Die Europäische Zentralbank hat keine Wahl: Sie muss sich zu einer Umschuldung Athens durchringen, um das ganze große Friedensprojekt des Euro nicht zu gefährden.
Eine unabhängige Notenbank ist Gold wert. Erstens buchstäblich, weil sie Edelmetall im Wert von vielen Milliarden Euro als Reserve hält. Und zweitens im übertragenen Sinn, weil die Notenbank der Garant für eine funktionsfähige Wirtschaft ist. Die Deutschen wissen das aus der guten alten Zeit der D-Mark-Bundesbank zu schätzen, und sie erhoffen sich Gleiches von der Europäischen Zentralbank (EZB), die nach diesem Vorbild geschmiedet worden war.
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Griechische Demonstranten protestieren mit Töpfen und Pfannen in Athen gegen die Sparpläne der Regierung: Viel Zeit ist nicht mehr. (© dpa)
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Die Notenbank steht für das Wohl aller. Unbestechlich, überparteilich, uneitel. Politik dagegen ist stimmen- und stimmungsabhängig. Politiker stehen zur Wiederwahl, und sie müssen Koalitionen bilden. Hier die verführbare und verführende Politik, dort die unabhängige Notenbank - das hat lange Zeit gut funktioniert, auch in den ersten Jahren des Euro.
In der Euro-Krise aber wankt die EZB. Sie hat Staatsanleihen der hoch verschuldeten Länder gekauft und damit ihre Unabhängigkeit beschädigt; sie ist Partei geworden. Wenn es darum geht, Schuldnern weh zu tun, um das große Ganze zu retten, haben die Notenbanker angesichts der eigenen Bestände den Kopf nicht mehr frei.
Der Anleihen-Kauf ist viel kritisiert worden, der Bundesbank-Präsident Axel Weber hat darüber seine Karriere weggeworfen. Sein Nachfolger, der junge Jens Weidmann, zuvor Abteilungsleiter bei Kanzlerin Angela Merkel, stand von Anfang an unter Beobachtung, ob er sich in die Tradition der unabhängigen, stabilitätsorientierten Bundesbanker einreihen kann.
Weidmanns erste Schritte im neuen Amt lassen noch kein endgültiges Urteil zu. Er kündigt zwar einen Ausstieg aus dem Staatsanleihen-Programm an, rechtfertigt es aber historisch. Er verteidigt die gewaltigen Kreditvergaben auch der Bundesbank an die kritischen Staaten, bemüht sich aber hinter den Kulissen zugleich um die Euro-Kritiker, die die Bundesbank genau dafür kritisieren.
Selbst beim Thema "Umschuldung von Griechenland" kann man bei Weidmann Zwischentöne heraushören. Das ist immerhin mehr als bei Kollegen, die sich beinahe panisch gegen jede Bankrott-Überlegung stemmen und die Krise mit immer mehr Geld unter Kontrolle halten wollen. Auch nach der Lehman-Pleite wurde argumentiert, dass man keine (weitere) Bank pleite gehen lassen könne; man wird nie erfahren, ob das voreilig war.
So oder so ist die Lage heute eine andere, es gibt viele Erfahrungen und neue Regeln. Vor allem gibt es Notwendigkeiten, die man nicht mit dem Hinweis: "Das ist Sache der Regierungen" wegdiskutieren kann. Wer immer noch behauptet, dass Griechenland sich durch Sparen, Verkaufen und Umstrukturieren retten kann, macht sich unglaubwürdig. Die Griechen können guten Willen zeigen, aber sie werden niemals allein aus der Verschuldensspirale herauskommen. Deshalb werden Gläubiger auf Geld verzichten müssen.
Die Umschuldung braucht es auch aus Gründen der Akzeptanz. Die Politik kann nicht auf Dauer gegen das Volk regieren. Die Bürger, die als Steuerzahler für die öffentlichen Risiken haften, fordern die Beteiligung der privaten Gläubiger, der Banken und Investoren. Politiker nehmen das wahr und verändern langsam ihre Position. Die EZB aber hält knallhart dagegen, ohne Rücksicht auf Verluste. Das ist ein schwerer Fehler.
Die Notenbank ist unabhängig, aber sie muss auch realistisch sein. Sie hat bisher fast alle Kämpfe gegen die Politik gewonnen, und das war gut so. Jetzt muss sie den Kampf gegen sich selbst gewinnen. Die Umschuldung Griechenlands muss kommen, und damit sie einigermaßen sanft wird und beherrschbar, hat die EZB die Führung zu übernehmen, dringend. Wenn die Notenbanker sich dem verweigern, vielleicht sogar mit Blick auf die offenen Forderungen in ihrer eigenen Bilanz, gefährden sie das ganze große Friedensprojekt des Euro. Viel Zeit ist nicht mehr.
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(SZ vom 27.05.2011/pak)
Debatte über Urheberrecht
Sorry, solche Begrifflichkeiten erinnern doch stark an das Vokabular jenseits des eisernen Vorhangs vor 30 Jahren...
