Weniger Geld als Hartz-IV-Empfänger Hohe Mieten drängen Familien in die Armut

Schlechter gestellt als mit Hartz IV: Viele einkommensschwache Familien haben nach Abzug der Miete weniger Geld als Haushalte, die eine staatliche Grundsicherung beziehen. In manchen Städten bleiben Familien mit zwei Kindern nur 666 Euro im Monat.

Die hohen Mieten lassen das Armutsrisiko in vielen deutschen Städten steigen: Auch Familien, die kein Hartz IV beziehen, leben dadurch immer öfter in Armut - das zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Einkommensschwache Haushalte haben demnach in 60 von 100 der größten Städte der Bundesrepublik weniger Geld zur Verfügung als Familien, die die Grundsicherung vom Staat erhalten.

In der Studie hat die Stiftung berechnet, was eine einkommensschwache vierköpfige Familie monatlich ausgeben kann, nachdem sie die Miete gezahlt hat. Als "Einkommensschwach" gelten in der Studie Haushalte, die weniger als 60 Prozent des ortsüblichen mittleren Einkommens verdienen. In Jena zeigt sich der Unterschied besonders drastisch: Hier hat eine Familie mit zwei Kindern nach Abzug der Wohnkosten monatlich 666 Euro zur Verfügung und liegt damit 43 Prozent unter dem Hartz-IV-Satz für eine vergleichbare Familie. Dieser beträgt bundesweit 1169 Euro. Auch in Städten wie Frankfurt am Main und Freiburg liegt das Einkommen ohne Miete im Durchschnitt 37 und 33 Prozent unter dem von Hartz-IV-Haushalten. In Freiburg sind es 26 Prozent.

Doch der Trend zeigt sich nicht ausnahmslos in allen Städten: An Orten, wo der Wohnungsmarkt sehr viel weniger angespannt ist, haben Familien mehr als den Hartz-IV-Satz zur Verfügung. In Heilbronn sind es mit 1941 Euro zum Beispiel 66 Prozent mehr.

Der Anteil des Einkommens, der für Mietzahlungen verwendet wird, variiert innerhalb der Bundesrepublik stark. In München und Frankfurt geben einkommensschwache Familien durchschnittlich mindestens jeden zweiten Euro fürs Zuhause aus, Haushalte in Städten wie Iserlohn oder Witten haben nach Begleichung der Miete immer noch ganze 80 Prozent des Einkommens zur Verfügung.

Familien, die maximal 30 Prozent ihres ohnehin schon geringen Verdiensts für eine Wohnung ausgeben wollen, haben es in vielen Städten laut der Bertelsmann-Studie besonders schwer. In bekannt teuren Städten wie München und Frankfurt am Main aber auch in Jena, Freiburg oder Offenbach kommt für sie nur jedes hundertste Angebot in Frage.