Gute Geschäfte oder raus aus der Schusslinie? Lange hat Deutschland sich dagegen gesträubt, eine iranische Bank auf die schwarze Liste der EU zu setzen. Nun gibt Berlin dem internationalen Druck nach.
Wenn deutsche Politiker in den vergangenen Monaten mit ausländischen Verbündeten über Iran sprachen, mussten sie sich nicht selten harsche Kritik anhören: Die Europäisch-Iranische Handelsbank (EIHB) mit Sitz in Hamburg sei einer der letzten Zugänge zum europäischen Finanzsystem, der dem Regime in Teheran noch bleibe. Die Bank müsse endlich auf die Sanktionsliste der Europäischen Union, hieß es oft.
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Allen deutschen Wirtschaftsinteressen zum Trotz: Die Europäisch-Iranische Handelsbank (EIHB) soll nun doch auf die schwarze Liste kommen. (© REUTERS)
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Zuletzt sprach Israels Premier Benjamin Netanjahu am Donnerstag vergangener Woche "die Bank" an - beim Plausch mit Angela Merkel auf der Dachterrasse des Berliner Kanzleramts. Im Februar hatten elf US-Senatoren einen Brandbrief an Außenminister Guido Westerwelle geschrieben.
Nun soll Schluss sein. Die Bundesregierung wird nach Informationen der Süddeutschen Zeitung nicht verhindern, dass das Geldinstitut bei der anstehenden Überprüfung der Iran-Sanktionen der Europäischen Union auf der schwarzen Liste landet - und damit kaltgestellt wird. Eine entsprechende politische Entscheidung ist dem Vernehmen nach im Kreis der beteiligten Ressorts Wirtschaft, Finanzen und Auswärtiges bereits getroffen worden.
Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte offiziell nur, die Bank unterliege "strengsten Kontrollen". Sollten sich dabei "Hinweise auf sanktionsbewährtes Verhalten ergeben, würde das selbstverständlich Konsequenzen bei der laufenden Sanktionsüberprüfung haben". Unter der Hand heißt es vielsagend, wenn sich "die Hinweise weiter verdichten, dürften die Voraussetzungen für eine Listung bald vorliegen" - auch wenn das intern bereits beschlossene Sache ist.
Bis vor kurzem beharrte die Bundesregierung darauf, die Indizien, dass sich die Bank an Transaktionen zur Finanzierung des umstrittenen iranischen Atomprogramms oder anderer verbotener Rüstungsbestrebungen beteilige, reichten nicht aus. Man könne damit vor Gericht nicht bestehen, sollte die EIHB gegen ihre Listung klagen. Daran hielt Berlin auch noch fest, als das US-Finanzministerium die Bank vergangenen September auf seine schwarze Liste setzte - und sie beschuldigte, zwischen 2007 und 2009 "in mehreren Fällen" Zahlungen für Einkäufe des iranischen Raketenprogramms und für Firmen abgewickelt zu haben, die in die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen verstrickt seien.
Mittelstand profitiert von Bank
Berlin sah sich daraufhin zunehmend dem Vorwurf ausgesetzt, sich der Listung vor allem zu widersetzen, um deutsche Wirtschaftsinteressen in Iran zu wahren. Immerhin betrug der Export aus der Bundesrepublik nach Iran vergangenes Jahr trotz der verschärften Sanktionen noch gut 3,8 Milliarden Euro. Einen guten Teil des Geschäfts machten Mittelständler, die für Aufträge Zahlungsgarantien brauchen, wollen sie nicht ihre Existenz riskieren. Die EIHB aber ist eine der wenigen Banken, die solche Akkreditive aus Iran überhaupt noch einlösen.
Das Auswärtige Amt will nichts dazu sagen, worin die "sich häufenden Verdachtsmomente" auf illegale Geschäfte der 1971 von iranischen Kaufleuten gegründeten Bank bestehen, die im Besitz von vier iranischen Banken ist. Bei den für die Überwachung zuständigen Behörden weiß man von nichts. Es lägen "keine neuen Erkenntnisse" vor, teilt das Bundeskriminalamt mit. Auch anderen Sicherheitsbehörden oder der Bankenaufsicht liegt nichts vor, was nicht schon 2010 bekannt gewesen wäre - als Berlin sich noch sperrte, die Bank kaltzustellen.
Großbritannien erhöht Druck
Zwei Umstände dürften in Berlin den Sinneswandel befördert haben: So stellte Großbritannien dem Vernehmen nach in Brüssel den Antrag, die EIHB mit Sanktionen zu belegen. Mehr noch: Die Briten ließen wissen, sie hätten genügend Beweise, sollte die Bank vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. London könnte dem Verfahren auf Seiten des Europäischen Rates beitreten. Britische Gesandte präsentierten das Material dann im März in Berlin, und offenbar ließ man sich überzeugen. Zudem sandte das Auswärtige Amt einen hohen Beamten nach Washington, um Belastendes zu sichten. Für Berlin wäre es daher extrem schwierig geworden, an seiner Position festzuhalten.
Zum anderen war Deutschland in große Erklärungsnot geraten, als im Februar bekannt wurde, dass Indien eine Milliarden-Ölrechnung bei den Iranern über die EIHB zu begleichen gedachte - und als Zwischenstation die Bundesbank vorschaltete. Über diesen Umweg bot man den USA keine Angriffsfläche, die ausländische Unternehmen für Geschäfte mit der EIHB abstrafen können.
USA verärgert
Das US-Finanzministerium zeigte sich öffentlich "besorgt", die Formulierungen hinter verschlossenen Türen dürften klarer ausgefallen sein - zumal Washington darauf verweist, dass Iran Einnahmen aus dem Gas- und Ölgeschäft auch für seine verdächtigen Rüstungsprojekte abzweigt.
