Studie über hohe Dispokredite Völlig überzogen

Mit 40 Milliarden Euro sind die Deutschen im Dispo - eine gewaltige Summe. Die Banken machen damit viel Geld, denn sie verlangen bis zu 18,25 Prozent Zinsen. Viel mehr als nötig, zeigt eine Studie im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums. Ministerin Aigner will nun Transparenz schaffen - und die schwarzen Schafe anprangern.

Von Robert Roßmann, Berlin

Randerath und Immendorf stehen nicht gerade im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit. Im vergangenen Jahr haben es die beiden Orte trotzdem in die bundesweiten Nachrichten geschafft. Die Stiftung Warentest hatte mal wieder nach Deutschlands teuerster Bank gesucht - und sie in Nordrhein-Westfalen gefunden. 18,25 Prozent nahm die Volksbank Randerath-Immendorf ausweislich der Warentester an Dispozins, so viel wie kein anderes Institut. Als Bundesdurchschnitt ermittelte die Stiftung immer noch 12,4 Prozent.

Der Bericht löste eine Welle der Empörung aus, schließlich können sich Banken derzeit fast kostenlos refinanzieren. Der wichtigste Leitzins der Zentralbank liegt bei 0,75 Prozent. Aufgescheucht von all der Aufregung gab Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) eine Studie in Auftrag. Das "Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung" und das "Institut für Finanzdienstleistungen" sollten gemeinsam herausfinden, ob die Kreditinstitute ihre Kunden wirklich abzocken.

An diesem Donnerstag will Aigner die Studie präsentieren. 254 Seiten ist das Papier dick, aber das Ergebnis lässt sich schnell zusammenfassen: Ja, die Banken kassieren zu viel - aber die Ministerin meint, dass Gesetze dagegen nicht sinnvoll sind.

Aus der Studie, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, geht hervor, dass sich die Dispokredite der Deutschen auf mehr als 40 Milliarden Euro addieren, das sind 500 Euro pro Bürger. Es geht also um gewaltige Summen. Nun rechtfertigen die Banken ihre Zinsen gerne mit hohen Kosten für die Abwicklung der meist kleinen Kredite - und mit dem angeblich hohen Ausfallrisiko.

Ausfallquote sehr niedrig

Die Studie zeigt, dass es mit beiden Argumenten nicht weit her ist. Die Forscher belegen, dass die Ausfallquote mit 0,3 Prozent außerordentlich niedrig ist, bei normalen Konsumentenkrediten liegt sie bei 2,5 Prozent. Außerdem habe sich der Bearbeitungs- und Verwaltungsaufwand für die Kredite in den vergangenen Jahren nicht erhöht.

Und so kommen die Experten zu dem Schluss, "dass die Erträge aus dem Dispokreditgeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut für dieses einzelne Produkt entstehen, deutlich übersteigen". Das Extra-Geld werde "zur Quersubventionierung anderer Leistungen oder zur Gewinnsteigerung verwendet".

Laut Untersuchung könnten die Banken auch mit einem Zinssatz von zehn Prozent "profitabel arbeiten". Eine gesetzlich festgelegte Zinsobergrenze sehen die Experten aber kritisch. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Banken an dieser Grenze orientieren und bisher billigere Institute den Rahmen ausschöpfen könnten. Außerdem könnten die Banken sich das Geld etwa über eine Anhebung der bisher querfinanzierten Kontoführungs- oder Überweisungsgebühren zurückholen. Dies würde aber alle Kunden treffen, und nicht nur die Schuldner.

Aigner hat sich diese Argumente jetzt zu eigen gemacht. Sie glaubt, dass man dem Problem eher mit Transparenz und dem Anprangern der schwarzen Schafe Herr werden kann. Bei den Gebühren für das Abheben an Geldautomaten sei dies ja auch gelungen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich die Bürger nicht nur aufregen, sondern auch informieren: Bisher kennt fast kein Bankkunde seinen Dispozinssatz.