E-Zigaretten Mit Dampf zur Abstinenz?

Dampfen wird populärer, ständig kommen neue Konsumenten und Anbieter hinzu.

(Foto: AFP)

Eine Milliarde Menschen könnten an den Folgen des Rauchens sterben, wenn nichts passiert, warnen Forscher. Einige setzen auf die E-Zigarette. Doch noch wird gestritten: Bieten die Sauger Hilfe beim Entzug oder sind sie eine neue Gefahr?

Von Christoph Behrens

"Mein 1. Monat ohne Tabak zu verbrennen geschafft - der erste seit 29 Jahren", jubelt tamtam21 in einem Internetforum. Ihm ist gelungen - oder zumindest hat er den ersten Schritt getan -, wovon zehn Millionen Deutsche träumen: mit dem Rauchen aufzuhören. Tamtam21 hat die Zigaretten entsorgt, nicht aber den Hang zum Nikotin. Eine "E-Zigarette" liefert ihm nun den Suchtstoff mehrmals täglich.

Statt Tabak zu verbrennen, verdampft eine nikotinhaltige Flüssigkeit in einer batteriebetriebenen Pfeife und strömt in seine Lungen - den Dampf findet er weitaus angenehmer als den Rauch von Zigaretten. So wie er berichten nicht wenige im "Forum über das elektronische Rauchen" von ihren Erfahrungen - viele benutzen die elektronischen Zigaretten, um vom Tabak wegzukommen. Doch ersetzen sie damit nicht lediglich eine Sucht durch eine andere?

"Eine Milliarde Menschen könnten im 21. Jahrhundert an den Folgen des Rauchens sterben, wenn nichts passiert", warnte Wilson Compton von den amerikanischen National Institutes of Health (NIH) auf der europäischen Wissenschaftskonferenz Esof in Kopenhagen. "Wir müssen dringend nach Alternativen suchen. Das ist eine Schlüsselfrage für die öffentlichen Gesundheitssysteme."

4000 Substanzen weniger als in herkömmlichen Zigaretten sind ein Argument der Befürworter

Ob die elektronische Zigarette diese Alternative sein könnte, ist selbst für Experten wie Compton schwer zu beantworten. Forschung über Langzeitrisiken gibt es noch nicht - erst seit 2007 sind Dampfzigaretten auf dem Markt. Fakt ist: Während beim Rauchen konventioneller Zigaretten 4000 verschiedene Stoffe in den Körper gelangen, atmen "Dampfer" nur Nikotin und Trägerstoffe wie Propylenglykol ein.

"Es ist der Rauch, der einen umbringt, nicht das Nikotin", ist Deborah Arnott überzeugt. Als Geschäftsführerin der Organisation "Action on Smoking and Health" ist die Britin nicht dafür bekannt, Risiken des Tabakkonsums zu verharmlosen, im Gegenteil: "Rauchen ist die größte vermeidbare Todesursache im Vereinigten Königreich", schreibt die Organisation; zahlreiche Auszeichnungen hat Arnott für ihre Aufklärungskampagnen erhalten. Für wesentlich hält die Aktivistin jedoch nicht, die Sucht an sich auszuradieren, sondern "von Tabak ausgehenden Schaden zu minimieren". Die E-Zigarette sei da ein klarer Fortschritt. "Diese Produkte können Rauchern helfen, aufzuhören", sagt Arnott.

Erste Studien deuten zumindest darauf hin, dass Dampfer ihren Zigarettenkonsum auf mittlere Sicht einschränken. Rund jeder zweite Teilnehmer einer italienischen Studie rauchte nach 24 Wochen E-Zigaretten-Konsums nur noch weniger als die Hälfte der üblichen Anzahl Zigaretten. Jeder fünfte Proband kam ganz ohne Kippen aus; die meisten aus dieser Gruppe behielten jedoch das Dampfen bei. Bemerkenswert: Alle Teilnehmer hatten vor der Studie gar nicht die Absicht, mit dem Qualmen aufzuhören.

Nebulöse Wirkungen

Etwa zwei Millionen Deutsche greifen zur E-Zigarette. Damit stellt sich eine ganze Reihe von Fragen: Ist die E-Zigarette gesünder als die herkömmliche, schädigt sie Umstehende und ist sie überhaupt legal? Ein Überblick über den Stand der Erkenntnisse. Berit Uhlmann mehr ...