Was wollten die Banken nicht alles ändern: sicherer werden, verlässlicher arbeiten und den blinden Investments abschwören. Doch der neue Milliarden-Skandal bei der Schweizer UBS beweist, dass den Ankündigungen der Geldhäuser nicht zu trauen ist.
Vor gut drei Jahren flog auf, dass ein Händler einer französischen Großbank fünf Milliarden Euro verspekuliert hatte. Wahnsinn, dachten Menschen in aller Welt, was für eine Summe. Banken in aller Welt beeilten sich zu betonen, dass der Fall des Händlers Jerôme Kerviel bei ihnen nicht vorkommen könne - oder sie jedenfalls die Kontrollmechanismen so ändern würden, dass er nicht mehr vorkommen kann. Und jetzt? Meldet die Schweizer Großbank, dass ein Händler etwa 1,5 Milliarden Euro verzockt hat. Angeblich an allen Kontrollen vorbei.
Video
UBS Skandal – Händler verzockt MIlliarden (© Reuters)
Anzeige
Es lohnt sich, einen Moment innezuhalten und die Summe mit neun Nullen zu betrachten, um die es hier geht. Der Verlust wird nicht nur einen guten Teil des UBS-Jahresgewinns aufzehren. Wenn der deutsche Staat diesen Betrag zur Verfügung hätte, könnte er damit 28 000 neue Lehrer finanzieren - oder jeden dritten Lehrer in Bayern. Das zeigt: Geldhäuser auf dem ganzen Globus jonglieren inzwischen mit apokalyptischen Summen, die der Lebenswelt der meisten Menschen völlig enteilt sind. Die Menschen fühlen sich Finanzmärkten ausgeliefert, deren Mechanismen sie nicht verstehen - und kaum verstehen können. Das gilt nicht nur für normale Bürger. Im Prozess gegen Jerôme Kerviel benötigte das Gericht eine geschlagene Woche alleine dafür, die Grundbegriffe der Aktienhandeleien des Angeklagten ansatzweise zu durchdringen.
Der neue Fall UBS beweist, dass den Ankündigungen der Banken nicht zu trauen ist. Offenbar ist das Risikomanagement zumindest dieses Geldhauses trotz Handelsskandalen und Finanzkrise schlecht geblieben. Dabei ist die Schweizer Großbank keine dubiose Klitsche, sondern galt einst als Symbol der Solidität. Bis sie in der Finanzkrise fast pleite ging und vom Steuerzahler gerettet wurde. Man könnte denken, dass eine Bank nach einer solchen Grenzerfahrung für ausreichende Kontrollen sorgen würde. Hat sie aber nicht. Dass der Milliardenverlust ausgerechnet im Investmentbanking auftaucht, auf das die Bank traditionell setzt, spricht für sich.
Trotz aller Beteuerungen der Geldmanager gelten wohl noch die Grundsätze von eh und je: Solange ein Händler Gewinne macht, schauen die Vorgesetzten lieber nicht so genau hin. Wer wird denn den Star belästigen, der die Boni der ganzen Abteilung hochtreibt? Gewinn schlägt Gewissen. Oder in der wohlwollenden Variante: Gewinn schlägt Kontrollwunsch.
Die UBS sagt zu dem aktuellen Fall so wenig, dass sie den Imageschaden wegen der Affäre durch einen Imageschaden wegen Informationsverweigerung verdoppelt. Auffällig ist, wie sehr die Bank betont, es handle sich um "nicht genehmigte" Geschäfte ihres mittlerweile inhaftierten Mitarbeiters. Das soll wohl heißen, der Mann habe auf eigene Faust gehandelt, ohne dass jemand davon etwas wissen konnte. Das stimmt entweder nicht - oder das Kontrollsystem der Bank ist peinlich lückenhaft.
Nach der größten Finanzkrise seit acht Dekaden gelobten die Politiker des Westens, die Gefahren durch unkontrollierte Bankgeschäfte einzudämmen. Passiert ist manches, aber zu wenig. Ironisch genug, dass UBS-Chef Oswald Grübel kritisiert hat, ihm würden durch zu scharfe Gesetze zu viele Steine in den Weg gelegt. Ironisch auch, dass sich das Schweizer Parlament ausgerechnet am Donnerstag laut Tagesordnung mit dem Problem zu großer Banken (wie der UBS) beschäftigte, die Volkswirtschaften zum Kippen bringen können. Nein, nach der Finanzkrise sind die Gesetze für die Banken nicht zu scharf, sondern offensichtlich noch zu lax.