Der Euro ist kein "Friedensprojekt", sondern ein Spaltpilz. Ressentiments in Europa sind erstmals seit dem zweiten Weltkrieg wieder am Steigen.
Deutsche lästern über "faule Südländer", Griechen verbrennen Deutsche Flaggen und Iren singen deutschfeindliche Lieder.
Und der Deutsche Michel fühlt sich von allen Verar**t, denn von seiner "Lohnzurückhaltung" der letzten Jahre hat er gar nichts. Damit haben sich die global agierenden Exportkonzerne Vorteile verschafft, aber davon kommt nichts an beim Volk. Und nun darf der Michel noch die Zeche bezahlen, diie durch die EU_Bailouts zustande kommt.
So wir keine Völkerfreundschaft gefördert!
Dabei war es doch alles auf einem guten Wege nach dem Krieg. Nach und nach verblassten die Feindbilder, man fuhr gern in den Urlaub, machte Schüleraustausch und Au Pair. Es machte uns auch nichts aus, Geld zu tauschen, im Gegenteil, ich fand das immer spannend.
Es brauchte keinen "Euro" um Frieden herzustellen. Das ist reine Eliten-Ideologie.
Das ist wieder so einer der 'friedensstiftenden' Einflüsse von Banken und Versicherungen.
Alfred Nobel hatte wohl recht,wenn er den Wirtschaftswissenschaften die wissenschaftliche Grundlage absprach und er gezielt für dieses Fach eben keinen Stiftungspreis auslobte.
Der Euro ist ein Friedensprojekt und die EZB Herr über Krieg und Frieden?
Zunächst einmal sind nicht alle Nationalbanken nach dem Vorbild der Bundesbank ausgelegt. Und deshalb dürfen auch Zweifel daran bestehen, dass sämtliche EU-Regierungen in der EZB einen Hort der Unabhängigkeit sehen.
Und gerade die Regelungen zur Schuldenobergrenze sind alles andere als friedensstiftend. Jeder technisch Gebildete weiß, dass ein stabiler Regelkreis nur dann entsteht, wenn einer Störgröße eine entsprechende Korrekturgröße entgegengesetzt wird. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Regelkreis ). Nebenbei bemerkt bedarf es sogar einer kleinen Störgröße, um einen Regelkreis stabil zu halten.
Die 'friedensstiftenden' Regelungen der EZB und die ebenso dummen Regelungen im mit der 2/3-Mehrheit von CDU/CSU, FDP und SPD geänderten grundgesetzlichen Bestimmungen sehen so aus:
Reißt jemand die Schulden-Obergrenze, also muss zu viel für Zinsen etc. aufwenden, dann kommen auf diese Schulden weitere Schulden in Form von Strafzinsen oder Leistungseinschränkungen hinzu. Das heißt, der Staat soll dann dadurch gesunden, dass er weniger leistungsfähig wird. Das wiederum bedeutet, dass er weniger Einnahmen generieren kann, wodurch er wiederum schneller an die Schuldengrenze stößt. In der Technik würde man das als Resonanzkatastrophe bezeichnen. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Resonanzkatastrophe ) Der Termin für die bundesdeutsche Katastrophe ist ist dank Steinbrück et al. für 2016 ins Grundgesetz aufgenommen worden. Nostradamus wird sich im Grabe umdrehen, dass er eine so sichere Vorhersage ausgelassen hat.
Und in der Tat führen deshalb diese Schwachsinns-Regelungen bei jedem, wirklich bei jedem Störfall in eine Katastrophe . Nur ideologisch verblendete bildungsferne Neoliberale und vagabundierendes, ungedecktes Kapital können ein solches System als Heilsbringer ansehen.
Für alle anderen gilt: Ein System, das außer Tritt gekommen ist, kann nur dadurch gestützt werden, dass man eine umgekehrt gerichtete Regelgröße einspeist. Also, sind die Schulden zu groß, muss Geld zugeführt werden, ist zu viel Geld im Umlauf, muss dieses abgeschöpft werden. Deshalb müsste das vagabundierende, durch keine Sachwerte gedeckte Umlaufkapital, das das zwanzigfache der globalen Realwerte erreicht haben soll, aus dem Markt genommen werden. Und nicht ein alter Grieche bis zu achtzigsten Lebensjahr in Olivenhainen malochen, statt Rente zu beziehen. Das ist
- Ohne Umschuldung:
unmöglich dass sich Griechenland "berappelt"
- Mit Umschuldung:
da habe ich noch nirgends Zahlen gesehen die belegen, dass Griechenland auch dann überhaupt ohne Transferleistungen und mit unveränderter Steuer-Moral überleben kann
Aber bei den EU- und BRD-Voodoo-Politikern zählt der Wunsch mehr als die Realität.
Unsere Politiker haben nur an die Banken gedacht und nicht an Griechenland
und Ihre Bürger, zur Zeit werden nur den Banken geholfen und nicht
Griechenland.
Paging