Ebola Tod einer Ebola-Überlebenden

2014 kürte das Time Magazine Salome Karwah zur Person of the Year.

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  • Die liberische Krankenschwester überlebte eine Ebola-Infektion und wurde 2014 vom Time-Magazin zur "Person of the Year" gewählt.
  • Nun starb sie kurz nach der Geburt ihres vierten Kindes im Krankenhaus.
  • Ihr Status als Überlebende wurde ihr zum Verhängnis: Niemand wollte die Frau anfassen, um sich nicht anzustecken.
Von Isabel Pfaff

Man kann Salome Karwah ohne Übertreibung eine Heldin nennen. Als ihre Heimat Liberia 2014 von der schlimmsten Ebola-Epidemie der Geschichte erfasst wurde, nahm die junge Krankenschwester den Kampf gegen das Virus auf. Wie viele andere Pfleger und Ärzte steckte sie sich bei der Arbeit selbst mit dem Virus an - doch Karwah überlebte. Als sie wieder bei Kräften war, arbeitete sie als Pflegerin in derselben Klinik, in der sie geheilt worden war, einem Ebola-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen. Die junge Frau konnte dort Aufgaben übernehmen, die für ihre Kollegen zu gefährlich waren: Zumindest für einige Jahre sind Ebola-Überlebende immun gegen das Virus.

Das Time Magazine kürte die Krankenschwester zusammen mit anderen Helfern, Pflegern und Ärzten zur "Person of the Year 2014". Karwah war damals auf dem Cover des Magazins zu sehen, eine ernste junge Frau mit vollem Gesicht, hinter ihr die Behandlungszelte des Ebola-Zentrums. Sie hatte dort ihre Eltern sterben sehen, ihren Bruder, Tanten, Onkel und eine Cousine. Trotzdem wollte sie dort weiterarbeiten. Sie habe ja jetzt Superkräfte, scherzte Salome Karwah im Time Magazine.

Die Pfleger im Krankenhaus wollten Karwah nicht anfassen

Doch auch ihre Superkräfte halfen ihr am Ende nichts. Letztendlich konnte Karwah den Folgen von Ebola nicht entkommen. Vor wenigen Tagen starb die 28-Jährige kurz nach der Geburt ihres vierten Kindes. Die Umstände ihres Todes sind bislang ungeklärt. Doch ihr Ehemann und ihre Schwester erheben schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus-Personal: Salome, die ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht hatte, sei nicht richtig behandelt worden, weil sie Ebola-Überlebende war.

Dem britischen Sender BBC sagte der Ehemann, dass seine Frau nach dem Kaiserschnitt entlassen worden sei, trotz hohen Blutdrucks. Zu Hause brach sie nach wenigen Stunden zusammen und bekam Krämpfe. Sofort seien er und Salomes Schwester mit ihr zum Krankenhaus zurückgefahren - dort hätten sich die Pfleger aber geweigert, sie anzufassen. "Sie sagten, sie sei eine Ebola-Überlebende", sagte Karwahs Schwester dem Time Magazine. "Sie wollten nicht in Kontakt kommen mit ihren Körperflüssigkeiten und hielten Abstand." Am nächsten Tag starb die junge Frau.

Die jüngsten Ebola-Tests der Frau waren negativ, sagt ihr Witwer

Wenn Salome Karwahs Familie recht hat, ist sie das bisher bekannteste Opfer des Stigmas, das den mehr als 11 000 Ebola-Überlebenden in Westafrika anhaftet. Betroffene berichteten schon früh, dass sie nach der Genesung nicht mehr in ihr Viertel zurückkehren durften, dass man ihre Häuser niedergebrannt hatte oder dass ihnen Jobs verweigert wurden. Die Angst vor dem Virus sitzt noch tief - zumal das Gesundheitssystem der betroffenen Länder heute schlechter funktioniert als zuvor, mehrere Hundert westafrikanische Ärzte und Pfleger starben durch das Virus. Und Forscher wissen noch wenig über die Langzeitfolgen einer Ebola-Infektion.

Bislang hat sich das Krankenhaus nicht zu den Vorwürfen von Karwahs Ehemann geäußert. Liberias Vize-Gesundheitsminister hat jedoch eine genaue Untersuchung des Vorfalls versprochen. Salome Karwah, so erzählt ihr Ehemann, habe das Virus aber ganz sicher nicht mehr im Blut gehabt. Die jüngsten Tests seien negativ gewesen.

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