Ebola WHO befürchtet bis zu 10.000 Fälle pro Woche

Ganzkörperanzüge sollen - wie hier in Liberia - helfen, Infektionen zu verhindern. Doch immer wieder stecken sich Helfer an.

(Foto: REUTERS)

Die Weltgesundheitsorganisation rechnet mit einer drastischen Zunahme der Ebola-Infektionen im Winter. Auch Deutschland stellt sich auf weitere Patienten ein.

Von Kai Kupferschmidt, Berlin

Nach dem ersten Tod eines Ebolapatienten in Deutschland hat der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger, betont, dass hierzulande kaum eine Gefahr einer Ausbreitung des Virus bestehe. "Wir sind in Deutschland auf einzelne oder mehrere Fälle von Ebola sehr gut vorbereitet." In der Nacht zum Dienstag war ein UN-Mitarbeiter am St.-Georg-Krankenhaus in Leipzig verstorben. Der Mann hatte sich in Liberia mit dem Ebolavirus infiziert und war zur Behandlung nach Deutschland geflogen worden.

Bei der Behandlung des Patienten seien pro Tag bis zu 100 Schutzanzüge verbraucht worden und "pro Stunde mindestens 20 bis 30 Einweg-Handschuhe gewechselt", teilte das Klinikum mit. Das Personal werde gesundheitlich überwacht. In Spanien und in den USA hatten sich Krankenschwestern bei Patienten angesteckt. "Man hätte erwartet, dass solche Ereignisse nicht vorkommen und ich habe Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung", sagt Burger. "Dieses Virus wird nicht leicht übertragen, aber jeder kleine Fehler rächt sich." In Deutschland sei der Umgang mit dem Erreger konsequent trainiert worden und er hoffe, dass es hier zu keinen Ansteckungen komme, sagt Burger. "Es wäre aber vermessen, das auszuschließen."

Die Zahl der Kranken und Toten in Westafrika steigt an. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Guinea, Sierra Leone und Liberia mindestens 8914 Menschen an dem Erreger erkrankt und 4474 von ihnen gestorben. Reisende haben das Virus nach Senegal, Nigeria und in die USA getragen. Forscher fürchten, dass das Virus in ein anderes Land mit schlechtem Gesundheitssystem gelangen und sich dort eine zweite Front bilden könnte. Auch Deutschland müsse damit rechnen, dass ein Reisender das Virus einschleppe, sagt Burger.

Tatsächlich werde etwa jeder hundertste Kranke, der in Westafrika ins Flugzeug steige, in Deutschland landen, sagt Dirk Brockmann, der an der Humboldt-Universität in Berlin die Ausbreitung von Krankheitserregern erforscht. Großbritannien oder Frankreich haben ein deutlich höheres Risiko. Es sei naiv zu glauben, dass Ebola ein regionales Problem sei, sagt Brockmann. "Der beste Schutz für europäische Länder liegt darin, jetzt zu helfen, das in Westafrika in den Griff zu kriegen."

Einen Plan, wie das gelingen könnte, skizzierte der stellvertretende Generaldirektor der WHO, Bruce Aylward, am Dienstag in Genf. Es sei das Ziel, in den nächsten 60 Tagen 70 Prozent der Erkrankten in Behandlung zu bekommen. "Wenn wir das erst in 90 Tagen schaffen, werden sehr viel mehr Menschen sterben und wir werden mehr Ressourcen brauchen", sagte Aylward. Zurzeit würden jede Woche tausend neue Erkrankte gemeldet. Es sei zu früh, um zu sagen, ob sich die Ausbreitung verlangsame. Viele Forscher glauben, dass das Virus sich erst durch Impfungen besiegen lässt. Zwei Impfstoffe befinden sich in Sicherheitstests. Liberias Verkehrsministerin Angeline Cassell-Bush begab sich nach dem Tod ihres Fahrers durch Ebola am Dienstag in Quarantäne. In einer Erklärung hieß es, Cassell-Bush habe ihn zwar nicht berührt. Die Maßnahme sei jedoch ein Schritt im Kampf gegen die Krankheit.

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