Studie zu Energiepreisen Teure Treue der Stromkunden

Vor allem Kunden in der Grundversorgung haben in den vergangenen gut sieben Jahren oft heftige Preisaufschläge hinnehmen müssen.

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  • Erstmals seit Jahren haben die Endkunden eine Chance auf billigeren Strom - oft aber nur, wenn sie ihren Tarif oder gleich den Versorger wechseln.
  • Denn nur etwa ein Drittel der Energieunternehmen gibt die Preisvorteile zumindest teilweise an die Kunden weiter. Für viele Haushalte ist die Entlastung daher minimal, oft wird es trotz geringerer Kosten für die Konzerne sogar teurer.
  • Eine neue Studie zeigt nun, dass besonders Kunden in der Grundversorgung in den vergangenen Jahren deutlich höhere Preisaufschläge zahlen mussten als Verbraucher mit Spezial-Tarifen.
Von Markus Balser, Berlin

So etwas haben viele Deutsche seit mehr als einem Jahrzehnt nicht erlebt: Höflich teilte Ende des Jahres etwa der Frankfurter Energieversorger Süwag seinen Kunden mit, sie müssten künftig weniger für Energie bezahlen. Gut 17 Euro könnte ein Durchschnittshaushalt künftig sparen. 14 Jahre waren die Energiekosten in Deutschland zuvor ständig gestiegen. Seit Jahresende bewegen sich die Tarife erstmals bei einer größeren Zahl von Versorgern wieder nach unten.

Politiker und Verbraucherschützer fordern sinkende Strompreise. Denn die Großhandelspreise, zu denen die Energieversorger ihren Strom kaufen, fallen seit Jahren und befinden sich auf dem niedrigsten Stand seit 2005. Nochmals erhöht hat sich der Druck auf die Konzerne, seit im Herbst klar wurde, dass in diesem Jahr die Ökostromumlage erstmals leicht sinkt. Ihre Preiserhöhungen hatten die Versorger bislang gerne mit höheren Kosten bei dieser und anderen Abgaben begründet. Doch nicht einmal die Hälfte der Versorger denkt daran, die Kunden zu entlasten. Deutschen Vergleichsportalen zufolge senkt nur etwa jeder dritte Grundversorger seine Strompreise. Etwa 350 der rund 840 Anbieter haben für Januar 2015 Preissenkungen von im Schnitt 2,4 Prozent angekündigt. Bei einer vierköpfigen Familie entspricht das 30 bis 35 Euro Ersparnis im Jahr. Gleichzeitig hätten 141 Versorger ihre Preise um im Schnitt 3,8 Prozent angehoben, erklärt Verivox. Übrig bleibt eine Mini-Entlastung. Für einen hiesigen Durchschnittshaushalt dürfte der Strom gerade mal um 0,4 Prozent günstiger werden. Ersparnis: Höchstens fünf Euro pro Jahr.

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Starke Preisaufschläge im Grundtarif

Das Reaktionstempo der Branche bei Preissenkungen hält bei weitem nicht Schritt mit dem Aktionismus der Unternehmen bei Preiserhöhungen. Eine neue Untersuchung machte am Montag klar: Besonders kräftig langten die Energieversorger zuletzt bei jenen Kunden zu, die ihren Strom in der gesetzlichen Grundversorgung beziehen, jenem Standard-Tarif also, in den Stromkunden automatisch eingestuft werden, wenn sie sich nicht aktiv für den Wechsel in einen anderen entscheiden. Der durchschnittliche Strompreis in Deutschland liegt der Analyse von Check 24 zufolge 43 Prozent höher als Mitte 2007. Ein Vier-Personen-Haushalt müsse heute im Schnitt rund 424 Euro mehr für Strom bezahlen als vor siebeneinhalb Jahren. Besonders stark stiegen die Preise mit einem Plus von 48 Prozent in der Grundversorgung. In anderen Tarifen habe die Steigerung 32 Prozent betragen.

Kritik von Verbraucherschützern und Politikern

Auch die Politik wird auf das Thema aufmerksam. Die Unterschiede von mehr als 20 Prozentpunkten zwischen den Tarifen ließen sich schlicht nicht erklären, klagt etwa Bärbel Höhn (Grüne), die Vorsitzende des Bundestag-Umweltausschusses. "Hier nutzen die Grundversorger die Bequemlichkeit und die teilweise nicht vorhandenen Wechselmöglichkeiten ihrer Kunde aus, um Gewinnmargen zu steigern." Denn wer etwa negative Schufa-Einträge hat, kann kaum in günstigere Tarife wechseln. Höhn fordert einen Automatismus, um Versorger auf breiter Front zu Preissenkungen zu drängen: Wenn ein Stadtwerk für seine wechselwilligeren Kunden bei den Sonderverträgen die Preise senke, müsse analog im Segment der Grundversorgung eine ähnlich hohe Preissenkung erfolgen.

Verbraucherschützer ärgert die Strategie mancher Konzerne. Denn vor allem Kunden großer Versorger wie RWE oder Eon spüren bislang keine Entlastung. "Viele Versorger geben ihr Preissenkungspotenzial einfach nicht weiter", klagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die klare Botschaft an Versorger wie RWE müsse lauten: "Senkt endlich die Preise!"

Vorsicht bei Preisgarantien

Vor allem ein Trick von Energieversorgern stößt auf Verärgerung. Stromanbieter locken Kunden mit Festpreis-Garantien für meist zwei Jahre, die sich bei näherem Hinschauen als Luftnummer entpuppen. "Viele Angebote verdienen den Namen 'Preisgarantie' nicht", warnt Verbraucherschützer Sieverding. Nur wer in die Fußnote schaue, entdecke lange Listen von Ausnahmen, für die diese Preisgarantie eben nicht gelten. Dazu zählen oft Änderungen bei Abgaben oder Umlagen, die Konzerne trotz Garantieklausel an die Kunden weiterreichen können. Gedeckelt, wundert sich Udo Sieverding, werde mit solchen Vereinbarungen vor allem das Risiko der Versorger.

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