fixiert wird, und ein separates Anzeige- und Speichergerät als Empfänger. Die Datenübertragung vom Messen zum Anzeigegerät, das die Größe eines Mobiltelefons hat, erfolgt per Funk. Der Patient kann seine Werte dokumentieren, die Software wird von den Unternehmen mitangeboten. Der vermessene Patient eben.

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