- Spekulationsskandale Gezockt, verspielt, verurteilt 15.09.2011
- Zwei Milliarden Dollar verzockt Polizei nimmt Händler der Schweizer Großbank UBS fest 15.09.2011
- Skandal um verzockte Bank-Milliarden Meine Bank, ihr Verlust und ich 19.09.2011
- UBS-Chef Oswald Grübel Drama - und kein Ende 18.09.2011
- Skandal um verzockte Milliarden Finanzaufsicht knöpft sich UBS vor 17.09.2011
- Verhafteter UBS-Händler Kweku Adoboli Die Party ist vorbei 16.09.2011
- Händler-Skandal bei der UBS Und keiner hat's gemerkt 16.09.2011
(SZ vom 16.09.2011)
Christopher Lee zum 90.
Richtig, aber was hat das mit der Situation heutzutage zu tun?
NICHTS mehr!
Das war einmal, heute wird dort nur noch Luftgeld verschoben und z.B. mit Grundnahrungsmittelzockereien gnadenlos die ausgebeutet, die eh nichts haben.
"Richtig: nur sollten die nicht in Therapie, sondern in den Knast kommen. Wissen schon, wo das Geld bei Gewinnen hinwandert und wer es bei Verlusten zahlen muß."
Da muss ich widersprechen, denn in den Knast kommt nur, wer gegen ein Gesetz verstößt und das muss klar geregelt sein - jedenfalls solange die Linke nicht mitregiert.
Beschränkt man sich auf die Fakten, muss man sehen, dass Spielsuch eine Krankheit ist und die Gesetzeslage im Moment gefährlich ist, da hier Süchtigen das Volumen unserer Realwirtschaft anvertraut wird!
Einen Junkie würde ich nicht mal als Gärtner oder Putzfrau einstellen, weil ich ja wüsste, dass er um des Zockens Willen klauen würde.
Wie um Himmels Willen kann man dann die Wirtschaft ganzer Staaten und Staatenbünde in deren Hand legen?
"Und seit Jahren sieht es so aus, daß es nur noch Zock-Banker gibt,"
Ja, so kann es aussehen. Je mehr links man steht, desto mehr. :) Es gibt natürlich viele davon, aber es gibt auch durchaus viele seriöse Banker.
Problem ist die fließende Grenze zwischen seriöser Anlagestrategie und Zockerei.
"wobei ich diese Unterscheidung für nicht treffend halte, da alle Banker per se "Zocker" sein müssen und es auch sind und sein wollen"
Das ist jetzt blanker Unsinn.
Jeder seriöse Banker wird Ihnen zum Risiko sagen, dass Sie nicht erwarten können, 30% Rendite zu bekommen und dabei kein Risiko einzugehen.
Tatsächlich sagen mir alle Banker, die ich kenne und für seriös halte, dass solche Gewinne zwar drin sind, ich mein Geld aber dann auch genausogut in den einarmigen Banditen stecken oder auf den Roulettetisch werfen kann!
Es steckt in der Psyche mancher Menschen, die Aussichten auf einen unverhältnismäßigen Gewinn unter Einsatz eines selbst ausgedachten "Systems" als Kick zu empfinden und den immer mehr zu brauchen!
Das ist so am Spieltisch und auch an der Börse.
Im Unterschied zum Spieltisch gibt es an der Börse aber auch Menschen, die Kapital für ihr Unternehmen mit einer guten Idee suchen und andere, die sich redlich Kapital verdient haben und es gegen Wertverlust schützen wollen oder damit guten Ideen eine Chance geben möchten.
Hierfür - und vor allem hierfür - ist die Börse gemacht worden!
Schon ein kurzer Blick in die Wikipedia hätte diese Überschrift (wahrscheinlich) verhindert.
"Ohne eine ethische Orientierung bleibt das Gewissen "leer"; "ohne Verantwortung ist das Gewissen blind".
Von nix kommt nix.
dennoch, davon ganz abgesehen, denn das Differenzieren ist offenbar bei Artikeln ohnehin nicht mehr erste Journalistenpflicht, haben Sie einmal überlegt, ob das was Sie als "wahr" diskutieren und unterstellen, wahr ist?
Weiterhin davon abgesehen, dass ich den Abgang der UBS für recht pläsierlich hielte, gebe ich Ihnen mal ein Stichwort - ein kleines Alternativrätsel ... SNB CHF ... - ... klingelt es bei Ihnen?
Sollte meine Vermutung richtig liegen, so wünsche ich Bundesbern einen weiten Horizont für - UBS.
Gewissen? Welches Gewissen?
Paging