Medizin Sport am Wochenende ist genauso gesund wie tägliches Feierabend-Workout

Joggerin am Flauchersteg in München.

(Foto: Catherina Hess)

Regelmäßige und moderate Anstrengung nutzt dem Körper. Nun stellen Forscher fest: Sport ist auch dann gesund, wenn man ihn seltener und dafür umso intensiver betreibt.

Von Werner Bartens

Der viel beschäftigte High-Performer kommt unter der Woche kaum noch zum Sport. Der Arbeitstag ist schließlich vollgepackt mit Terminen - und nicht jeder Manager ist mit so viel Disziplin gesegnet, dass er morgens um halb sechs zur Joggingrunde aufbricht. Längst hat sich daher der neue Sozialtypus des "Weekend Warriors" entwickelt: Heroisch strebt der Freizeitkrieger am Wochenende sportliche Höchstleistungen an, absolviert zum Beispiel einen Halbmarathon, setzt sich drei Stunden aufs Rennrad oder durchquert den See mit kräftigen Kraulzügen.

Ärzte und Sportwissenschaftler aus Großbritannien haben nun untersucht, ob diese einseitige Schinderei gesund ist. Im Fachmagazin JAMA Internal Medicine zeigen sie, dass intensive körperliche Betätigung am Wochenende viele positive Auswirkungen hat und sich fast so günstig auf Krankheitsrisiken auswirkt wie täglicher Sport. "Der typische Weekend Warrior, der sein Sportprogramm an ein oder zwei Tagen durchzieht, senkt sein Risiko für einen vorzeitigen Tod ebenso wie die Sterblichkeit an Krebs und Herz-Kreislauf-Leiden", sagt Gary O'Donovan, der Erstautor der Studie.

150 Minuten Sportprogramm sozialkompatibel gestalten

Die Forscher der Universität Loughborough haben Gesundheit und Freizeitverhalten von mehr als 63 000 Erwachsenen jenseits der 40 untersucht. Die Analyse der 8800 Todesfälle, die während des 14-jährigen Beobachtungszeitraums auftraten, ergab: Wer regelmäßig Sport treibt, senkt seine Gesundheitsrisiken um 30 bis 40 Prozent und erkrankt seltener an Infarkt, Krebs oder Schlaganfall. Optimal sind der Weltgesundheitsorganisation zufolge mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche.

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"Wichtig ist es, diese 150 Minuten Sportprogramm sozialkompatibel zu gestalten, egal ob man den Umfang auf zwei Einheiten zu 75 Minuten am Wochenende oder auf fünf Einheiten mit je 30 Minuten über die Woche verteilt", sagt Bernd Wolfarth, Chef der Sportmedizin an der Berliner Charité. "Nur dann wird es langfristig umgesetzt und das ist, was zählt. Was die Gesundheitsaspekte angeht, gilt daher auch für Weekend Warrior: Daumen hoch."

Unterstützt wird diese Einschätzung durch Befunde aus Norwegen, die gezeigt haben, dass 75 Minuten intensive Anstrengung in der Woche ähnlich günstig sind wie die doppelte Menge mit geringerer Belastung. Wer sich also am Wochenende auspowert, tut etwas für seine Gesundheit, auch wenn er nicht ganz auf die angestrebten 150 Minuten kommt.

"Der Wille zu unbedingter Leistung auch im Privaten ist immer häufiger anzutreffen"

"Sich ein- oder zweimal pro Woche körperlich zu belasten, ist besser als gar nichts. Je höher die Intensität, desto besser", sagt Martin Halle, Chef der Sportmedizin an der Technischen Universität München. "Für die Blutgefäße und Anpassungsleistungen des Stoffwechsels wären zwar vier- bis fünfmal Sport pro Woche noch besser, aber das schafft ja kaum jemand."

Der Sportarzt betreut Führungskräfte und hat dabei Veränderungen beobachtet. "Der Wille zu unbedingter Leistung auch im Privaten ist immer häufiger anzutreffen", sagt Halle. "Aber vielleicht ist es für die Familie oder die Partnerschaft nicht bekömmlich, sofort nach dem Sonntagsfrühstück zum dreistündigen Triathlon aufzubrechen und dann zwei Stunden Mails zu beantworten."

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