Downsyndrom-Pränataldiagnostik Bis aufs Blut

Bald schneller als ein Schwangerschaftstest? Blutanalysen können Chromosomenfehler heute schon ab der 9. Woche aufdecken.

(Foto: Imago, Montage: SZ-Grafik)

Wieder gibt es Streit um einen vorgeburtlichen Test auf das Downsyndrom. Lohnt diese ethische Debatte noch? Sehr sogar - wenn sie nicht schwarz-weiß geführt wird.

Von Kathrin Zinkant

Die Natur kann sehr grausam sein. Gerade, wenn es um ungeborenes Leben geht. Und gerade, wenn es um Menschen geht. Drei von vier winzigen Embryos verwirft sie rücksichtslos. Beim Rest bestraft sie gern das Alter der Mutter. Mit Fehlern, die zu Behinderungen führen. Und über Jahrtausende hinweg konnten die Frauen nichts dagegen tun.

Dass sie es heute können, schafft allerdings neue Probleme. Seit zu Beginn des Jahres bekannt wurde, dass der sogenannte Praenatest zur frühen und risikofreien Diagnose des Downsyndroms bei Schwangeren womöglich eine Kassenleistung werden könnte, ist die Debatte um die ethischen Folgen wieder explodiert.

Der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA, der eigentlich schon im vergangenen Jahr beschlossen hatte, eine sogenannte Erprobungsstudie für den Test durchzuführen, stellte in einer Mitteilung klar, dass die Erstattung keine ausgemachte Sache sei. Im Bundestag wurde eine kleine Anfrage formuliert und mittlerweile auch von der Regierung beantwortet - ohne jedoch klar Stellung zu beziehen. Und auf Twitter rollte die Debatte zeitweise unter dem bezeichnenden Hashtag #werdarfleben. Kurzum: die Aufregung ist groß. Aber warum?

Test kann Ersttrimesterscreening ersetzen

Der Test als solcher ist nicht einmal mehr neu. Die simple genetische Analyse des Mutterbluts, die im Wesentlichen DNA-Stückchen im Blut zählt, kann ab der neunten bis zur zwölften Woche die Fruchtwasseruntersuchung ersetzen - welche erst in der 16. Woche einer Schwangerschaft erfolgt und das Risiko einer Fehlgeburt birgt.

Gerade hat eine große Studie an 15 841 Frauen gezeigt, dass der Test sehr sicher ist und theoretisch auch das Ersttrimesterscreening ersetzen könnte, das allen Frauen heute kostenpflichtig angeboten wird. Die Kombination aus Ultraschall und Blutuntersuchungen wird vor allem dazu genutzt, das Risiko für eine Trisomie 21 genauer einzuschätzen.

Der Praenatest hingegen liefert eine wirkliche Diagnose. Ob sich durch den Test ethische Abgründe öffnen, weil nun jeder Fall des Downsyndroms per Pieks einfach aussortiert wird, hat nicht zuletzt der Ethikrat vor Jahren durchdiskutiert. Der Test selbst ist seit 2012 erhältlich und wird im Einzelfall bereits von den Kassen bezahlt. Die Zahl dieser Fälle ist unbekannt.