Borreliose und FSME Zank um die Zecken
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Manchen sind Zecken so etwas wie die neuen Ratten: Überträger fürchterlicher Leiden. Andere halten die Furcht vor den Tieren für übertrieben. Wie gefährlich sind die Blutsauger wirklich? Wer sollte sich schützen? Und wie? Fragen und Antworten zu Zecken, Borreliose und FSME.
Da frieren die Bundesbürger bei winterlichen Temperaturen und werden aufgefordert, sich gegen den Erreger einer Krankheit zu schützen, die dem Namen nach im Sommer vorkommt: die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die im schlimmsten Fall zur Hirn- oder Hirnhautentzündung führen kann. Panikmache? Oder unverzichtbarer Kampf gegen ein weit verbreitetes Leiden? Fakten und Fiktionen über Zecken, Borreliose und FSME.
Eine Zecke sitzt auf einem Grashalm: Kommt ein Mensch vorbei, kann sie sich an seine Haut heften und Blut saugen.
(Foto: dpa)Hat die Zeckensaison schon begonnen?
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat bereits Mitte März die erste FSME-Infektion registriert. Dies ist nicht ungewöhnlich, Zecken sind von März bis November aktiv. Dennoch werden die meisten Menschen eher im Sommer gestochen, eben dann, wenn sie besonders oft leicht bekleidet im Freien unterwegs sind.
Dass dennoch jetzt zur Impfung geraten wird, liegt daran, dass die Immunisierung recht lange braucht, bis ihr Schutz eintritt. Die normale Impfung benötigt mindestens sechs Wochen, ehe sie zuverlässig wirkt. Insgesamt sind drei Spritzen nötig; sie schützen drei bis fünf Jahre lang. Daneben gibt es eine Schnellimpfung, aber selbst sie wirkt frühestens nach drei Wochen. Auch bei dieser Immunisierung werden insgesamt drei Spritzen gesetzt, ihre Wirkung hält allerdings nur ein bis eineinhalb Jahre an.
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Wer sollte sich impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen den Erreger der FSME für alle Menschen, die in einem ausgewiesenen Risikogebiet wohnen, arbeiten oder Urlaub machen und viel in der Natur unterwegs sind. Bei Kindern unter drei Jahren ist eine sorgfältige Risikoabwägung nötig, denn bei etwa 15 Prozent von ihnen tritt als Nebenwirkung der Impfung Fieber auf. Hinzu kommt, dass FSME-Erkrankungen bei Kindern in der Regel mild verlaufen.
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Einwohner von Risikogebieten. Als Risikogebiete sind Landkreise in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz klassifiziert worden. Eine Karte der Regionen gibt es am Ende dieses RKI-Dokuments.
Zecken übertragen allerdings auch die Borreliose (auch Lyme-Borreliose genannt) - und dies nicht nur in bestimmten Gebieten, sondern in ganz Deutschland. Gegen sie gibt es keine Impfung. In welchen Regionen Zecken besonders häufig die Borreliose übertragen, erfahren Sie hier.
Wo und wie greifen die Zecken an?
Ins Reich der Mythen gehört die Behauptung, die bluthungrigen Viecher stürzten sich von Bäumen auf Menschen. Die Spinnentiere sitzen vielmehr im hohen Gras oder Gebüsch und lassen sich mitschleifen, wenn Menschen oder Tiere vorbeikommen. Sie schlagen auch nicht sofort zu, sondern krabbeln oft erst stundenlang umher, ehe sie eine geeignete Einstichstelle gefunden haben. Dabei bevorzugen sie vor allem die Haut an Kopf, Ohren, Hals, Arm- und Kniebeugen.
Dort angekommen ritzen die Zecken mit ihren Mundwerkzeugen die Haut an, verankern sich mit ihrem Stechapparat in der Wunde und saugen sich mit Blut voll. Das hört sich schaurig an, tut aber nicht weh, denn die Tiere sondern beim Stechen ein Betäubungsmittel ab. Gestochene spüren daher allenfalls ein Jucken. Viele Menschen merken gar nichts; die Zecke kann tagelang, manchmal bis zu zwei Wochen an ihnen hängen, bis sie satt und prall abfällt. Experten sprechen übrigens nicht vom Zeckenbiss, sondern vom Zeckenstich.