Kanzlerin Merkel musste ihren außenpolitischen Berater Christoph Heusgen nach Delhi schicken, um den Indern nahezubringen, dass man dieses Vorgehen beendet sehen will. Juristisch gab es nämlich laut der Regierung keine Handhabe, um den Deal zu stoppen, den Teheran schon im Januar den Indern angetragen hatte. Delhi ist dem Wunsch aus Berlin inzwischen nachgekommen, die Transaktion nicht über Deutschland abzuwickeln.
Doch hat die trickreiche Idee der Iraner in Berlin "endlich alle Alarmglocken schrillen lassen", wie ein ausländischer Diplomat mit Genugtuung sagt. Der Handlungsspielraum der Regierung dürfte durch die Inhaftierung zweier deutscher Reporter in Iran zeitweilig eingeschränkt gewesen sein. Das Auswärtige Amt bestreitet aber entschieden, dass die genehmigungspflichtige Überweisung als Gegenleistung für ihre Freilassung Ende Februar durchgewinkt wurde.
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(SZ vom 15.04.2011/ema/pak)
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"Wollen Sie das Volk dafür bestrafen, dass es eine unliebsame Regierung gewählt hat?"
Das ist schon im Ansatz falsch: das Volk hat zwar ein Stimmrecht, aber das, was ihm zur Wahl präsentiert hat ist schon vorgefiltert durch die eigentlichen Herrscher im Land: den islamischen Klerus!
Es ist so, als habe man hier bei uns die Wahl zwischen CSU, CDU und Partei bibeltreuer Christen und die Kandidaten wie auch alle Gesetze müssten erst von der deutschen Bischofskonferenz bestätigt werden.
Das Regime im Iran ist zwar aus einem legitimen, durch die Bevölkerung getragenen Aufstand entstanden, hat aber unmittelbar im Anschluss an die Revolution gegen den Despoten einen eigenen Despotismus erschaffen - mit allem, was dazu gehört.
Hierzu empfehle ich die Seiten von diversen humanitären Organisationen. Eine "Frau" wurde wegen "Untreue" ins Gefängnis geworfen. Ihr Tatbestand, als 11Jährige wurde sie für Geld durch ihre Eltern verheiratet - mit einem älteren Mann. Vor dem ist sie weggelaufen und sucht Unterschlupf bei einem Verwandten (!), mit dem sie angeblich "untreu" gewesen sei.
Ihr Aussage wurde gar nicht aufgenommen, man entschied nach den Gepflogenheiten, die der Islam seit seiner Gründungszeit als militaristisch-religiöse Expansionsideologie im 1. Jahrtausend mit sich herum schleppt!
Es gibt sicherlich auch einen modernen Islam oder einen solchen, der ähnlich friedlich gelebt wird, wie das heutige Christentum - übrigens die meistverfolgte Religion weltweit!
Allerdings wird man diesen nicht im Iran finden, da er dort tatsächlich von den "Glaubensbrüdern" verfolgt wird.
Wer einmal in Teheran gewesen ist, wird schnell merken, dass es bestimmte Orte und Kreise gibt, in denen man seine Meinung laut sagen kann und ansonsten lieber "die Goschen hält".
Was soll das heißen, ein ganzes Land zu sanktionieren? Machen Sie sich mal Gedanken darüber, was das für die iranische Bevölkerung bedeutet? Schauen Sie mal zurück in den Irak zu Saddams Zeiten und erinnern Sie sich, was die Sanktionen dort angerichtet.haben? Wollen Sie das Volk dafür bestrafen, dass es eine unliebsame Regierung gewählt hat? Es ist eine Tatsache, dass die Iraner hinter ihrem Atomprogramm stehen, das ihnen völkerrechtlich zusteht. Das sehen übrigens auch die Oppositionellen in Iran so.
Iran lebt seit über dreißig Jahren mit Sanktionen und es ist bewunderswert, was seine Bürger trotz allem leisten. Ein funktionierende Infrastruktur will aber auch bezahlt werden und da ist das Atomprogramm sicher ein minderer Bestandteil im Budget. Das Land bezieht seine Einnahmen vorwiegend aus dem Öl - andere Länder brauchen es, was soll also schlecht daran sein, wenn sie es verkaufen können.
P.S: "irananders" ist die einzige Seite die ich kenne, die Iran nicht nur schwarz-weiß
sieht (vielleicht besser schwarz-grün), sondern eine Bandbreite von Informationen zusammenträgt, darunter auch eine Menge aus kritischen politischen Kreisen - wer sonst bereitet die für uns auf?
Klar, dass die das anders sehen.
Gegen dieses Land (und andere auch) müsste Deutschland eigentlich ein komplettes Embargo verhängen!
Dazu gibt auch der demokratische Staat das Recht und sogar die Pflicht her. Die Lieferungen von Siemens-Technik an das Atomprogramm ist auch nicht zu vertreten.
Die Sache ist an sich ganz einfach. Eine deutsch-iranische Bank führt im Rahmen der deutschen, europäischen und iranischen Gesetzte legale Geschäfte durch. Bestimmte Gruppen haben etwas dagegen, weil friedliche Geschäfte ihren politischen Zielen im Wege stehen und berufen sich angeblich dabei auf "Menschenrechte" und "Atomprogramm". Was dabei herauskommt: Die Bundesrepublik Deutschland wird genötigt seien eigenen Rechtsstaat, der legale Geschäfte schützt, zu umgehen und sich US-amerikanisches Recht aufzwängen zu lassen. Souveränität adé, Wandel durch Hanel adé, Internationale Verständigung adé.
Ein sehr interessanter Artikel dazu ist auch "Der vermeintliche Eklat": http://tinyurl.com/vermeintlicherEklat