Studie über Folgen der Sucht Alkoholiker verlieren 20 Lebensjahre

Tod mit 60 Jahren - dieses frühe Ende droht Alkoholikern im Durchschnitt. Besonders erstaunt waren die Wissenschaftler aber darüber, wie unterschiedlich stark sich Alkohol auf Männer und Frauen auswirkt.

Der Nächste bitte Ein Hoch auf den Alkohol?

Alkoholische Getränke können das Hirn schädigen und zugleich vor Demenz und Schlaganfall schützen. Welche der Wirkungen eintritt, hängt nicht nur von der Menge, sondern auch von der Art des Trinkens ab.

(Video: sde, Foto: dpa)

Alkoholiker haben eine um 20 Jahre geringere Lebenserwartung als Menschen, die nie alkoholabhängig waren. Das geht aus einer Langzeitstudie von Greifswalder und Lübecker Wissenschaftlern hervor. Demnach sterben trinkende Frauen durchschnittlich mit 60, Männer mit 58 Jahren.

"Keiner der verstorbenen Alkoholabhängigen hatte das durchschnittliche Lebensalter von 82 Jahren für Frauen und 77 Jahren für Männer erreicht", sagte der Leiter der Studie, der Greifswalder Epidemiologe Ulrich John. Die Experten hatten die Gesundheitsdaten von 4070 Menschen aus dem Raum Lübeck ausgewertet. Von ihnen waren 149 als alkoholabhängig diagnostiziert und 14 Jahre lang beobachtet worden.

Dabei verglichen die Forscher die Auswirkungen des Alkoholkonsums auch mit dem Rauchen: Alkohol trug stärker zu einer Verkürzung der Lebenszeit bei als der Tabakkonsum. Die gravierendsten Folgen des Rauchens sind Krebserkrankungen. Sie führen oft erst im Alter von über 60 Jahren zum Tod. Die Gründe für die geringe Lebenserwartung von Alkoholikern können neben Erkrankungen wie Leberzirrhose auch Unfälle und Suizide sein. In der aktuellen deutschen Studie wurden die Todesursachen allerdings nicht untersucht.

Außerdem verglichen die Forscher, wie sich Alkohol auf Männer und Frauen auswirkte - und waren erstaunt über die großen Unterschiede. Die Sterberate von Alkoholikerinnen war verglichen mit nicht trinkenden Frauen um das 4,6-fache höher. Bei männlichen Alkoholikern lag sie etwa zweimal höher.

"Frauen scheinen schneller und stärker als Männer mit Erkrankungen auf Alkoholkonsum zu reagieren als Männer", sagte John. Warum die Unterschiede in der Sterberate so groß sind, konnten die Forscher bislang nicht erklären. Die geringere Körpermasse sei allein kein ausreichendes Argument. "Frauen müssen beherzigen, dass sie deutlich weniger Alkohol konsumieren dürfen als Männer."

Der international anerkannte Richtwert für weitgehend unbedenklichen Alkoholkonsum liegt bei einer maximalen Tagesmenge von zwölf Gramm für Frauen. Das entspricht etwa einem Achtelliter Wein oder einem Viertelliter Bier. Männer dürfen doppelt so viel trinken.