Rekordkäufe im dritten Quartal Zentralbanken decken sich mit Gold ein

Gold ist begehrt - nicht nur bei den Anlegern, sondern auch bei den Zentralbanken. Im abgelaufenen Quartal kauften sie fast 150 Tonnen Gold, so viel wie noch nie in einem solchen Zeitraum. Doch wer genau da ein Goldpolster gegen die Schuldenkrise anlegen will, ist nicht klar.

Gold gilt als sicherer Hafen - weswegen das Edelmetall in den vergangenen Monaten zahlreiche Rekordnotierungen erzielte. Auf mehr als 1900 Dollar stieg es zwischenzeitlich an, Experten erwarten, dass er im kommenden Jahr die 2000-Dollar-Marke überspringt. Doch nicht nur Anleger investieren in Gold, sondern auch die Zentralbanken der Welt.

Fast 150 Tonnen Gold haben internationale Notenbanken allein in den Monaten Juli bis September gekauft - geht die Entwicklung so weiter, brechen die Banken damit einen 40 Jahre alten Rekord.

(Foto: REUTERS)

Diese kauften zwischen Juli und September insgesamt 148,4 Tonnen Gold, berichtet die Financial Times - so viel wie noch nie in einem Quartal seit 2002. Das geht aus einem Bericht des World Gold Council (WGC) hervor, einer Lobbygruppe der Goldindustrie, die seit 2002 Verkaufszahlen einzelner Quartale veröffentlicht.

Welche Zentralbanken zu den Käufern zählten, wollte der WGC aus Gründen der Vertraulichkeit nicht bekanntgeben, es seien aber "ein paar neue Marktteilnehmer, die sich mit Goldreserven ein Polster schaffen wollen", sagte Marcus Grubb vom WGC der Zeitung. "Es ist eine Reihe von Käufern aus verschiedenen Ländern." Mit den Käufen wollen sich die Notenbanken offenbar gegen Risiken wie Währungsschwankungen absichern und das Gold als Anteil an Devisenreserven verwenden.

Die Zentralbanken sind einer der wichtigsten Antreiber des Goldmarktes, aber nur wenige legen Details zu den Veränderungen in ihren Barrenbeständen offen. Vor zwei Jahrzehnten noch verkauften sie mehr Gold als sie einkauften - dieser Trend änderte sich allerdings im Jahr 2010. Sie gehören nun zu den größten Goldeinkäufern. Angeführt von den Zentralbanken der Schwellenländer stehen sie davor, in diesem Jahr einen Rekord zu brechen und so viel Gold zu kaufen wie zuletzt vor 40 Jahren.

Die meisten der Käufe fanden im September statt, sagte Grubb, als die Preise markant gefallen waren von einem Rekordlevel von mehr als 1900 Dollar pro Unze auf knapp 1550 Dollar. Diese Entwicklung sei außerdem zusammengefallen mit dem Streit in den USA über die Anhebung der Schuldengrenze - der Dollar galt zu diesem Zeitpunkt ohnehin als besonders angeschlagen.

Der WGC rechnet damit, dass die Notenbanken bis zum Ende des Jahres noch weitere 90 Tonnen kaufen werden - insgesamt läge der Gesamtwert für alle vier Quartale des Jahres 2011 dann bei 450 Tonnen. Diese Menge entspräche bei einem aktuellen Goldkurs von circa 41.400 Euro pro Kilogramm insgesamt 18,63 Milliarden Euro. Das britische Forschungsinstitut für Gold und Silber (GFMS) hatte im vergangenen Monat einen Wert von 400 bis 500 Tonnen für das Jahr vorausgesagt, nachdem es noch im September nur 336 Tonnen prognostiziert hatte.