Strompreise steigen rasant Hässliche Post vom Energieversorger

Hunderte von Stromanbietern schicken ihren Kunden in diesen Tagen Briefe. Inhalt: Saftige Preiserhöhungen. Jüngstes Beispiel ist der Energiekonzern Vattenfall, der in Berlin und Hamburg die Preise drastisch anhebt.

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Stromkunden sind es längst gewohnt, dass ihnen ständig die Preise erhöht werden. Doch was dieser Tage im Briefkasten liegt, könnte dann doch noch mal manchen fassungslos machen: Viele Energieanbieter kündigen teils drastische Preiserhöhungen zum 1. Januar 2013 an.

Weil die Stromkonzerne die Erhöhung ihrer Tarife mindestens sechs Wochen vorher ankündigen müssen, häufen sich in der Zeit zwischen Anfang und Mitte November die Meldungen über Preiserhöhungen. Vor wenigen Tagen gab der Energieversorger EnBW etwa eine Preiserhöhung von zehn Prozent bekannt. Nun zieht der vor allem in Norddeutschland vertretene Großanbieter Vattenfall nach. Wie ein Unternehmenssprecher Süddeutsche.de bestätigte, setzt er seine Preise für mehr als zwei Millionen Kunden in den beiden Märkten Berlin und Hamburg um 13 Prozent nach oben.

Es die höchste Erhöhung, die der Konzern jemals in Deutschland verkündet hat. Allerdings sind je 13 Prozent ein Druchschnittswert. Je nach gewähltem Tarif und je nach Verbrauch kann die Preissteigerung höher oder niedriger ausfallen.

Nach Angaben des Verbraucherportals Verivox haben bundesweit bereits mehr als 200 Anbieter für das kommende Jahr Preiserhöhungen angekündigt. Im Durchschnitt müssen Verbraucher elf Prozent mehr zahlen.

Entwicklung des Strompreises

Entwicklung des Strompreises

Die Preissteigerungen begründen die Konzerne mit den gestiegenen Kosten für die erneuerbaren Energien. Die sogenannte EEG-Umlage, mit der der Ausbau des Ökostroms finanziert wird, beträgt im kommenden Jahr statt 3,6 Cent je Kilowattstunde 5,3 Cent. Einen Vier-Personen-Haushalt belastet das mit etwa 60 Euro im Jahr zusätzlich.

Die rasant steigenden Strompreise haben zuletzt in der schwarz-gelben Koalition die Kritiker eines schnellen Ökostrom-Ausbaus beflügelt. So setzt etwa Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler darauf, dass es noch vor der Bundestagswahl im Herbst 2013 zu einer grundlegenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes kommt. "Wenn die Ministerpräsidenten der Union im Bundesrat mitziehen, wird das gelingen", sagte der FDP-Chef der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Rösler verwies darauf, dass im Koalitionsausschuss beschlossen worden sei, eine zügige Reform anzugehen, um die Strompreise stabil zu halten. "Bislang war die Union hier eher zögerlich", sagte der Wirtschaftsminister. Die Energiewende werde nur gelingen, wenn keine Arbeitsplätze gefährdet würden. Denn wenn Jobs verloren gehen, sinkt die Akzeptanz für den Umbau unserer Energieversorgung. Das kann niemand ernsthaft wollen.

Die Deutsche Umwelthilfe dagegen kritisiert die Debatte um die steigenden Strompreise. Sie trage "teilweise irrationale Züge" und werde von "interessierter Seite geschürt, um die Zustimmung der Deutschen zu den erneuerbaren Energien zu unterminieren". Mit Blick auf die jetzigen Erhöhungen sagte Umwelthilfe-Bundesgeschäftsführer Michael Spielmann: "Diese blauen Briefe sind für niemanden wirklich erfreulich, aber für die große Mehrzahl der Empfänger auch nicht bedrohlich." Bei den untersten Einkommensgruppen, für die die Preissteigerung tatsächlich ein Problem darstellten, müsse der Staat ausgleichend eingreifen.

Spielmann rief die Bundesregierung dazu auf, bei der Energiewende für eine faire Lastenverteilung zu sorgen, um die Zustimmung zur Energiewende nicht weiter zu gefährden. "Die Strategie der Bundesregierung, immer größere Teile der Industrie über Gebühr zu entlasten und private Haushalte und den Mittelstand im Gegenzug zu belasten, muss beendet werden."