Verbraucher Deutsche Verbraucher sind zu träge

Die Banken erheben immer häufiger Gebühren. Trotzdem bleiben die Kunden ihnen treu.

(Foto: dpa)

Das Konto kostet Gebühren, der Strom wird teurer - und trotzdem wechseln nur wenige Menschen ihre Anbieter. Davon profitieren nur die Unternehmen.

Kommentar von Felicitas Wilke

Jetzt ist nicht mal mehr das Bargeld umsonst. In diesen Tagen regen sich die Kunden zahlreicher Sparkassen und Volksbanken darüber auf, dass sie eine Gebühr zahlen müssen, wenn sie am Automaten ihrer Bank ihr Geld ziehen möchten. Die Institute verlangen plötzlich Gebühren für etwas, das lange umsonst war - und haben diesen Schritt noch dazu schlecht kommuniziert. Doch wer als Verbraucher bloß schimpft, aber nicht handelt und nicht den Anbieter wechselt, bewegt wenig.

Seit einem Jahr steigen für Bankkunden die Kosten. Eine Sparkasse nach der anderen hat die Gebühren für das Girokonto erhöht. Die Postbank und die Hypo-Vereinsbank haben das kostenlose Konto weitgehend abgeschafft und lassen sich Einzelposten wie Überweisungen extra bezahlen. Ein Girokonto kann schnell mal 100 Euro im Jahr kosten. Zwar machten nicht alle Verbraucher die jüngsten Preiserhöhungen mit, sondern kündigten ihr Konto und wechselten zu günstigeren Direktbanken. Doch die ganz große Kündigungswelle blieb aus. Spricht man Bankvertreter darauf an, wirken sie entspannt: Alles halb so schlimm. Die Postbank nannte sogar Zahlen: Mehr als 95 Prozent der Kunden sind ihr treu geblieben, obwohl es günstigere Alternativen gibt.

Nie war es so einfach, ein mündiger Kunde zu sein

Wenn es um ihren Sommerurlaub geht, vergleichen die meisten Kunden gern die Preise zwischen Mallorca und Mauritius. Bei weit weniger emotionalen Bankprodukten hingegen bleiben viele behäbig und verdrängen, dass sie dies Monat für Monat Geld kostet. Damit schaden sie sich selbst. Denn in Zeiten, in denen Erspartes kaum verzinst wird und die Inflation steigt, lässt jede einzelne Gebühr die Rendite schrumpfen.

Die deutschen Verbraucher sind aber nicht nur träge, wenn es um ihr Konto geht, sondern auch bei der Wahl des Energieanbieters. Das Geschäft mit dem Strom wurde 1998 liberalisiert, seitdem dürfen sich Verbraucher ihren Versorger aussuchen. Trotzdem bezieht noch immer ein Drittel der Haushalte den Strom aus der Grundversorgung, dem mit Abstand teuersten Preismodell. Selbst wenn die Menschen mit ihrem Versorger vor Ort zufrieden sind, könnten sie beim gleichen Anbieter in deutlich günstigere Tarife wechseln und im besten Fall ein paar Hundert Euro pro Jahr sparen.

Und auch der Kunde, der die heimische Sparkasse wegen der kompetenten Kundenberaterin nicht verlassen will, kann oft in ein Kontomodell wechseln, das besser zum eigenen Nutzungsverhalten passt.

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Es war noch nie so einfach, ein mündiger und aktiver Kunde zu sein. Die Unternehmen legen ihre Preis- und Leistungsverzeichnisse offen, auf Vergleichsportalen im Internet können die Verbraucher schnell und relativ einfach alternative Angebote prüfen. Auch Online-Ratgeber und Blogs geben einen Überblick über lokale und überregionale Anbieter, konventionelle Unternehmen und nachhaltige Banken oder Öko-Stromversorger. Einige Vergleichsportale und Start-ups schlagen denen, die nicht selbst vergleichen möchten, sogar schon automatisch günstigere Angebote vor und übernehmen die Formalitäten des Wechsels. Ein Konzept, das bei bislang wechselunwilligen Kunden gut ankommen könnte. Doch eine optimale Lösung ist dies nicht. Denn die Verbraucher müssen für diesen Service bezahlen: entweder mit Geld oder mit ihren Daten.

Es braucht Konsumenten, die Druck auf die Unternehmen ausüben

Tatsächlich hat der Staat schon im Herbst neue Regeln geschaffen, damit Bankkunden auch ohne fremde Hilfe leichter wechseln können. Seitdem müssen nicht mehr sie selbst, sondern die neue Bank dem Arbeitgeber oder dem Verein die neue Konto-Verbindung mitteilen.

Es gibt keine Ausreden. Wer nicht vergleicht, geschweige denn wechselt, aber trotzdem schimpft, entzieht sich den Mechanismen eines funktionierenden Marktes. Solch ein Markt braucht Konsumenten, die Druck auf die Unternehmen ausüben, wenn ihnen deren Preispolitik nicht passt. Das klappt am besten, indem man sich nach passenden Alternativen umsieht und den Anbieter wechselt. Wenn die Mehrzahl der Kunden aus überhöhten Preise keine Konsequenzen zieht, werden die Unternehmen weiterhin die Grenzen nach oben ausloten - und beispielsweise mit Tagesgeldkonten werben, die mit Nullkommanull Prozent verzinst sind, so es wie gerade eine Sparkasse aus Bayern gemacht hat. Man kann das dreist nennen. Doch aus Sicht der Unternehmen ist es nachvollziehbar, mit der Lethargie der Kunden zu kalkulieren. Schließlich müssen sie betriebswirtschaftlich denken. Es gibt nur eine Lösung: Die Verbraucher müssen sich mehr darum kümmern, was mit ihrem hart erarbeiteten Geld passieren soll. Nicht nur, wenn es um den Urlaub geht.

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